Photovoltaik-Speicher - Erfahrungen? Tipps?

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A

AndreasPlü

Hallo,

uns treibt noch ein Thema beim Hausbau um: Wir wollen mittelfristig eine Photovoltaik-Anlage installieren, am besten in Kombination mit einem Speicher. Da ja in den nächsten Jahren ein Absinken der Preise von Speichern bei gleichzeitiger Qualitätssteigerung zu erwarten ist: Ergibt es Sinn zuerst eine Photovoltaik-Anlage mit Eigenverbrauch, Rest Einspeisung zu installieren und später die Batterie hinzuzukaufen und auf ausschließlich Eigenverbrauch setzen? Oder gibt es da technische Probleme/ist aus anderen Gründen nicht sinnvoll?

Reicht es, unabhängig davon, auch aus, Vorbereitungen für eine Photovoltaik-Anlage treffen zu lassen und welchen Umfang sollen die haben? Wir haben z.B. ein Leerrohr vom Dach in den Keller für eine spätere Photovoltaik-Anlage vorgesehen.

Danke für Eure Meinungen!
 
G

garfunkel

Das Leerrohr würde ich vielleicht gleich mit legen lassen. Ansonsten wäre ich vorsichtig.
Die aktuellen Speicher sind meiner Meinung nach Mist und ob das in ein paar Jahren tatsächlich besser ist bezweifle ich stark.
Wie kommst du darauf??

Wenn der Speicher ein Kernelement der Photovoltaik-Anlage werden soll dann würde ich warten bis gute Speicher tatsächlich auf dem Markt sind.
Zu viele Vorbereitungen würde ich auch nicht treffen. Bis die Photovoltaik-Anlage installiert ist ist das alles totes Kapital.
 
T

toxicmolotof

Das Leerrohr auf jeden Fall legen lassen. Zum einen kostet es fast nichts, zum anderen verursacht es nachträglich den meißten Dreck.

Dein größtes "Problem" wird der Wechselrichter sein, denn der muss auch "Speicher" können.

Also wenn du mit dem Gedanken spielst, Speicher nachzurüsten, muss der WR das können. Und das kostet jetzt etwa 1.000 Euro extra. Und dann ist nicht garantiert, dass es in 5 Jahren noch Systeme dafür gibt bzw. du bist ggf. an den Hersteller und dessen Preise in 5 Jahren gebunden.

Mit dem Geld stehst du im Risiko (oder du machst es jetzt ohne Speicher und bleibst dabei.
 
Sir_Kermit

Sir_Kermit

Moin,

Wir wollen mittelfristig eine Photovoltaik-Anlage installieren, am besten in Kombination mit einem Speicher.
So auf blauen Dunst hin lässt sich das nicht beantworten. Wenn du auf Rendite aus bist, dann musst du das gut berechnen (lassen). Da spielen die Größe der Zellen, die eigenen Verbrauchsgewohnheiten, die Art der Heizung und die Einspeisevergütung eine tragende Rolle.
Aber zuerst müssen die Solarzellen auf's Dach, so viel, wie geht und wie die Statik des Daches und die deines Kontos es zulassen. Konstruktionen mit Nagelbrettbinder erfordern meist einen Mehraufwand, da die Zellen etwas schwieriger zu befestigen sind. Solche vorbereitenden Maßnahmen solltest du vorher mit Architekt/Statiker/Energieberater absprechen, nur Leerrohre allein reichen meiner Meinung nach nicht. Es muss nicht zwangsläufig schwieriger werden, aber vorher fragen ist besser als nachher am Dach zu ändern.
Wenn du auf eine einzelne Insellösung anspielst, so kann das echt schwierig werden, eine typische Photovoltaik Anlage benötigt zunächst einen Zweirichtungszähler und es müssen IIRC einige steuerliche Gesichtspunkte abgearbeitet werden. Du verkaufst ja schließlich Strom und es kann sein, dass du dich dann noch mit einem Gewerbeschein ausstatten darfst. Kein größeres Problem, kann aber je nach Größe der Anlage vorkommen. Das wäre dann möglicherweise ein Thema für den Steuerberater.

Wer gut in E-Technik ist, der baut sich seinen Speicher selber, den Wechselrichter kauft man. Dann wäre da noch das Powermanagement zu nennen.

