Mindest-Leistungsumfang Architekt + Statiker evtl. Eigenleistung?

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M

m2thearius

Gesperrt
Hallo,

wir möchten ein 140qm Haus (+ Keller) aus massiven Porotonsteinen, in leichter Hanglage als Rohbau bauen lassen und den Innenausbau in Eigenleistung machen (Budget ca. 250T€).

Die Kosten möchten wir dabei so gering wie möglich halten. Dazu zählen auch die Kosten für den Architekt und Statiker.

Fragen:

1. Welche Leistungen sollte ich aus rationaler Sicht mindestens in Anspruch nehmen?
2. Welche Leistungen kann ich in Eigenregie erbringen (Kostenkalkulation, Planung Innenausbau etc.?).
3. Gibt es sonstige sinnvolle Tipps wie die Kosten für den Architekten niedrig gehalten werden können?
 
Zuletzt bearbeitet:
B

Bauexperte

Hallo,

1. Welche Leistungen sollte ich aus rationaler Sicht mindestens in Anspruch nehmen? 2. Welche Leistungen kann ich in Eigenregie erbringen (Kostenkalkulation, Planung Innenausbau etc.?).
3. Gibt es sonstige sinnvolle Tipps wie die Kosten für den Architekten niedrig gehalten werden können?
Allein der Architekt ist Vorlageberechtigt, insofern muß er alle relevanten Unterlagen für den Bauantrag erarbeiten und nach Gegenzeichnung durch Dich beim Bauamt einreichen. Ohne Statiker wirst Du auch nicht bauen wollen, da er u.a. für die Gründung nach Bodengutachten und bspw. den Wärmeschutznachweis die Haftung übernimmt.

Nachdem die Baugenehmigung erteilt, Bodengutachten und Statik erstellt sind, kannst Du im Prinzip - sofern Du Dir dies zutraust - den Bau allein stemmen und so Deine lfd. Kosten nach Maßgabe und Wünschen koordinieren.

Freundliche Grüße
 
M

m2thearius

Gesperrt
Ok danke für die Antwort.

Mit welchen Kosten in % der Bausumme kann ich bei normaler Standardeinrichtung für die genannten Tätigkeiten von Statiker und Architekt rechnen?

Das Kostencontrolling und die Kalkulation in bzw. vor der Bauphase traue ich mir zu.

Ist es darüber hinaus sinnvoll, dass der Architekt/Statiker oder sogar ein externer Gutachter den Fortschritt des Rohbaus in regelmäßigen Abständen begutachtet? Oder kann ich dem GU den ich mit dem Rohbau beauftrage da "blind" vertrauen?
 

€uro

Hallo,
...
3. Gibt es sonstige sinnvolle Tipps wie die Kosten für den Architekten niedrig gehalten werden können?
Nicht nur die Kosten für den Architekten, Statiker etc. sind zu Optimieren, sondern die Gesamtkosten.
Bei hohem Eigenleistungsanteil kann schon die Baukonstruktion erheblichen Einfluß nehmen. Viele Selbstbauer zäumen das Pferd von hinten auf. Der Innenausbau, insbesondere die Haustechnik, erfordert erhebliche Fachkenntnisse. Zudem gibt es hier zahlreiche konkurrierende Ansprüche der einzelnen Gewerke. Da ist der Laie schnell überfordert. Hinzu kommen div. sicherheitsrelevante Anforderungen. Ohne exakte Dimensionierung/ Planung z.B. der Heizung, WW-Bereitung und Lüftung und ausreichende Betreuung während der Bauphase, werden die geplanten "Einsparungen" schnell zum Verlustgeschäft.
Zudem sind bei der Baufertigstellungsanzeige die entsprechenden Fachunternehmererklärungen erforderlich.

v.g.
 
E

E.Curb

Mit welchen Kosten in % der Bausumme kann ich bei normaler Standardeinrichtung für die genannten Tätigkeiten von Statiker und Architekt rechnen?
Das Kostencontrolling und die Kalkulation in bzw. vor der Bauphase traue ich mir zu.
was ist mit Planung/Bauleitung? Und mit Planung meine ich nicht die Genehmigungsplanung (Bauantrag), sondern die Planung der Ausführung/Details

Ist es darüber hinaus sinnvoll, dass der Architekt/Statiker oder sogar ein externer Gutachter den Fortschritt des Rohbaus in regelmäßigen Abständen begutachtet?
Unbedingt. Am besten jemanden, der nicht nur die Bauüberwachung übernimmt, sonder auch verantwortlich die Bauleitung. Du ersparst Dir eine Menge Ärger, wenn Du jemanden hast, der zu jedem Zeitpunkt der Bauphase weiß, was auf der Baustelle los ist und sagt wie es ausgeführt werden soll.

Du solltest nicht an der Planung und Bauleitung sparen. Da gibt es bestimmt andere Dinge

Gruß
 
M

m2thearius

Gesperrt
insbesondere die Haustechnik, erfordert erhebliche Fachkenntnisse.
Für Heizung und Sanitär ist der Vater meiner Freundin Spezialist. Er arbeitet seit knapp 30 Jahren bei einer lokalen Firma und hat sich bereits mehrfach angeboten diese Teile für uns zu übernehmen. Somit wären es 2 große Sorgenfelder weniger um die ich mich kümmern müsste

was ist mit Planung/Bauleitung? Und mit Planung meine ich nicht die Genehmigungsplanung (Bauantrag), sondern die Planung der Ausführung/Details
Von Bauleitung und Planung habe ich absolut keine Ahnung. Hier bräuchte ich definitiv einen Fachmann, nur welchen?

