Baukosten gehen aktuell durch die Decke

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Zuletzt aktualisiert 28.11.2022
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S

Scout**

Da wäre jetzt halt noch interessant zu wissen, wie lange die Finanzierungen mit 38% des Einkommens in den 70ern bis 90ern im Durchschnitt gedauert haben und wie lange sie jetzt mit durchschnittlich 25% dauert!? Die Zinsen waren ja damals auch deutlich höher, ergo müsste die Tilgung ja theoretisch niedriger gewesen sein. Auch interessant wäre hier sicher die Eigenkapitalquoten von damals zu heute zu vergleichen. Keine Ahnung, ob es damals schon so viele 110%-Finanzierungen gab wie heute? Ich bezweifle das stark.
Also so aus Erinnerungen aus den 1990ern und teilweise den späten 1980ern haben die damals typischen Finanzierungen immer auf Tilgung binnen 25 bis gut 30 Jahren abgezielt. Bis über das Alter von 65 (damaliges Rentensalter) galt als unanständig und als nicht durchzukriegen bei der Bank.

110% Finanzierungen waren bei EFH unbekannt. Üblich waren 60% Beleihungsgrenze, bis 80% waren möglich galten aber gerad bei den Älteren schon eher als Harakiri.:) Es wurde viel Muskelkraft als EK eingesetzt und auch angerechnet. Damals haben auch viel mehr Bekannte und Freunde sich beim Bau mit eingesetzt, es gab gefühlt anteilig auch mehr Handwerker als heute.

Den Bauplan gezeichnet und eingereicht hat etwa der Cousin (Polier), der auch den Rohbau geleitet hat und der vom Fußballverein und zwei Onkeln dann mit durchgeführt wurde. Der Dachstuhl wurde vom Freund eines Freundes an mehreren Samstagen mit gestellten Helfern errichtet. Das Dach gedeckt und die Heizung eingebaut wurde vielleicht wieder auf Rechnung. Sonstiger Innenausbau erfolgte gerne mit der Großfamilie, mit einfacheren Fleißarbeiten wie die Dämmung anbringen oder Streichen wurden auch schon mal gegen kleines Handgeld die halbwüchsigen Kinder aus der Nachbarschaft beauftragt.

In den Dörfern hast du es nach Feierabend und Samstags überall Hämmern, Bohren und Sägen gehört. Viele Häuser wurden erst Jahre später überhaupt außen verputzt, die Außenanlagen waren bei Bezug bis auf das Nötigste auch nur rudimentär vorhanden.

Mensch, fühlt man sich da alt...bin übrigens selber Jahrgang 1975 und lebte damals im Vorspessart.
 
WilderSueden

WilderSueden

Alleine die ganzen Streaming Angebote für TV (kenne Leute, die über 80€! im Monat dafür ausgeben... )
Und jetzt kannst du mal ausrechnen wieviele Eintritte ins Kino du für 80€ bekommst. Da sieht Streaming dann schnell wie eine Sparmaßnahme aus ;)

Ich würde hier jetzt auch nicht alle Entwicklungen verteufeln. Kinderbetreuung schlägt finanziell rein, aber wollen wir deshalb den Frauen das Arbeiten verbieten? Und auch das mit den Autos...ein zweites Auto haben meine Eltern erst angeschafft als ich in den Kindergarten gekommen bin (mit 4, nicht mit 1 wie heute), bis dahin saß sie relativ immobil mit 1-2 Kindern zu Hause auf einem Dorf mit gut 100 Haushalten. Ohne ÖV natürlich.

Aber ja, es wurde anders getilgt. Vor wir Kinder da waren, haben meine Eltern von dem gelebt was meine Mutter als Arzthelferin verdient hat und das komplette Gehalt von meinem Vater ins Haus gesteckt. Da geht dann auch bei hohen Zinsen was weg.

Das bedeutet, dass die deutschen Immobilienbesitzer im Schnitt 25 Prozent ihres Einkommens für Zins und Tilgung aufwenden.
Wobei ich da mal eine gesunde Portion Skepsis anbringen würde. Das durchschnittliche Haushaltsnetto liegt bei ca 3600€, da wären 25% dann 800€ Rate. Gehen wir mal davon aus, dass Immobilienbesitzer überdurchschnittlich verdienen und schlagen 50% drauf, dann sind das immer noch nur 1200€. Für Neufinanzierungen ist das ziemlich niedrig oder unglaublich lange gestreckt. Ich vermute stark, dass alte Finanzierungen hier einfach die Statistik verzerren. Wer vor 20 Jahren abgeschlossen hat und jetzt einfach die Rate so weiterlaufen lässt, hat natürlich eine ziemlich niedrige Quote
 