Die typischen Anlagen laufen im Mischbetrieb, dann nimmst du einen Teil des Stromes selber ab. IIRC sind das so übliche 30%, den Rest schiebst du in das öffentliche Netz. Was Speicher betrifft, entweder du baust dir eine Speicherbatterie aus Akkus selber (es gibt dahingehend einschlägige Fachforen) oder du musst zukaufen. Mir wurden 2 kWh Speicher für irgendwo um 5000 Euro angeboten, im Netz gibt es noch mehr Zahlen. Wenn du die Kosten für den Speicher und seine Lebensdauer einrechnest, dann liegt man laut einer Seite unter der Annahme von folgenden Bedingungen:
Nennkapazität ca. 6,4 kWh für Tageszyklus
Systemwirkungsgrad / Effizienz, z.B. 92%
Vollzyklen, z.B. 5.000
Verkaufspreis: z.B. 6000 € (ohne Montage etc.)
bei rund 23 Cent pro kWH, nur der Speicher selber! Wobei du extrem unterschiedliche Zahlen im Netz finden wirst, Speicher sind eine Wissenschaft für sich.
Verbraucher wie Waschmaschine oder Herd saugen den Speicher sehr schnell leer, wenn sie gleichzeitig an sind. Da greift das Powermanagement, denn wenn du Geräte hast, die internetfähig sind, kannst du die dann anwerfen lassen, wenn du genügend Strom gespeichert hast. Oder du musst sie per Hand dann einschalten, wenn du viel gespeichert hast.
Also: Zellen aufs Dach, Speicher und ich bin unabhängig, ist nicht noch lange nicht so einfach, wie es sich auf dem Papier anhört. Die eigenen Lebensgewohnheiten gehören auch dazu.
Fazit: kleine Speicher sind was für die Angelhütte, große sind was für Enthusiasten. Sich auf den Einbau eines Speichers vorbereiten ist okay, denk auch an den Platz im Technikraum. Das sind keine kleinen Mignon-Zellen mehr, das kann ein kleinerer Schrank werden. Oder mehr.
Ob die Kosten mittelfristig steigen oder fallen, wird sich zeigen. Mag sein, dass viele Herstellungskosten aufgrund von verbesserten Produktionsprozessen und größeren Stückzahlen sinken, aber die benötigten Rohstoffe für Akkus sind aus meiner Sicht die unbekannte Größe oder die Recyclingkosten für alte Akkus.
kleine Anmerkung: unsere Stromkosten sind ja politische Kosten, wir zahlen auch für Strom, der nicht produziert werden kann, weil die Windkraftanlagen ihn zwar produzieren könnten, aber keine so gerne Stromtrassen haben möchte. Diesen Faktor kann ich nicht abschätzen.
Kermit
 
A

AndreasPlü

Danke schon mal für die Antworten.

Wie man merkt, bin ich Laie auf dem Gebiet.

Wir planen eine Luftwasserwärmepumpe, wobei da Photovoltaik wenig bringt, denn wenn wir den Strom für die Heizung brauchen wird jahreszeitbedingt wohl am wenigstens geliefert.

Meine Spekulation ist: E-Autos werden gerade stark gefördert. Schwachpunkt: Der Speicher. Es wird dort viel geforscht und Tesla will noch dieses Jahr ein ein E-Auto mit akzeptabler Reichweite auf dem Markt bringen, andere wollen mitziehen. Auch steigt die Nachfrage nach Speichern in Haushalten an. Beides führt zu höherem Absatz, mehr Produktion und müsste auch zu geringeren Preisen bei mehr Leistung führen, siehe Photovoltaik-Anlagen. Waren noch vor 20 Jahren unerschwinglich, heute siehts ganz anders aus.


Also ist es wirklich so: Wenn wir heute Zellen aufs Dach packen (hier rechne ich mit keinem großen Preisverfall mehr in den nächsten Jahren) ist es nicht einfach sie an einen künftigen Speicher anzuschließen? Also doch lieber nur Leerrohre legen und genug Platz im Technikraum lassen?
 
Sir_Kermit

Sir_Kermit

Moin,

Was die Hardcore Details angeht, bin ich auch nicht besonders sattelfest.

Wir planen eine Luftwasserwärmepumpe, wobei da Photovoltaik wenig bringt, denn wenn wir den Strom für die Heizung brauchen wird jahreszeitbedingt wohl am wenigstens geliefert.
Der Solarertrag hängt viel von der Region ab, in der du wohnen möchtest. Viel Sonne = viel Strom. Und Sonne gibt es auch im Winter, aber prinzipiell stimmt das zunächst. Wobei eine Luft-Wasser-Wärmepumpe am Tage grundsätzlich aufgrund der höheren Außentemperaturen den besseren Wirkungsgrad hat und von der Photovoltaik Anlage gespeist werden kann und dann auch sollte. Von daher passt das durchaus zusammen.
Pro qm Panelfläche wird bummelig ca. 150 Watt bis 300 Watt elektrischer Leistung (es gibt noch den kWp, Kilowatt Peak) geliefert, das ist aber ein Thema für sich. Aber als Abschätzung kann es reichen, mal Panelfläche = Leistung. Ich habe mal auf dein Schnelle einen wert für Norddeutschland gefunden, 10 qm Panel erzeugen ca. 800 kWh Leistung pro Jahr. Mal als Abschätzung.
Mit genügend Photovoltaik auf dem Dach kannst du also einen Teil deiner Luft-Wasser-Wärmepumpe elektrisch betreiben. Das geht automatisch, die Photovoltaik erzeugt Strom und speist ihn über einen Wechselrichter ins Netz, abzüglich dessen, was du im Haus selber verbrauchst. Der Stromzähler muss dabei in beide Richtungen zählen können, aber das ist ja wohl klar. Oder du bekommst den normalen Stromzähler und einen separaten Einspeisezähler, aber das kann dir nur dein Energieversorger sagen und, wer wie was bezahlt.


