EFH KfW55 - Mehrkosten Abzocke oder gerechtfertigt?

4,80 Stern(e) 4 Votes
D

DerBauHerr1988

Liebe Foren Gemeinde,

meine Frau und ich möchten uns für kommendes Jahr den Wunsch vom EFH erfüllen.
Unsere Entwurfsplanung ist bereits fertig und wir sind aktuell dabei Angebote von potentiellen Baufirmen einzuholen.
Wir möchten Schlüsselfertig in Massivbauweise bauen. (BW , Raum Stuttgart/Esslingen)

Zum Ablauf der Angebotsphase:
1. Angebot wurde uns ohne KFW Zusatzkosten erstellt (wieso wissen wir nicht, wir haben bereits zum 1. Gespräch die nowendigen Unterlagen des Energieberates vorgelegt)
2. Angebot wurden Zusatzkosten in Höhe von 49.000€ aufgerufen zur Erreichung KFW55 gem. Gutachten Ernergieberater

Wir sind schockiert von den Mehrkosten. Daher stellt sich uns die Frage ob sich das für uns überhaupt lohnt.
Wir hatten zwar Glück das unser Antrag zur KFW Förderung Mitte Januar noch bewilligt wurde (26.000€ Zuschuss) aber zur Erreichung des Standards müssen wir zusätzlich noch 23.000€ zuschießen. Meinem Verständnis nach, kann ich für dieses Geld in den kommenden Jahren noch viel heizen.

Wir sind uns bewusst, dass aktuell die Kosten für Baumaterialien etc durch die Decke gehen. Trotzdem erscheint uns das Angebot zu hoch.
Die Leistungsbeschreibung ist auch sehr dünn beschrieben. Muss nicht jeder Neubau einen gewissen Mindeststandard gem. GEG abdecken?
Ist dies mit der Leistungsbeschreibung überhaupt abgedeckt? Beispiel Dach: Laut Leistungsbeschreibung ist keine Dämmung im DG vorgesehen. (nur vorbereitende Maßnahmen)

Ich habe die zusätzlichen notwendigen Maßnahmen gem. Bauunternehmen unten aufgeführt. Zusätzlich zu den Informationen aus der Leistungsbeschreibung.
Was ich vorab geprüft habe: Die Maßnahmen die hier aufgeführt sind, decken sich größtenteils mit den Inhalten/Bauteilliste des Ernergieberates.

Trotzdem stellt sich für uns folgende Fragen:
  1. Umstellung der Fundamentart: Ist im Angebot nicht genau beschrieben. Ist dies gerechtfertigt? Ist eine Bodenplatte tatsächlich teurer als ein Streifenfundament?
  2. Mehrkosten für Baumaterialien+Arbeitszeit: Sind das eurer Erfahrung nach realistische Preise? Wenn ich die Bauteile gem. Bauteilliste des Energieberaters google komme ich auf ein Kostenverhältnis 1 zu 3 (ein Drittel Materailkosten, 2 Drittel Arbeitszeit) --> Am Beispiel für Dämmung unter Dach

Wie sind eure Erfahrungen in diesem BEreich? Was würdet ihr tun? Die Kosten zähneknirschend akzeptieren mit dem Wissen das man sich in den kommenden Jahren bei (vermutlich) steigenden Energiepreisen damit einen gefallen tut? Wie kann man solche Kosten noch weiter Challengen? Ist das mitlerweile einfach normal oder schon Wucher?

Ich freue mich auf Eure Rückmeldungen und eine angeregte Diskussion.