Kann ich hier dem Unternehmen vertrauen welches ich mit dem Rohbau und Keller beauftrage (die werden ja mit Sicherheit einen Bauleiter einsetzen). Oder sollte hier zusätzlich der Architekt alle 4 Wochen vorbeikommen? Oder ist ein externer Baugutachter besser?

Was versteht man unter den einzelnen Architektenleistungen? Soweit ich Bauexperte verstanden habe muss Punkt 4 zwingend vom Architekten erfolgen. Und teilweise sollte auch Punkt 8 erfolgen. Was versteht man unter dem Rest? Ich habe bereits sehr genaue Vorstellungen zur Optik, Größe und den Grundrissen des Hauses, was wird also noch benötigt?


1 - Grundlagenermittlung
Max 3 %​
% 2 - Vorplanung
Max 7 %​
% 3 - Entwurfsplanung
Max 11 %​
% 4 - Genehmigungsplanung
Max 6 %​
% 5 - Ausführungsplanung
Max 25 %​
% 6 - Vorbereitung der Vergabe
Max 10 %​
% 7 - Mitwirkung bei der Vergabe
Max 4 %​
% 8 - Objektüberwachung
Max 31 %​
% 9 - Objektbetreuung, Dokumentation
Max 3 %​
%
 
E

E.Curb

Hallo,

Von Bauleitung und Planung habe ich absolut keine Ahnung. Hier bräuchte ich definitiv einen Fachmann, nur welchen?
Einen Architekten

Kann ich hier dem Unternehmen vertrauen welches ich mit dem Rohbau und Keller beauftrage (die werden ja mit Sicherheit einen Bauleiter einsetzen).
Das kommt darauf an......
Ist der Bauleiter denn auch für den Ausbau zuständig ? Oder hört da seine Leistung auf. Dann musst Du Dir einen neuen suchen ?
Ein Bauleiter sollte nicht nur alle 4 Wochen mal auf der Baustelle stehen. Und vor allem nicht nur dann, wenn es Probleme gibt. Er ist dafür da, Probleme gar nicht erst entstehen zu lassen.

Oder sollte hier zusätzlich der Architekt alle 4 Wochen vorbeikommen? Oder ist ein externer Baugutachter besser?
Wenn Du einen externen Sachverständigen beauftragst, dann reicht es sicherlich auch nicht aus, wenn dieser nur einmal alle vier Wochen die Arbeiten überwacht. In vier Wochen passiert ne ganze Menge auf der Baustelle. Da kann es teilweise schon zu spät sein. Ein- bis zweimal die Woche sollte er schon kommen und nach dem Rechten sehen.

Was versteht man unter den einzelnen Architektenleistungen? Soweit ich Bauexperte verstanden habe muss Punkt 4 zwingend vom Architekten erfolgen. Und teilweise sollte auch Punkt 8 erfolgen. Was versteht man unter dem Rest? Ich habe bereits sehr genaue Vorstellungen zur Optik, Größe und den Grundrissen des Hauses, was wird also noch benötigt?
Die einzelnen Punkte nennt man Leitungsphasen. Welche Leistungen diese beinhalten, steht in der HOAI

nur mal so kurz zusammengefasst :

LP 1-4 muss vom Architekten erledigt werden. Auch wenn Du schon konkrete Vorstellungen von Deinem Haus hast, muss der Architekt diese umsetzen und vor allem prüfen, ob baurechtlich und konstruktiv überhaupt möglich (--> Statik)

LP 5 : Erstellen von Ausführungsplänen, nach denen die Gewerke dann Ihre Arbeiten ausführen. Hierfür sind Planungsgespräche mit allen fachlich am Bau Beteiligten (TGA-Planer, Statiker usw.) notwendig . Das ist die wichtigste Leitungsphase, weil das Haus hier im Detail durchgeplant wird.

LP 6 und 7 : Erstellen von Leistungsverzeichnissen für die Ausschreibung und Auswertung der Angebote.

LP 8 : Bauleitung und Koordination der Gewerke

Gruß
 
B

Bonnat

Hallo,

an Deiner Stelle würde ich mir noch mal ganz grundsätzlich Gedanken über die Herangehensweise an so ein Projekt machen - so wie sich das im Moment anhört, könnte es nämlich etwas chaotisch werden

Mal zwei Denkansätze:

1. Entgegen Deiner Einstellung muss ein Architekt nicht nur ein Kostenfaktor sein. Im Gegenteil! Er kann derjenige sein, der Dir durch einen geschickten Entwurf, weitsichtige Planung, gutes Controlling und Ausschreibungen mehr Kosten spart, als Du selbst das könntest. Es gibt mittlerweile durchaus etliche Architekten, zu deren Schwerpunkten preiswerte Bauten gehören. Deren Bauten unterscheiden sich inkl. Honorar kostenseitig oft nichtmehr von 08/15 Entwürfen, bieten aber wesentlich mehr!

2. Du willst gar keinen individuellen Entwurf, Dir genügt etwas angepasstes von der Stange. Dann würde ich mich mal an die entsprechenden Totalunternehmer in Eurer Gegend wenden und deren Entwürfe sichten bzw. Angebote einholen. Damit kann die Kostenstelle Architekt/Planer reduziert werden. Eine unabhängige, externe Bauüberwachung würde ich aber auch hier empfehlen - und um Himmels Willen bitte eine, die nicht nur alle 4 Wochen auf der Baustelle aufläuft

Gruß
Peter
 
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Zuletzt aktualisiert 13.08.2022
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