Wie wägt man korrekt zwischen GEG und KfW 55, 40 und 40 Plus ab?

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Ganz genau, aber 25% sind keine 60%.
So meine ich es auch nicht.
Die Heizkosten, die Du hast, kannst Du mit EneV haben oder als Passivhaus - ich bezahle für das letzte Jahr mit Fernwärme in der 60er Jahre Wohnung außerhalb der EnEV (wenn auch mit Energiemaßnahmen) auch nur ca. 250€. Ich habe aber auch Nachbarn, die die gleiche Wohnung mit 1.600€ beheizt bekommen. Das hängt am Nutzer. Der Energiestandard des Baus gibt nur einen möglichen Rahmen vor.
 
Es geht doch nicht darum wer wieviel Heizkosten hat und wie die durch Nutzerverhalten beeinflusst werden, sondern um die Frage nach welchem Standard man das Haus planen soll... und dafür gibt es Profis. Häuser sind zu individuell für Pauschalaussagen.

Spätestens im Bauantrag muß man die Angaben ja ohnehin machen - ich plädiere dafür, den Energieberater bereits in der Planung mit an Bord zu nehmen. H
 
Gerne würden wir die Vor- und Nachteile noch einmal unabhängig überprüfen und fragen uns, welche Punkte bei hierbei zu berücksichtigen sind. Aus unserer Sicht gibt es die folgenden:
  1. Finanzielle Überlegungen
    - Tilgungszuschuss für KfW55 ist in der Regel ähnlich hoch wie Mehrkosten im Bau, sodass dies mehr oder weniger Kosten
    - Energieeffizientes Bauen spart auf Dauer Heizkosten, sodass es langfristig günstiger sein sollte Energieeffizient zu bauen
    - KfW Darlehen hat aktuell keine große Relevanz, da man von Banken ähnliche oder sogar bessere Konditionen erhält.
Wenn das Budget einen höheren Standard hergibt, wird man langfristig weniger Energiekosten haben. Das ist eine einfache Amortisationsrechnung.

Wohnklima
- Zu starke Isolierung schadet dem Raumklima (Wir kennen es nur von Freunden, wissen aber nicht, ob dies immer so ist)
Eine starke Isolierung schadet nicht prinzipiell dem Wohnklima. Material, Heizung und Lüftung sind da entscheidend. Allerdings habe ich auch die sehr persönliche Erfahrung gemacht, dass sich in vielen neuen Häusern das Gefühl einstellt in einer Tupperdose zu sitzen. Fazit: Du entscheidest nicht nur für die Einhaltung des Standards, sondern auch über die Ausführung. Das ist preisrelevant egal welchen KfW Standard Du wählst.

Grundstücksausnutzung
-Durch Wärmeverbundsystem lässt sich KfW55 durch dünnere Wände erzielen, was auf unserem schmalen Grundstück ca. 10qm mehr Wohnfläche ermöglichen würde.
Die besondere Anforderung "dünne Wände für mehr Wohnraum" mit dem Architekten besprechen. Hier würde ich nach dem Entwurf gehen. Größer ist ja nicht immer besser nutzbar.

Werthaltigkeit
- Gibt es hierzu schon Erfahrungswerte was wie Werthaltigkeit der unterschiedlichen Bauweisen angeht?
Die Werthaltigkeit eines Hauses hinsichtlich der Qualität liegt weniger im KfW Standard als in der gesamten handwerklichen und materialseitigen Ausführung. Die Werthaltigkeit eines Hauses beim Verkauf bestimmt die Marktlage. Gibt es ein großes Angebot, helfen "Features" besonders gut einen Käufer zu finden und einen ordentlichen Preis zu erzielen. Gibt es eine große Nachfrage, ist die Tatsache, dass ein Haus zu verkaufen ist wichtiger als seine Eigenschaften.
 
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Bezüglich der Frage mit welcher Energie Effizienz man bauen sollte:
Bist du jung 25 -> möglichst effizient

Bist du um die 40 -> lohnt sich nicht mehr so richtig, lieber wenig investieren und vor der Rente fertig werden mit Krediten.

Bist du noch älter ... 50 -> auf jegliche Zusatz Dämmung pfeifen.

Teure Wärmedämmung lohnt sich nur über die Zeit, ich habe jung gebaut und daher in KFW55 investiert.
Sollte zur Rente die Energie 3x teurer sein, kann ich damit leben. Hätte ich kein KFW55 würde aus dem 3x teurer schnell 6x so viel sein wie heute. Untragbar
Du gehst davon aus dass sich das nennswert amortisiert. Tut es aber kaum. Der Unterschied zwischen 45 kWh/qm (EnEV) und 25 kWh/qm (KfW40) klingt nach viel mehr als es tatsächlich ist. Wenn man das damit vergleicht dass man in den 70ern noch Häuser mit 300kWh Heizbedarf gebaut hat und ein ordentlicher unsanierter Altbau so um Bereich 160-180 kWh liegt, dann merkt man wie gut die Häuser heute sind und dass sich über die Heizung fast nichts einsparen lässt, egal mit welchem Standard. Gleichzeitig muss man sich auch im EnEV Haus wenig Sorgen machen dass einem die Heizkosten über den Kopf wachsen.
Und die wenigstens von uns werden in der Rente noch mit Gas heizen. Nach dem Ölbrenner kommt das die nächsten Jahre auf die Abschussliste, dem Klimaschutz zuliebe. Deshalb statt fragwürdiger Amortisierungsrechnungen lieber schauen dass das Heizsystem grundsätzlich auch mit Wärmepumpe o.ä. effizient zurecht kommt. Heizkörper statt FBH zum Kostensparen geht in dem Fall höchstwahrscheinlich schon in 15 Jahren nach hinten los.
 
Also wenn ich irgendetwas bei unserem Projekt richtig gemacht habe, und ich meine richtig richtig, dann war es die Entscheidung einen vernünftigen Energieberater (in unserem Fall Ing.-Büro/Sachverständiger) frühzeitig einzubinden.
Banale Frage, aber wie hast du die richtige Katze im Sack gefunden? Auf eurem Baupartner vertraut? Ich hab mir die 4-seitige Liste der Energie Effizienz Experten in unserem Radius angeschaut und schwankte immer zwischen ein "grundsolider Handwerker" und "doch lieber einen Schi-Schi Architekt" hin und her geswitcht.
 
Manches was gut gelaufen ist kann man im Nachhinein besser erklären als in der Vorausschau. Wir bauen alle mehr oder weniger als Laien und treffen Entscheidungen aus einer relativen Unsicherheit. Wir sind damit gut gefahren Menschen mehr als Preise zu "prüfen" und denen Vertrauen zu schenken. Damit kann man ungeachtet unserer Erfahrung auch fürchterlich auf die Nase fallen. Andere haben sich um wasserdichte Verträge gekümmert und schreiben es dem zu, dass alles gut gegangen ist, Bei anderen versagte diese Methode kläglich.
Wir sind alle die Autoren unserer Erfahrungsberichte und konstruieren die Erfolgsgeschichten und Kausalzusammenhänge rückwärts.
Bauen ist immer auch mit Risiken verbunden. Die Verantwortung für Entscheidungen liegen bei den Bauherren. Freiheit beinhaltet immer das Annehmen der Konsequenzen des eigenen Handelns - unabhängig derer Voraussehbarkeit oder eventueller "Schuldfragen".
 
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