Hausprospekte - kaum zu glauben

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Alex85

Ich baue mit Architekt und Einzelgewerksvergabe, weil ich die Transparenz will. Ich will mich mit den Materialien auseinander setzen und wissen, für was ich Geld ausgebe. Ich will für Extras das bezahlen, was sie wert sind, und keinen Mondpreis für Aufmusterungen mit beschränkter Auswahl. Das geht aber in beide Richtungen, ich will auch "abmustern" können, wenn ich das will, und den Einspareffekt daraus voll mitnehmen. Ob das unterm Strich billiger ist, sei dahin gestellt, aber ich fühle mich damit besser. Es passt besser zu mir.

Glaube aber auch, damit in der Minderheit zu sein. Das Bild im Forum verzerrt dies nur, denn der Käufer beim Bauträger kauft eben von der Stange und tummelt sich selten in Foren.
Würde Amazon Häuser verkaufen, sie wären innerhalb eines halben Jahres Branchenführer.
 
11ant

11ant

Würde Amazon Häuser verkaufen, sie wären innerhalb eines halben Jahres Branchenführer.
Nee, hehe: ich sehe in meinem Kopfkino gerade die Leute ganz selbstverständlich Häuser zum Anprobieren bestellen und kostenlos zurückschicken, weil ihnen die Fliesen nun doch nicht gefallen *LOL*

Man kann sich auch ganz einfach einen Architekten suchen und ihm all die wirklich drängenden Fragen stelle,
in diesem Falle nicht, denn mir ging es ja gerade um den Vergleich der Von-der-Stange-Anbieter, d.h. die Massivbauer habe ich nur soweit einbezogen, wie sie überhaupt Kataloge haben. Um den Architekten als „lachenden Dritten“ ging es mir nicht, und auch nicht um Massiv gegen Holztafel, sondern materialunabhängig um einen Querschnitt der Serienmodell-Anbieter. Und dabei dann neben den Produkten auch um die Qualität der Informationen, wo deren Brauchbarkeit dazuzählt.

Die hochwertigen Modelle einiger FH-Anbieter, die auch architektonisch + energetisch interessant sind, bewegen sich dann bereits wieder in Preisräumen, die auch eine Realisierung durch einen Architekten attraktiv machen.
Genau so sehe ich das auch, und ich war nie der Meinung, ein Fertighaus müsse sich durch einen Preisunterschied abheben, weder in die eine noch in die andere Richtung. Die Arbeit eines Architekten hat einen Wert und einen Sinn, also auch einen Preis (ob einzeln abgerechnet oder in Gesamtpreisen untergebracht). Und sie hat auch viel mit dem konkreten Bauvorhaben zu tun, deswegen ist allein daran, eine Plänesuite auf den Kopierer zu legen, an einem Typenhaus noch nichts gespart. Mit dem Grundstück passen muß es trotzdem, und das ist eben fallweise individuell.

Und weil ich – außer in der Bauzeit – keinen Prinzipunterschied sehe, betrachte ich die Fertighaushersteller als „Bauunternehmer wie andere auch“. Von den Massivbauern haben ja auch viele ihre „Vorgaben“. Der eine mag nur Blähton, der andere Porenbeton, der dritte Kalksandstein, in meiner Gegend ist Bims immer noch stark, und manche verwenden nur einen bestimmten Schalungsstein. Da sehe ich einen, der sagt „ich baue nur Wände nach einer eigenen Rezeptur als Sandwich mit Konstruktionsholzkern“ als gleichwertig gegenüber einem, der massiv zwar alle Freiheiten hätte, aber ein Material liebt und alles andere ablehnt. Und in diesem Sinne sehe ich das

Wandaufbau? Interessiert vermutlich keinen.
eben genau andersherum: im Sinne meiner Einstellung („auch ein Bauunternehmer, nur eben mit einer anderen Baustoff-Kategorie als die Steinkollegen“) ist der Wandaufbau (bzw. mehr noch: die Qualität und Auffindbarkeit der Informationen darüber) einfach ein wesentlicher Teil der Leistungsbeschreibung.

