Renovieren: Anderen Belag auf Parkett verlegen?

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Hallo zusammen,

eine Freundin will ihre Wohnung renovieren und hängt derzeit beim Thema Fußboden fest. Derzeit liegt dort Parkett von vor 50 Jahren. Der Untergrund vom Parkett ist wohl nicht so toll, daher war Ihre Idee das Parkett drin zu lassen und PVC oder Linoleum darauf zu legen. Sie kam auf die PVC/Lino Idee, da dann die vorhandenen Türen noch sauber öffnen und schließen. Als Alternative haben wir eben darüber gesprochen dass man theoretisch auch Trittschall+Laminat verlegen könnte (weil günstiger) und die Türen um einen Zentimeter kürzen könnte.

Parkett rausreißen ist für sie aus finanziellen gründen keine Option.

Sind das generell machbare und plausible Ideen? Das Parkett ist jetzt auch nicht 100%ig gerade, kann man da überhaupt einfach was drüber legen? Muss man sich Gedanken um Feuchtigkeit im Parkett machen, wenn dort "dichte" belege wie PVC drüber liegen?
 
Was für eine Schande. Warum nicht abschleifen?
DAS war mein allererster Gedanke aber optisch gefällt es ihr nicht so gut und laut den Angeboten die sie sich von lokalen Handwerkern geben lassen hat, wäre das Abschleifen und Versiegeln(?) ungefähr so teuer wie neuer Boden. Kann nicht beurteilen ob das stimmt, aber so sagte sie es.
 
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KlaRa

Moderator
Hallo "Ben-Man".
Leider lese ich Deinen Artikel erst heute, damit erst ca. 3 Wochen nach dem Eintrag und hoffe, es ist noch aktuell.
Zu dem von Dir angeschnittenen Thema folgendes:
Ein Parkett, welches vor ca. 50 Jahren verlegt wurde, ist bezüglich einer Renovierung mit Vorsicht zu genießen.
Unter "Renovierung" versteht man Abschleifen, Spachteln, grundieren und Neuversiegelung.
Warum "mit Vorsicht zu genießen"?
Das liegt u.a. daran, dass die damaligen Parkettklebstoffe (bei den heutigen weiß man es noch nicht) über die längere Nutzungsdauer hinweg schlichtweg versprödeten. Auch bituminöse Klebstoffe, die ja seinerzeit Anwendung fanden.
Bedeutet: wenn das Parkett bewegt wird, wie beispielsweise durch die Mechanik beim Abschleifen, reißt die Klebfuge ab, Das Parkettholz löst sich vom Untergrund und kann problemlos aufgenommen werden.
Wird ein Parkettholz mit einem dampfdiffusionsdichten Oberbelag belegt (dazu gehören u.a. PVC/Lino), kann (muss nicht zwingend) das Gleiche, aber aus anderen Gründen passieren.
Der "Erfolg" ist jedoch der Gleiche. Dein Hinweis bzw. die Frage, ob man sich Gedanken um Feuchtigkeit machen muss ist berechtigt, kann aber nur bewertet werden, wenn man die spezifischen Objektbedingungen kennt (heißt: Wo ist der Bestandsestrich über welchem Raum mit welchen klimatischen Beidingungen aufgebaut etc.)
Ein (gelernter) Parkettleger/Parkettlegermeister wird an einer seitlichen Stelle erst einmal den Klebeverbund prüfen, bevor er sich den voraussehbaren Totalschaden "auf den Rücken schnallt".
Hält das System in dem Handversuch der mechanischen Belastung des Versuchs nicht stand, muss das Parkett entweder weiter so genutzt werden wie über die letzten Jahre, oder es muss eben zurückgebaut werden! Ob man das nun will oder nicht.
Ein Laminatfußboden als zweite Ebene auf dem Parkettboden mag im ersten Moment eine Zwischenlösung darstellen. Ich befürchte, dass dieser Gedanke aber in Kürze der Ernüchterung weichen wird.
Möglicherweise, so mein Schlusswort, wird sich bei Deinem Ausspruch
>Parkett rausreißen ist für sie aus finanziellen gründen keine Option>
das betroffene Parkett selber nicht daran halten, um es scherzhaft zu formulieren.
Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, bedarf es keiner Überlegungen mehr, ob man den Zugang (zum Brunnen) nicht absichern sollte. Dann kommt der erlösende Gedanke zu spät!
Eine sichere Entscheidung wünscht Dir: KlaRa
 
Wenn ihr das Parkett nicht renovieren wollt, dann bleibt eigenlich nur einen Teppich lose darüber zu legen; Wenn es Miete ist scheidet alles aus, was den Boden beschädigt.

Parkett von vor 50 Jahren ist häufig von sehr guter Qualität und kann mehrfach renoviert werden; auch können Riemchen nachgeklebt werden, falls einzelne lose sind. Wenn der Boden uneben ist, dürfte der Estrich z.T. eingebrochen sein?
 

KlaRa

Moderator
Wenn ihr das Parkett nicht renovieren wollt, dann bleibt eigenlich nur einen Teppich lose darüber zu legen; Wenn es Miete ist scheidet alles aus, was den Boden beschädigt.

Parkett von vor 50 Jahren ist häufig von sehr guter Qualität und kann mehrfach renoviert werden; auch können Riemchen nachgeklebt werden, falls einzelne lose sind. Wenn der Boden uneben ist, dürfte der Estrich z.T. eingebrochen sein?
Wir wollen hier keine "Pferde scheu" bzw. "kein Fass aufmachen" und Probleme herbeireden, wo es keine Probleme gibt.
Ob das Parkett tatsächlich "gut ist", entspricht einerseits reiner Spekulation und andererseits hat es mit der Versprödung eines Klebstoffs nichts zu tun. Und die Oberflächenebenheit, welche der Fragesteller zu keinem Zeitpunkt angesprochen hatte, hat eine eingeschränkte Tragfähigkeit des Estrichs ist nun erst einmal ohne entsprechende Hinweise frei aus der Luft gegriffen.
Dieses Fachforum dient der allgemeinen Hilfestellung und nicht der zusätzlichen Verunsicherung.
Die Klebstoffversprödung ist zwar -zugegeben- auch meinerseits spekulativ aufgeführt, aber nicht grundlos. Es entspricht einfach meiner Berufserfahrung, dass das bei der damaligen (geringen) Klebstoffauswahl heute so sein wird.
Eine lose Verlegung eines Textilbelages ist bei sehr kleinen Räumen und einer eher untergeordneten Nutzung möglich, bei einem Wohnzimmer allerdings entspricht es nicht den Regeln des Fachs - und es würde aufgrund der raumklimatischen Wechsel eher früher als später zu Wellenbildungen in der Belagebene kommen.
Von dieser vor ca. 20 Jahren durchaus nicht unüblichen "Verlegeart" mit lediglich Seitenfixierungen durch doppelseitig klebende Trockenklebstoffe ist bei größeren Räumen dringend abzuraten.
Zutreffend allerdings der Hinweis, dass jede Arbeit an einer fest mit dem Bauteil verbundenen Konstruktionsschicht keinesfalls in die Eingriffsmöglichkeit eines Mieters fällt sondern nur und ausschließlich Sache bzw. Entscheidungshoheit des Eigentümers ist.
 
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