Maßnahme 1: Mehrkosten: 12.190 €
  • Umstellung tragende Bodenplatte (WU-Beton) statt Streifenfundamente
  • Unter Bodenplatte 12cm Dämmung, sowie auf Bodenplatte unter Gattstrich 12cm Dämmung
Standard gem. Bauleistungsbeschreibung:

Fundamente:

  • Die Ausbildung der Fundamente richtet sich nach den statischen Erfordernissen, wobei eine Bodenpressung von mindestens 0,2 MN/M² zugrunde gelegt wird. Die Gründung muss ebenerdig sein und erfolgt rostfrei.
  • Schlechtere Bodenpressungen, insbesondere Knollenmergel (schlecht und vor allem witterungsabhängig bearbeitbare Gesteinsformation) ergeben Mehrkosten.
Bodenplatte:
  • Wir stellen eine 15cm starke Bodenplatte (in Ortbetongüte) her. Eine 10cm starke Kiesfilterschicht dient als Flächendrainage. Zwischen Bodenplatte und Kiesfilterschicht wird eine Trennfolie verlegt. Ein einbetoniertes umlaufendes Fugenband dient als zusätzliche Abdichtungsmaßnahme zur Wand.

Maßnahme 2: Mehrkosten: 12.710 €
  • Kelleraußenwände mit 12cm Perimeterdämmung, alle Stahlkellerfenster als Kunststofffenster, Farbe: Weiß, Klarglas mit 2-fach Isolierverglasung
Standard gem. Bauleistungsbeschreibung:
  • Die Kelleraußenwände werden als 24cm starke Stahlbetonwände aus Beton C25/30 ausgeführt. Ein Dichtungsanstrich schützt vor Beanspruchung durch Bodenfeuchtigkeit. Eine mehr lappige Noppenbahn schützt den Dichtungsanstrich.
  • Im Keller werden feuerverzinkte Metallfenster eingebaut. Diese haben eine einfache Verglasung und ein Mäusegitter. Betonfertiglichtschächte sind maximal 1m hoch und enthalten einen feuerverzinkten Abdeckrost.

Maßnahme 3: Mehrkosten: 12.550 €
  • Mauerwerk 36,5cm , WLG 08
  • Rollladenkästen/Raffstorekästen raumseitig geschlossen
Standard gem. Bauleistungsbeschreibung:
  • Die Außenwand ist 36,5cm stark und besteht aus Porotonsteinen. Diese Ziegelsteine sind nicht nur feuerbeständig (Feuerwiderstandsklasse F90). Sie ermöglichen Ihnen vor allem gesundes Wohnen: Mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,10 W/m²K zeichnen sich die Massivwände durch eine gute Wärmedämmung und ein hervorragendes Feuchteverhalten, sowie einer sehr guter sommerlicher Wärmeschutz aus. (niedrigster Grundfeuchtegehalt von 5 Promille und dampdiffusionsoffenes Mauerwerk)
  • Es werden wärmegedämmte und ausgeschäumte Mauerwerksrolladenkästen von innen und außen flächenbündig eingebaut. Die Rolladenkästen sind von innen zugänglich und von außen nicht sichtbar.
Maßnahme 4: Mehrkosten: 9.750 €
  • Satteldach, 24cm Vollsparrendämmung und 6cm Aufdachdämmung als Holzweichfaserplatte, Ortgang mit Ortgangbrett und Ortgangblech
Standard gem. Bauleistungsbeschreibung:
  • Ihr Satteldach wird mit Betondachsteinen, der Giebelabschluss mit Ortgangsteinen, eingedeckt. Die Firstdachsteine werden aufgeklemmt und sind dadurch rissefrei.
  • Das Unterdach besteht aus einer glasfaserverstärkten, diffusionsoffenen Unterspanbahn gegen Flugschnee und Feuchtigkeit mit Dach-, Konterlattung für Lüftungsfirst, geeignet für Vollsparrendämmung.
Maßnahme 5: Mehrkosten: 1.150 €
  • Fassadenfenster im Erd & Dachgeschoss mit g-Wert von 0,5
  • Haustür U-Wert 1,20
Standard gem. Bauleistungsbeschreibung:
  • Kunststofffenster mit Mehrkammersystem. Alle Fenster sind grundsätzlich mit 3-fach Isolierung ausgestattet (Uw-Wert 0,9) und haben mehrere umlaufende Gummidichtungen. Die Fenster haben eine Basissicherheit mit Pilzkopfverriegelung. Die Abdichtung zwischen Fensterrahmen und Mauerwerk wird luft- und winddicht ausgeführt.


