Lüftungsanlage im Neubau ja oder nein?

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ralph12345

Wir planen einen Neubau als Energiesparhaus nach EnEV, KfW70. Der Bauträger meint, er bekommt das mit sehr guter Dämmung, Solarthermie und Brennwertheizung etc. ohne Zwangsbelüftung hin. Nun ist ein Neubau per Blower Door Test abgesichert allerdings ziemlich dicht. Der Bauträger meint, wir bräuchten uns dennoch keine Sorgen machen wegen Feuchtigkeitsproblemen.
Wir sind zudem aus unserem Altbau ohnehin regelmäßiges selbständiges Lüften gewohnt... Dort ist allerdings die kalte beschlagene Scheibe ein zuverlässiger Indikator...

Die Mehrkosten für die Lüftungsanlage wären erheblich...

Wie sehen das die Experten hier? Ist auf so eine Anlage lieber nicht zu verzichten oder ist das egal? Ich will weder nachts ersticken noch nach 2 Jahren Schimmel entdecken...
 
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€uro

Hallo,
an den Bauträger glaube ich nicht, es wird ein GU/GÜ sein!
Hier wird m.E. häufig übertrieben. Bei Berechnungen für Neubauvorhaben nach der nivellierten DIN 1946 ist fast durchgängig eine LtM (Lüftungstechnische Maßnahme) erforderlich. Grund hierfür der Ansatz der DIN (Infiltration)! Das muss nicht immer eine Zwangslüftung sein. Da bei Neubauvorhaben die Lüftungswärmeverluste prozentual einen höheren Anteil am Gesamtenergiebedarf im Vergleich zu Bestandsgebäuden besitzen und man diese aber gern reduzieren möchte, bleibt aus dieser Sicht als Wahl nur noch die kwl mit WRG. Allerdings werden die beworbenen Wärmerückgewinnungsgrade in der Praxis selten erreicht!
Die Wirtschaftlichkeit ist strittig und habe ich oft berechnet. Der Komfort lässt sich dagegen finanziell schlecht bewerten. Ein Komfortgewinn ist sie auf jeden Fall!
Vorgeschrieben ist sie nicht, manchmal jedoch durchaus notwendig. Das hängt jeweils von den objektspezifischen Rahmenbedingungen sowie vom Nutzerverhalten ab! Ohne Kenntnis dieser, lässt sich eine allgemeingültige Empfehlung nicht ableiten!
Sollte die Entscheidung pro KWL ausfallen, bitte darauf achten, dass die Luftmengen entsprechend des Luftmengenplanes in der Heizlastberechnung berücksichtigt werden!!!

Auf Euren Indikator werdet Ihr dann verzichten müssen. Wenn alles richtig gemacht wurde, beschlagen Eure Scheiben bei bestimmten Wetterlagen manchmal dann von außen!

v.g.
 
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ralph12345

Hm, Nutzungsverhalten ist klar soweit... Bewohnt durch Familie mit 2 Kindern, wir kochen und wir waschen. Ein Wäschetrockner liesse sich zur Not noch anschaffen.
DIe Mehrkosten für die KWL hat der Bauträger mit ca 9000€ veranschlagt (160qm Haus), stolzer Preis... Wobei nicht klar ist, ob das mit oder ohne WRG ist.
 

€uro

Hallo,
Hm, Nutzungsverhalten ist klar soweit... Bewohnt durch Familie mit 2 Kindern, wir kochen und wir waschen. Ein Wäschetrockner liesse sich zur Not noch anschaffen.
Diese Angaben reichen nicht aus! Zudem wären die objektspezifischen Randbedingungen (Baukörper, Standort, Klima) wichtig, um eine Beurteilung vornehmen zu können. Meine Kunden bekommen vor Berechnung der Heizlast und Auslegung der Heizflächen hierzu ein Formblatt.
DIe Mehrkosten für die KWL hat der Bauträger mit ca 9000€ veranschlagt (160qm Haus), stolzer Preis... Wobei nicht klar ist, ob das mit oder ohne WRG ist.
Der Preis ist natürlich abhängig vom Anbieter und der Anlagenkonfiguration. Wird dieser finanziert, werden daraus schnell mal 18 bis 22,5 T€! Da lohnt eine genaue Abschätzung der Notwendigkeit schon. Ist genügend Geld vorhanden, dürfte der Komfort im Vordergrund stehen!

v.g.

