KNX Installation im EFH – Ratlosigkeit

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untergasse43

untergasse43

Übrigens zeigt sich bei der eigentlichen Intelligenz (wenn man nicht nur fancy blinkende Lichtschalter will) auch das Können des Errichters. Der wählt nämlich nach exakt diesen Kriterien die Bauteile aus, d.h. welche Aktoren* und Sensoren haben welche Logikfunktionen oder andere sinnvolle Features für das gewünschte Ergebnis. Ein KNX*-Haus muss vor dem Bau möglichst exakt geplant sein und der Planer muss an extrem vieles denken. Ich würde wetten, dass das 95% der Elektriker im Land nicht darauf haben, die ein buntes KNX-Logo auf dem Auto haben. Deshalb gibt es u. A. den Systemintegrator! Ein Elektriker kann, wenn er das nicht absolut täglich und hauptsächlich macht, garkeinen guten Überblick haben. Die gehen mit ihren E-Plänen zum nächsten Großhändler und lassen sich dann von denen oder ihrem Hager/Gira/BJ-Vertreter was zusammenklatschen. Sowas merkt man dann an den bereits erwähnten Teilelisten, auf denen du nur einen Hersteller findest. Absolutes KO-Kriterium. Dann hast du am Ende viel bezahlt, hast Standard-Funktionen und könntest wesentlich mehr Leistung haben. Daher: Alles selbst anlernen. ETS beschaffen, Applikationen von allen möglichen Geräten anschauen und verstehen, dann überlegen was du willst, dann einkaufen gehen. Oder aber einen sehr guten Systemintegrator suchen, wenn du das ganze nicht die nächsten Jahre als nervenaufreibendes Hobby betreiben willst. Üblicherweise ziehen die anderen Familienmitglieder schnell die Reißleine, wenn der Bastelspaß nicht zeitnah die gewünschten Früchte trägt.

Teilweise kann man Fehlgriffe bei den Geräten und ihren Funktionen im Nachhinein durch Server/Logikmaschinen/Visualisierungen noch korrigieren, will oder kann man das aber nicht, muss man sich vorher extrem konzentrieren.
 
F

Fuchur

Ein Hinweis noch zu dem Buch: Es ist ein super Einstieg. Du bist danach kein KNX-Profi, aber du kannst gewisse Dinge bewerten und die richtigen Fragen stellen. 2 Dinge solltest du aber im Hinterkopf behalten:

1. Es ist in manchen Teilen veraltet und sollte daher nicht 1:1 in den beschriebenen Beispielen umgesetzt werden. Beispiel: Im Buch wird eine Linie pro Geschoss empfohlen. Das macht man heutzutage eigentlich nicht mehr. Gerne nutzt man im EFH nur die Hauptlinie und bringt dort alle Geräte unter (auch wenn es mehr als 64 sind, ja das geht). Hat den Vorteil, du kannst an jeder beliebigen Position neue Linien anknüpfen (Ein Linienkoppler muss zwingend auf die Hauptlinie) und so z.B. flexibel Funklinien später nachrüsten.

2. Auch wenn es anders beschrieben wird - das Buch ist keine Umsetzungsempfehlung, sondern eher ein Marktüberblick mit allem, was so möglich ist. KNX-Grundaufbau, Licht per DALI, Sensoren per 1-Wire,..... bringt nur unnötige Komplexität wegen ein paar Euro möglichen Ersparnis, viele Fehlerquellen und spätestens wenn du dein ganzes Haus per DALI-Leuchten einrichten willst, solltest du deine Baufinanzierung erheblich aufstocken

Schaue auch mal ins KNX User Forum und lese dort einfach quer, da nimmst du auch viel mit über die Möglichkeiten und vor allem tatsächliche, praktische Umsetzungen.
 
Tarnari

Tarnari

Tatsächlich habe ich mir das Buch wirklich in erster Linie besorgt, um einfach ein Grundverständnis für die Sache zu bekommen.
Ich erhoffe mir davon, ein Gefühl zu bekommen, was da eigentlich auf so einem Angebot steht.
Ich bezweifle zwar, dass mir das so schnell gelingen wird, dass ich am Samstag soweit bin. Aber gut.

In dem Zusammenhang, stellt sich mir eine Frage.
Ist es eigentlich möglich, quasi eine Grundkonfiguration zu errichten, die möglicherweise nicht so ein hohes Einstiegsinvestment erfordert?
Ich stelle mir sowas vor, wie Verkabelung komplett errichten, aber funktionell erst mal absolute Basics umzusetzen.
Meinetwegen sogar erst mal ohne logiken oder Szenen.
Mal ganz plump gefragt, angenommen ich lasse alles entsprechend verkabeln aber nichts weiter.
Kann ich dann trotzdem für den Anfang ohne weitere Programmierung dem Raffstore durch Taste drücken bewegen zu schließen?
oder lässt sich das so nicht umsetzen und das Ergebnis wäre erst mal, das nichts funktioniert bis irgendwas programmiert ist.

Also um genauer zu sein. Kann ein Smarttaster anfangs erst mal nur zum manuellen steuern verwendet werden und später so programmiert werden, dass meinetwegen aller gleichzeitig runtergehen oder was auch immer?
Wobei, dass das geht ist mir klar, aber kann man so Geld sparen?

