Ich habe eine Frage, die mich nun schon seit einer Weile beschäftigt und hoffe auf fundierte Erklärungen: Warum verzieht sich die Front der Malm Schubladen von IKEA nach längerer Zeit der Nutzung so deutlich? Die Klappen werden meist nicht stärker belastet als vorgesehen, trotzdem beobachte ich bei mehreren Schubladen eine Verformung, die sich als optische Wölbung oder leichte Schräge bemerkbar macht. Ich vermute, dass es entweder Materialeigenschaften oder Feuchte- bzw. Temperaturunterschiede wären, die diese Verformung hervorrufen, aber ich möchte gerne mehr über die genauen Gründe und ob es auch eine konstruktive Schwäche bei diesem Modell gibt erfahren. Mich interessiert auch, wie man eventuell präventiv dagegen wirken könnte, um die Fronten möglichst lange gerade zu erhalten.
Die Fronten sind meist aus MDF oder Spanplatte gefertigt. Solche Materialien reagieren stark auf Feuchtigkeit und Schwankungen in der Luftfeuchte. Das führt zu Ausdehnung und Schrumpfung, was die Verformung erklärt. Wichtig ist, die Schubladen nicht zu feucht stehen zu lassen und kein direktes Wasser zu verwenden.
Um das Thema mal etwas ausführlicher zu beleuchten: Die Malm Schubladen werden aus beschichteten Holzwerkstoffen hergestellt, die zwar preiswert und stabil sind, aber nicht mit massiven Hölzern vergleichbar sind. Bei diesen Platten verändert sich die Form bei relativ kleinen Änderungen der Luftfeuchtigkeit, weil das Material Feuchtigkeit aufnimmt oder abgibt. Diese Feuchtigkeit bewirkt, dass sich die Platten ausdehnen oder zusammenziehen und so kann es über die Zeit zu leichten Verzügen kommen. Auch Temperaturschwankungen können den Effekt unterstützen, da sie die Luftfeuchte beeinflussen. Meist zeigt sich das in Form von gewölbten oder verbogenen Fronten. Präventiv kann man versuchen, die Möbel in möglichst konstantem Raumklima zu halten, was aber in der Praxis nicht immer einfach ist. Diese Art von Verzug ist also eher ein Materialproblem als ein Montagefehler.
Zur Ergänzung: Hersteller wie IKEA verwenden in der Regel MDF-Platten mit Melaminharz- oder Kunststoffbeschichtung für die Front. Diese Beschichtung schützt vor Flüssigkeiten und mechanischen Einwirkungen, bietet aber keinen absoluten Schutz gegen Feuchtigkeitsschwankungen. Der Verzug entsteht durch eine ungleichmäßige Feuchtigkeitsaufnahme, vor allem wenn die Rückseite oder Kanten weniger gut geschützt sind. Das Material dehnt sich auf einer Seite stärker aus als auf der anderen. Man sollte bedenken, dass keine Spannungsableitung vorgesehen ist, wie es z.B. bei Massivholz mit Nut-und-Feder-Verbindungen der Fall ist. Außerdem verstärken Temperaturschwankungen das Phänomen, da MDF hygroskopisch ist. Längerfristige Abhilfe erfordert entweder eine bessere Umgebungsfeuchtigkeitskontrolle oder eine Schutzbehandlung der Kanten, was bei IKEA-Möbeln allerdings selten erfolgt wird.
Jeanbar schrieb:
Diese Art von Verzug ist also eher ein Materialproblem als ein Montagefehler.Genau diesen Punkt möchte ich etwas differenzieren. Sicher ist der Werkstoff MDF anfällig, aber IKEA könnte durch die Konstruktion der Schublade besser gegen Verzug arbeiten. Zum Beispiel ist mir aufgefallen, dass die Befestigungen der Fronten meist nur punktuell angebracht sind, was eine starre Verbindung verhindert. Eine durchgängige Verleimung oder zusätzliche Verstärkungen könnten die Front gerade halten. Ebenso fehlt oft die Möglichkeit, Feuchtigkeit von den Kanten fernzuhalten, da diese an der Rückseite offen oder dünn beschichtet sind. Das verstärkt das Problem, dass Feuchtigkeit unterschiedlich eindringt. Man könnte also argumentieren, dass nicht nur der Werkstoff, sondern auch eine optimiertere Konstruktion zur Minimierung der Verzüge beitragen könnte.
BAUEVA schrieb:
Eine durchgängige Verleimung oder zusätzliche Verstärkungen könnten die Front gerade halten.Stimmt, ohne Verstärkungen verzieht sich die Front leichter. Deshalb würde ich raten, die Schrauben nachzuziehen und wenn möglich kleine Winkel oder Metallleisten an den Innenseiten anzubringen. Das schränkt die Verformung deutlich ein.
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