Massivhaus: Welcher Stein? Poroton, Liapor / Blähton, Ytong?

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Hallo,

wir sind gerade an unserer Hausplanung (zum zweiten).
Seit unserem ersten Anlauf in 2011 hat sich einiges getan.

Gerne würden wir mal Eure Eindrücke von den oben genannten Baustoffen lesen.
Wir sind uns derzeit unschlüssig, in wie weit diese ganzen Unterschiedlichen Stoffe gut sind.

Was würdet Ihr empfehlen und warum?

MfG Florian
 
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u-wert.net
Viel hängt davon ab, was ihr wollt und vor allem mit wem ihr baut. Viele Musterhausanbieter bauen ihren Standard.
Ansonsten im Groben: je schwerer desto mehr Schallschutz und Wärmespeicherung,
je leichter desto bessere Wärmedämmung.
Baut ihr mit Klinker? Dann bietet sich ein zweischaliges Mauerwerk an (also mit gesteckter Wolle)
Ansonsten ist Ton sicherlich keine schlechte Wahl.
Wir bauen mit Klinker und schwanken z.B. noch zwischen Kalksandstein und Porenbeton als Mauerwerk - also Wärmedämmung (0,2 W/m²K vs. 0,15 W/m²K) gegen Wärmespeicherung und Schallschutz.
 
Wie habt ihr denn euer erstes Haus gebaut? Und was spricht dagegen es wieder so zu bauen?
Wir wollten in 2011 bauen.
Hatten uns damals für den Liapor entschieden, leider mussten wir es aus persönlichen Gründen verschieben und nehmen nun einen neuen Anlauf.


u-wert.net
Viel hängt davon ab, was ihr wollt und vor allem mit wem ihr baut. Viele Musterhausanbieter bauen ihren Standard.
Ansonsten im Groben: je schwerer desto mehr Schallschutz und Wärmespeicherung,
je leichter desto bessere Wärmedämmung.
Baut ihr mit Klinker? Dann bietet sich ein zweischaliges Mauerwerk an (also mit gesteckter Wolle)
Ansonsten ist Ton sicherlich keine schlechte Wahl.
Wir bauen mit Klinker und schwanken z.B. noch zwischen Kalksandstein und Porenbeton als Mauerwerk - also Wärmedämmung (0,2 W/m²K vs. 0,15 W/m²K) gegen Wärmespeicherung und Schallschutz.
Wir planen eine Art Stadtvilla mit etwa 150qm.
 
Letztenendes sind alle genannten Materialien stark gedämmte Steine, d.h. viel Luft und wenig Stein. Poroton hat durch die Strukturierung den Vorteil dass an den Seiten der Steine etwas dickeres Material ist, und zusätzlich die "Strecke" die die Wärme entlang der tragenden Struktur länger ist. Dadurch können vergleichbare bzw. bessere Wärmedämmeigenschaften bei höherer Rohdichte erreicht werden als bei den homogenen "Betonschaum" Porenbetonsteinen (=Ytong). Somit sind Schallschutz, Wärmespeicherfähigkeit und mechanische Stabilität für Punktlasten etwas besser.

Mit all diesen Materialien lassen sich EnEV und Statik für ein EFH bei vertretbaren Wandstärken mit einem einfachen monolithischen Aufbau recht problemlos erreichen. Daher sind sie bei Bauträgern beliebt. Allerdings haben diese Dämmsteine nur bestenfalls einen Lambda 070 (sowohl Poroton als auch Ytong), d.h. die Wände werden bei starker Wärmedämmung arg dick. Potoron + extra Wärmedämmung kann man gleich sein lassen, dann kann man auch Kalksandstein nehmen. Zudem ist ein zynischer Vorteil dass man als Heimwerkerwerkzeug weder Schlagbohrer noch Bohrhammer braucht, weil die Wände so bröselig sind.

Eine weniger oft verwendete Alternative ist Kalksandstein+WDVS. Kalksandstein hat aber eine sehr viel höhere Rohdichte (RDK 1,8 bis 2,2 gegenüber ich glaube um die 0,5-0,6 für die stark gedämmten Bröselsteine). Dadurch Ergeben sich besserer Schallschutz und besserer Wärmeschutz an heißen Tagen (bzw. stabilere Temperatur im Allgemeinen), insbesondere weil die gesamte Masse nach außen wärmegedämmt ist. Außerdem lassen sich innen Punktlasten viel besser befestigen. Zudem ist bei starken Dämmwerten ein schlankerer Wandaufbau möglich. Ab wann und wie stark letzterer Effekt ist hängt von dem genauen verwendeten Dämmstein auf der einen Seite und der gewünschten Stärke des Kalksandsteinmauerwerks und Dämmstoffmaterials auf der anderen Seite ab. Als Beispielrechnung: 40cm (ich weiß, das ist kein Standardmaß) vom best gedämmten Poroton T7 hat grob die gleiche Wärmedämmung wie 20cm Kalksandstein und 20cm EPS 035 (ziemlich der billigste Dämmstoff). Wenn man von 17,5cm Kalksandstein (das dünnste für Außenwände) oder besserem Dämstoff (PUR hat bis zu 023) ausgeht geht der Vorteil in Richtung Kalksandstein.

Leute sagen ein WDVS sei anfälliger für Veralgung (mag bei dünnem Kunstharzputz der Fall sein), ob das tatsächlich der Fall ist kann ich nicht beurteilen. Dafür kann man aber im Notfall ein WDVS erneuern, was beim Dämmstoff im Stein nicht geht. Zudem sind die 070er Dämmsteine erst vor Kurzem auf den Markt gekommen, wogegen es beim WDVS schon eine gewisse Lernkurve gErgeben hat. Kritisch wird es auch wenn man irgendwann die Dämmsteine zusätzlich außen dämmen will. Denn dann spielen zwei Dämmsysteme mit unterschiedlicher Dampfdiffusion zusammen, und das kann problematisch werden (d.h. Kondenswasser an der Grenzfläche bilden). Eine weitere Überlegung ist Sicherheit bei bzw. Behebung von Wasserschäden. Hierzu weiß ich aber nichts. Mein Bauchgefühl würde mir sagen dass Porenbeton am kritischsten (da es Quasi ein Schaum aus Beton ist) ist und Kalksandstein am unkritischsten.

Über Diffusionsoffenheit und den ganzen Kladderadatsch würde ich nicht nachdenken. Alle Massivwände können viel Wasserdampf puffern, und "Netto" muss man den Wasserdampf aber ohnehin durch Lüften abführen und nicht durch Diffusion durch die Wände.

Das ist allerdings alles (leider noch) größtenteils theoretisches Wissen.

Leidvolle Erfahrung habe ich aber in Sachen Poroton und Schallschutz, sowie Wärmebrücken. Wenn man einfach ein Fenster oder eine Türe in Poroton oder Porenbeton schraubt, dann ist zwar der Rahmen gedämmt, aber außen rum bildet sich eine 1A Wärmebrücke mit Schimmelgefahr. Bei Kalksandstein geht bei punktuellen Schwachstellen in der Wärmedämmung wegen der guten Wärmeleitfähigkeit zwar mehr Wärmeenergie verloren er erfolgt aber eher keine lokale Abkühlung der Wand und somit kein Schimmel. Zudem wird der Fensterrahmen in der Regel in das WDVS mit Überlappungen eingebunden. Das will nicht heißen dass man es mit Poroton oder Ytong nicht richtig hin kriegen kann, aber hierauf muss gesondert geachtet werden.
 

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