Sollte sowas möglich sein, könntet ihr einen Vorschlag abgeben, wie so eine Grundinstallation, die dann langfristig ergänzt wird, aussehen könnte?

Edit: im KNX-Forum war ich bereits. Ich hab da das Problem, dass dort vieles so technisch ist, dass mir das noch schwer fällt, dort wirklich Informationen zu bekommen.
Und an dieser Stelle muss ich mal ein dickes, aufrichtiges Lob an Euch loswerden:
Ich freu mich riesig, wie sehr Ihr euch mit mir auseinandersetzt. Ich bin kein Forenneuling und weiß, dass das nicht selbstverständlich ist.
Ganz dickes Danke dafür!
 
Zuletzt bearbeitet:
untergasse43

untergasse43

Klar, du kannst den Elektriker zunächst alles installieren und dann ähnlich wie konventionelle Taster programmieren lassen. Automatiken oder andere Spielereien sind dann, sofern an die Hardware gedacht wurde, nur noch Programmieraufwand. Möglicherweise kommst du dann mit den Tastern nicht ganz hin, weil später ja vieles automatisch laufen sollte und nicht jede Aktion einen eigenen Taster benötigt bzw. es schon halbwegs schlau geplant wurde. Sehr viel wird das aber nicht sein, was du so an Programmierleistung sparst. Eine Jalousiegruppe ist wenige Minuten mehr Arbeit, als eine einzelne.

Da du nach dem Projekt vom Elektriker die Projektdatei erhältst, kannst du dir die später mal ja anschauen und ggf. mit einem dann deutlich gewachsenen Wissenschatz entweder selbst erweitern oder jemand anderen erweitern lassen. Wissen spart Geld. Die Ideen für sinnvolle, intelligente Funktionen kommen dir sowieso erst nach einiger Zeit im Haus.

Um die Verkabelung, Aktoren, Taster und Sensoren kommst du aber auch so nicht herum. Wenn du ganz zwanghaft sparen willst, kauf dir erst mal die billigsten Taster, die du findest. Da geht es schon im mittleren zweistelligen Bereich los. Erfahrungsgemäß hält aber nichts so lange, wie ein Provisorium und Spaß kostet.
 
F

Fuchur

Du hast auf dem Weg eigentlich nur 3 Optionen, wirklich Geld zu sparen. Das eine ist die Eigenleistung von Planungsleistungen und/oder Parametrierung. Letzteres würde ich unbedingt empfehlen, denn vieles an Details stellt sich erst beim Wohnen heraus und dann willst du ja nicht für jede Veränderung des Eli anrücken lassen. Nebenbei schult es auch das Verständnis für die Zusammenhänge falls mal etwas ausfällt.

Das andere ist das Weglassen von Spielereien, die sich nachrüsten lassen. Allem voran die Visu, die problemlos 2-8T€ verschlingen kann.

Und als drittes gibt es ein breites Band an Preisen für die Komponenten. Ein smarter Schalter kann 50€ kosten oder 800€ und beide können das gleiche.

Alles andere spart mit Vorrüsten nichts ein. Die Verkabelung muss fertig sein, den Aktor und Schalter brauchst du auch. Ob der nun rudimentär oder fix und fertig parametriert wird, macht keinen Unterschied. Für Raffstoren brauchst du einen Windwächter, egal ob die 100 weiteren Komfortfunktionen der Wetterstation genutzt werden oder nicht. Du kannst billige Schalter verbauen und später tauschen, aber der Vorteil ist nicht riesig und schmilzt zusammen, da du ja alles doppelt kaufen musst.

Versuche dir deshalb so früh wie möglich klar zu werden, was dir wirklich wichtig ist und was nette Spielerei. Stell dir ein Ranking auf. Alles was du nicht umsetzen kannst/willst, wird entweder gestrichen oder kommt auf eine Warteliste. Dann dafür sorgen, dass an den entsprechenden Stellen Leerdosen gesetzt werden und das Buskabel überall vorhanden ist, wo es mal gebraucht wird später.

Aus unserer eigenen Planung: Ich hatte einen Großteil der Steckdosen schalt- oder messbar geplant. Übrig geblieben sind jetzt noch die Außensteckdosen sowie eine im Keller und die für die TV-Geräte.
 
Tarnari

Tarnari

Danke für dieses tolle Feedback.

zu den schaltbaren Dosen, das ist ein guter Punkt.
Wie ist das prinzipiell, wenn wir nun sagen nur diese und jene muss schaltbar sein, wie sind die anderen dann verkabelt? Legt der Elektriker dann nur Strom zu den anderen, oder sind die auf alle Fälle so verkabelt, dass man im Prinzip jede Dose später schaltbar machen kann?
 
F

Fuchur

Beides ist möglich. Ich persönlich bin kein Freund davon. Denn die Verkabelung ist ja das teure und nicht der extra Aktor. Und so viele Kabel wollen auch im Anschlussraum gehandelt werden. Mal ganz ab von der notwendigen Absicherung der vielen Phasen.

Frag dich doch mal, wofür was schaltbar sein muss. Nur für die Weihnachtsdeko? Die meisten Geräte heute mögen den Hardreset gar nicht. Wie gesagt, bei uns die Außendosen und die TV-Dosen für Szenensteuerung/Verschattung.
 
Zuletzt aktualisiert 26.06.2022
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