S

Scout**

Wobei ich da mal eine gesunde Portion Skepsis anbringen würde. Das durchschnittliche Haushaltsnetto liegt bei ca 3600€, da wären 25% dann 800€ Rate. Gehen wir mal davon aus, dass Immobilienbesitzer überdurchschnittlich verdienen und schlagen 50% drauf, dann sind das immer noch nur 1200€. Für Neufinanzierungen ist das ziemlich niedrig oder unglaublich lange gestreckt. Ich vermute stark, dass alte Finanzierungen hier einfach die Statistik verzerren. Wer vor 20 Jahren abgeschlossen hat und jetzt einfach die Rate so weiterlaufen lässt, hat natürlich eine ziemlich niedrige Quote
In dem Artikel der WELT kommt man durch Zurückrechnen auf ein durchschnittliche Haushaltsnetto von etwa 5500 Euro. Also 1375 Euro Rate bei 25%. Vermutlich gilt diese Rechnung nur für die Haushalte, die auch tatsächlich kaufen und ist nicht bezogen auf alle Haushalte.
 
4

44quattrosport

"Das bedeutet, dass die deutschen Immobilienbesitzer im Schnitt 25 Prozent ihres Einkommens für Zins und Tilgung aufwenden."


Zwar etwas OT, aber Sonntag hatte ich Kreditverträge der Schwiegereltern in der Hand. DDR.

Die nun genannten Zahlen sind auswendig, stimmen also nur annähernd ;)

1986 Hauskauf, 10Tsd. Ost-Mark Kredit mit 1% p.a. verzinst, Rate weiss ich nicht mehr
März 1990 für An- und Umbauten 40Tsd. Ost-Mark mit 1% p.a. verzinst, vereinbarte monatliche Rate hierfür 68,- Ost-Mark

Zinsbindung etc. nicht existent, halt eben 1%.

Die 68,- Mark der DDR entsprachen etwa 25% des damaligen Netto-Gehaltes der Schwiegermutter (damals 10 Stunden in der Woche gearbeitet).

Keine Ahnung wie das dann in die uns heute bekannte Welt übertragen wurde... muss bei Gelegenheit mal fragen.

Hauspreis übrigens ca. 8Tsd., dafür sind u.a. auch einzelne Blumen im Garten und eine Hollywoodschaukel als zu begleichend aufgeführt (weil Wertsteigernd).



 
G

Gelbwoschdd

Also so aus Erinnerungen aus den 1990ern und teilweise den späten 1980ern haben die damals typischen Finanzierungen immer auf Tilgung binnen 25 bis gut 30 Jahren abgezielt. Bis über das Alter von 65 (damaliges Rentensalter) galt als unanständig und als nicht durchzukriegen bei der Bank.

110% Finanzierungen waren bei EFH unbekannt. Üblich waren 60% Beleihungsgrenze, bis 80% waren möglich galten aber gerad bei den Älteren schon eher als Harakiri.:) Es wurde viel Muskelkraft als EK eingesetzt und auch angerechnet. Damals haben auch viel mehr Bekannte und Freunde sich beim Bau mit eingesetzt, es gab gefühlt anteilig auch mehr Handwerker als heute.

Den Bauplan gezeichnet und eingereicht hat etwa der Cousin (Polier), der auch den Rohbau geleitet hat und der vom Fußballverein und zwei Onkeln dann mit durchgeführt wurde. Der Dachstuhl wurde vom Freund eines Freundes an mehreren Samstagen mit gestellten Helfern errichtet. Das Dach gedeckt und die Heizung eingebaut wurde vielleicht wieder auf Rechnung. Sonstiger Innenausbau erfolgte gerne mit der Großfamilie, mit einfacheren Fleißarbeiten wie die Dämmung anbringen oder Streichen wurden auch schon mal gegen kleines Handgeld die halbwüchsigen Kinder aus der Nachbarschaft beauftragt.

In den Dörfern hast du es nach Feierabend und Samstags überall Hämmern, Bohren und Sägen gehört. Viele Häuser wurden erst Jahre später überhaupt außen verputzt, die Außenanlagen waren bei Bezug bis auf das Nötigste auch nur rudimentär vorhanden.

Mensch, fühlt man sich da alt...bin übrigens selber Jahrgang 1975 und lebte damals im Vorspessart.
Genau das muss bei dieser Betrachtung meiner Meinung nach halt mit einfließen, anders sind es einfach nur Äpfel mit Birnen verglichen.
Aber wie sagt man so schön: traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.
 
Zuletzt aktualisiert 28.11.2022
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