Im übrigen war der Wandaufbau ein treibendes Thema beim Trend zur Individualplanung im Fertigbau: im Zuge von Passiv / EnEV / KfW hätten die Fertigbauer ihre Haustypen sämtlich überarbeiten müssen, da heute kein Blumentopf mehr damit zu gewinnen wäre, in den 90ern mal dem Massivbau voraus gewesen zu sein, was den Quotienten Wärmedämmung : Wandstärke anbelangt. Da hat man die Parole „Feuer frei für Individualplanung“ ausgegeben.

KfW Standard vllt mal wieder, damit man einen vermeintlich günstigeren Kredit bekommen, aber wie der realisiert wird? Ich denke das interessiert die wenigstens.
Da stimme ich Dir (hier: leider) voll zu.

Ich glaube, dass die von dir kritisierten, inhaltslosen Kataloge @11ant, genau das sind, was die meisten Bauherren, die nicht sowieso zum Architekten gehen, suchen.
Ich hatte garkeine generelle Kritik an einer Inhaltslosigkeit von Katalogen geübt – denn die träfe auf das Gros des Feldes gar nicht zu. Erstinformationen dürfen übrigens durchaus auch Details auslassen, und die Mehrheit der Anbieter kriegt das ganz ordentlich gebacken, auch in einem Zwanzigseiter schon alles wesentliche erwähnt zu haben – die Lichtschalter- und Klinkenhersteller erwarte ich da noch nicht aufgeführt. Peinlich fand ich nur, daß ausgerechnet der am allerlängsten brauchende Anbieter in einem unhandlichen Buch vom Gewicht aller Mitbewerberinfos zusammen außer blabla rein garnichts erzählt.

Bei einigen Massivbauern habe ich eine Inhaltslosigkeit kritisiert, aber nur auf der Geschmacksebene: abgekupferte Entwürfe zusammenzustellen – lizenzrechtliches lasse ich mal außen vor – während man aus konkretem selbst Gebautem sogar eine breiter gefächerte Palette an Bauvorschlägen präsentieren könnte, finde ich zwar unnötig erbärmlich. Aber Aussagen, aus welchem Zeug die Häuser überhaupt sind, waren da schon drin.

.

Ehe der Thread den Drive zur Subdiskussion „Architektenhaus oder Fertighaus“ bekommt, möchte ich an meine Ausgangsfragestellung erinnern. Mich interessiert:

- haben die Anbieter, deren Informationsmaterial Euch erreicht hat, eher nur reine Appetitanreger gedruckt, oder waren die Informationen geeignet, „Kopfentscheidungen“ daraus vorzubereiten ?

- unabhängig davon, was Ihr individuell als Eure Top Ten der Fakten gewichtet: waren sie dem Infomaterial übersichtlich zu entnehmen, oder eher wie Ostereier versteckt ?

- hattet Ihr eher den Eindruck, man ließe Euch Häuser wie z.B. Autos vergleichen (oder auch eher wie Kredite oder Versicherungen), oder sagten die Prospekte nur „wir sind stolz auf unseren Fotografen – aber fragen Sie niemals, was in unserem Wurstteig drin ist“ ?

Die Informationen, die ich erhielt, waren sonst überwiegend von befriedigender Qualität. Mindestens haben sich alle außer diesem Anbieter mit dem besonders dicken Buch (dasjenige des großen Ärztevillen-Konditors wiegt nicht mal die Hälfte) mit Häusern von heute für Menschen von heute mit Grundstücken von heute beschäftigt, anstatt mir als unbrauchbarer Ersatz etwas sozialphilosophisches über den Städtebau von übermorgen aufzutischen, den allein vom Grundstück her auch nur ein Bauverein gewuppt bekäme. Der hat meine Erwartungen an ein Informationspaket(chen) für einen Einfamilienhäuslebauer 2017/2018 mit Pauken und Trompeten (und zwar von Jericho) enttäuscht.
 