NB:
Moderne Heizungsanlagen erfordern eine genaue Berechnung und Dimensionierung. Andernfalls muss der Bauherr mit einer uneffizenten Anlage rechnen, besonders bei WP und Brennwertgeräten als WE und GU/GÜ Vorhaben.
 
P

PenK

Ich würde mich grundsätzlich für eine Lüftungsanlage entscheiden, da es bei einem Niedrigenergiehaus sonst einen Konflikt gibt: Es soll ein Niedrigenergiehaus werden, weil Ihr unabhängig von Energiekosten werden möchtet und diese soweit als möglich reduzieren wollt. Auf der anderen Seite soll Fensterlüftung geplant werden, die, wenn es richtig gemacht wird, sicher funktioniert, aber definitiv keine Energie sparen wird. Die teuer erkaufte Energie zum beheizen des Hauses wird einfach durch Luftaustausch nach außen vergeudet! Macht Ihr das im Winter wirklich? Sicher nicht so oft und dann gibt es das Problem mit Feuchtigkeit und Schimmel.
Eine kontrollierte Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung ist da eine wirklich lohnende Investition. Der gesamten Abluft wird die schon bezahlte Wärme (Abwärme von der Küche beim Kochen, Duschen, PC, Fernseher, Waschmaschine) entzogen und der frischen Zuluft zugeführt. Auch die Wärme der Sonne, die kostenlos zur Verfügung steht wird genutzt. Dadurch braucht nur noch wenig Energie verwendet werden um diese Luft aufzuheizen um das Haus warm zu bekommen. Die anderen positiven Effekte wie weniger Staub, die Möglichkeit eines Pollenfilter und die Kühlung im Sommer sind hier noch nicht erwähnt. Wenn keine Fußbodenheizung gewünscht wird, gibt es auch sehr gute Anlagen zum Heizen, Lüften und Kühlen.

MfG
Mario
 

€uro

Hallo,
... Die teuer erkaufte Energie zum beheizen des Hauses wird einfach durch Luftaustausch nach außen vergeudet!
Wie viel ist denn das?
... Der gesamten Abluft wird die schon bezahlte Wärme (Abwärme von der Küche beim Kochen, Duschen, PC, Fernseher, Waschmaschine) entzogen und der frischen Zuluft zugeführt.
Das ist physikalisch leider nicht möglich. In der Praxis sind bestenfalls 60 ..70 % der Abluftenergie tatsächlich nutzbar!
...
Auch die Wärme der Sonne, die kostenlos zur Verfügung steht wird genutzt.
Jedes der Sonnenstrahlung ausgesetzte Bauteil, auch opake, nutzt grundsätzlich Teile der Sonnenenergie! Hierfür bedarf es keinerlei Lüftung!
...
Dadurch braucht nur noch wenig Energie verwendet werden um diese Luft aufzuheizen um das Haus warm zu bekommen.
Auch hier wäre die Frage zu stellen, wie viel kWh?

Wie schon erwähnt, ist die Komfortverbesserung ein wesentliches Argument pro KWL/WRG!
Die Frage der Wirtschaftlichkeit der Investition, ist nur durch eine exakte Berechnung zu beantworten (Energiebilanzierung). Alles andere sind pure Annahmen und Vermutungen. Bei Gebäuden nahe dem Passivhausstandard ist dagegen eine KWL/WRG unumgänglich. Es gibt allgemein kein grundsätzliches "Pro" oder "Kontra". Stets sind die individuellen und objektspezifischen Rahmenbedingungen ausschlaggebend.

v.g.
 
Zuletzt aktualisiert 20.01.2022
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