Maßnahme 6: Mehrkosten: 1.000 €

  • Dachflächenfenster U-Wert 1,0; g-Wert 0,5
Standard gem. Bauleistungsbeschreibung:
  • Im ausgebauten Dachgeschoss sind die eingezeichneten Dachflächenfenster als Klapp-Schwingfenster in Kunststoff mit 2-fach Isolierverglasung eingebaut.
 
D

driver55

Zu viel Text…
Ganz „einfach“. Kostet die Hütte regulär 350k€, wäre der Aufschlag hoch, bei >600 k€ normal.

Von welchem Baukörper sprechen wir hier? qm, m hoch 3? etc.
 
D

DerBauHerr1988

- Der Baukörper hat 3 Geschosse (Keller, EG, DG)
- Wohnfläche 152qm²
- Volumen 980m³
- Kosten: grob ~560k
 
C

Crixton

Bei uns (vor 6 Monaten unterschrieben) betrug der Aufpreis von KfW 70 auf kfw55 insgesamt 12 k€. Wir haben allerdings keinen Keller!!
- Aufpreis von 36,5er zu 42,5 Poroton: 9k€
- Aufpreis 3 Scheibenverglasung: 3 k€
- 2 Vollgeschosse, 165 qm

Falls es euch etwas hilft
 
WilderSueden

WilderSueden

Das einzige Angebot bei dem wir die Mehrkosten explizit hatten, war von T&C. Ende 2020 ca 20 000€ für ein Haus auf Bodenplatte.

Grundsätzlich beschleicht mich das Gefühl, dass dein Bauunternehmer eher nach sehr einfachem Standard baut? Ungedämmter Keller, Metallfenster, Dach ohne Dämmung, mäßige Fenster, Dachfenster nur 2-fach
Da sind jetzt viele Dinge als Extra drin, die ich eigentlich für Standard gehalten hätte. Dann ist der Aufschlag natürlich um so höher
 
11ant

11ant

Grundsätzlich beschleicht mich das Gefühl, dass dein Bauunternehmer eher nach sehr einfachem Standard baut?
Das denke ich auch. Das Effizienzhaus 57 ist heutzutage bei den meisten Bauunternehmen Standard, sodaß für eine Förderung nach KfW55 - also eine nachweislich voll erfüllte Standardentsprechung anstelle einer faktisch annähernd erfüllten - nur sehr wenige Materialien überhaupt anders oder anders_dimensioniert sind und an manchen Stellen eigentlich nur noch exakter gearbeitet werden muß. Wo man ohne Aufpreis tatsächlich noch effektiv nur Effizienzhaus 68 angeboten bekommt, ist noch nicht einmal Schmalhans Küchenmeister, sondern eher gar dessen Urlaubsvertreter Geizhals oder Faulpelz. Da würde ich wohl längst nicht nur des (Auf)preises wegen zu einem anderen Anbieter neigen.
 
Zuletzt aktualisiert 04.10.2022
Im Forum Baukosten / Förderungen gibt es 1325 Themen mit insgesamt 34202 Beiträgen

Ähnliche Themen
01.07.2019KFW 55 - Dämmung unter der Bodenplatte - Seite 4Beiträge: 37
13.03.2016Wie von KfW55 auf KfW40+ kommen? - Seite 2Beiträge: 23
10.01.2017ENEV 2016 / KFW55 / Gas+Solar in 2016 Beiträge: 28
03.11.2020EFH mit KfW55/KWL oder Enev-Standard - Erfahrungen-Meinungen? - Seite 3Beiträge: 22
12.08.2021Hebe-Schiebetür oder 2 Doppelflügeltüren bei KFW55 Beiträge: 22
30.11.2020Abschätzung KFW55 sinnvoll oder lieber Enev? - Seite 2Beiträge: 11
20.01.2020MFH nach EnEV oder KFW55 bauen?? Beiträge: 29
18.12.2019Entscheidung KfW55 vs. KfW40 plus Beiträge: 22
19.11.2021Dunstabzugshaube Umluft oder Abluft bei KFW55?? - Seite 4Beiträge: 27
03.07.2016U-Wert der Fenster - Unterschiede Beiträge: 15

Alle Bilder dieser Forenkategorie anzeigen
Oben