Sascha aus H

Sascha aus H

eben genau andersherum: im Sinne meiner Einstellung („auch ein Bauunternehmer, nur eben mit einer anderen Baustoff-Kategorie als die Steinkollegen“) ist der Wandaufbau (bzw. mehr noch: die Qualität und Auffindbarkeit der Informationen darüber) einfach ein wesentlicher Teil der Leistungsbeschreibung.
Das es zur Leistungsbeschreibung gehört bin ich bei dir. Meine Aussage bezog sich darauf, dass die wenigstens Bauherren sich tatsächlich mit Materialien auseinander setzen wollen und somit egal ist, ob diese in einem Katalog vorhanden sind oder nicht.
- haben die Anbieter, deren Informationsmaterial Euch erreicht hat, eher nur reine Appetitanreger gedruckt, oder waren die Informationen geeignet, „Kopfentscheidungen“ daraus vorzubereiten ?
Ich kann die Frage mit einem klaren ja beantworten, uns hat es jedesmal gereicht. Wir haben Kataloge aber auch nur bei der Suche nach Ideen für den Grundriss verwendet. Als es um die Planung unseres Bauvorhabens ging, hab ich mir von den Unternehmen deren Bauleistungsbeschreibung zusenden lassen, bevor ich ein erstes Gespräch vereinbart habe.
 
RobsonMKK

RobsonMKK

Katalog ungleich Bauleistungsbeschreibung. Damit ist doch eigentlich alles gesagt.
Ein Katalog ist Marketingmaterial, damit will ich Leute anfüttern, mehr aber auch nicht. Wer eine andere Erwartungshaltung hat, hat vermutlich noch nie einen Autokatalog oder ähnliches angesehen. ZDF - Zahlen Daten Fakten auf Verbraucherniveau, das ist relevant. Keiner will bereits in der Vorauswahl die tief-technischen Details der Anbieter vergleichen. Letztendlich sind diese Details auch nur ein Stück vom Puzzle warum man sich für Anbieter A oder B entscheidet. Und @Sascha aus H hat recht, letztlich ist der Wandaufbau nicht das wirklich relevante. Firma A baut so, Firma B so. Am Ende des Tages steht ein Haus das nach EnEV oder KfW Whatsoever passt.
Natürlich sortiere ich die Sachen aus die mir nicht gefallen (z.B. WDVS, oder einen der mit Ytong baut oder was auch immer meine Kriterien sind).
 
H

haydee

Ich denke es gibt für jeden den passenden Partner.

Uns interessieren keine schönen Bildchen und suchen eine für uns passende Mischung aus selber entscheiden und nicht jeden Handgriff überprüfen.
Freunde von uns gehen zu einem Anbieter. (Schwager vom Kumpel, nicht mal nachgefragt warum wir nicht mit denen bauen. Ist ja Verwandtschaft von mir)
Kein Musterhaus angeschaut
Keine Gedanken gemacht Grundriss etc
Keine Vergleiche gezogen
Bauleistungsbeschreibung äh was ist das
Was ihr macht euch Gedanken welche Steckdosen ihr wo wollt - muss ich das ???
 
Nordlys

Nordlys

Positiv erinnere ich die Kataloge von Scanhaus: Preise dabei, BLB dabei, technische Infos dabei, klar gegliedert, was Standard und was Extra. Vorsicht: BLB enthält Abweichungen nach unten: z.B. keine Wand und Bodenbeläge, also somit auch keine Fliesen. Sehr einfache Bodenplatte.
Team Massivhaus-Büdelsdorf: Preise dabei, BLB dabei, CD Rom dabei mit vielen Grundrissvarianten zu denen im Katalog abgedruckten. Große Transparenz in den Aufpreisen. Ist aber kein bundesweiter Anbieter. Karsten
 

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