Meine Spekulation ist: E-Autos werden gerade stark gefördert. Schwachpunkt: Der Speicher.
Hast du schon mal daran gedacht, dass das Auto ein Speicher ist, sogar ein recht großer? Es gibt sogar Ideen, E-Autos als dezentrale Speicher zu nutzen, wobei dann die Ladung/Entladung sehr kontrolliert erfolgt. Schließlich soll es ja auch mal fahren


Auch steigt die Nachfrage nach Speichern in Haushalten an. Beides führt zu höherem Absatz, mehr Produktion und müsste auch zu geringeren Preisen bei mehr Leistung führen, siehe Photovoltaik-Anlagen. Waren noch vor 20 Jahren unerschwinglich, heute siehts ganz anders aus.
Ganz so einfach ist es nicht. Als hier die Zellenproduktionen gut anliefen, haben die Chinesen mit viel staatlichen (und stattlichen) Subventionen große Solarfabriken aufgebaut. Und dann sanken die Preise in heute gut bezahlbare Regionen. Solarzellen sind aber in der Herstellung nicht viel anders als die Chips, die man aus Computern kennt, also Halbleitermassenproduktion. Da geht eine Massenfertigung, die Prozesse und Maschinen sind seit langem recht gut bekannt, während es bei den Akkus etwas aufwendiger ist. Noch. Insofern bestehen gute Chancen, dass Tesla für einen guten Preis sorgen wird.


Also ist es wirklich so: Wenn wir heute Zellen aufs Dach packen (hier rechne ich mit keinem großen Preisverfall mehr in den nächsten Jahren) ist es nicht einfach sie an einen künftigen Speicher anzuschließen?
Wenn man in etwa die Leistungen beider Anlagenteile aufeinander abgestimmt hat, ist das eher ein kleineres technisches Problem, funktionieren wird aus meiner technischen Sicht sehr viel, aber ob Leistung, Kosten und Lebensdauer gut zusammenpassen, ist eine andere, aber die meist wichtigere Baustelle. Denn das kostet Geld und man bemerkt es nicht sofort.
Mal als Idee: der Wechselrichter macht aus dem Gleichstrom des Speichers den richtigen Wechselstrom. Ist die Leistung des Speichers zu gering, dann kann ein größerer Wechselrichter ihn zu stark belasten und die Lebensdauer des Akkus verkürzen. Der Speicher soll ja einige Jahre halten.
Wie genau eine Abstimmung erfolgen muss, das solltest du bitte die Solar-Profis fragen, da kenne ich mich leider nur in den groben technischen Zügen aus.

Also doch lieber nur Leerrohre legen und genug Platz im Technikraum lassen?
Wenn du Platz übrig hast, klar doch. Vergiss bitte dein Dach und eine mögliche Photovoltaik-Versicherung nicht. Nicht alle Wohngebäudeversicherungen versichern Schäden an oder durch Photovoltaik Anlagen (solch eine Anlage führt einige hundert Volt mit sich rum), aber man kann sich auch schnell überversichern. Rat kann dir da nur ein Versicherungsfachmann geben.
Was den Wechselrichter betrifft, den du so oder so benötigen wirst: Solche Leistungselektronik will gekühlt werden, entweder durch aktiv durch Lüfter oder passiv durch reine Konvektion, das hängt auch von deiner benötigten Leistung ab.
Fazit: die Kosten einer Photovoltaik Anlage, so du das Geld übrig hast, sind berechenbar und wenn die Rendite oder auch nur die reine Amortisation nicht so kriegsentscheidend ist, dann mal zu. Kosten für Versicherungen, Wartung und evtl. Zähler nicht vergessen.
Speicher ist ein Thema für sich, die Infrastruktur dafür vorsehen: ja. Jetzt aktuell kaufen: eher nein.

Kermit
 
Zuletzt aktualisiert 17.04.2024
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