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Reinhold76
Keller oder Bodenplatte
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Keller oder Bodenplatte


Für viele ist das eigene Heim ohne Keller nicht komplett. Der Bau eines Kellers will aus finanziellen Gründen aber auch reiflich überlegt sein. Mit Baubeginn jedenfalls gibt es keine vernünftige Chance mehr, sich für oder gegen einen Keller zu entscheiden.

Der Bau des Eigenheimes ist wohl das teuerste Vorhaben im Leben einer Familie. Die Planung des Hauses ist deshalb stets verbunden mit Überlegungen, wie man Baugeld sinnvoll einsetzen bzw. einsparen kann.

Ein wichtiger Posten in der Finanzierungsplanung ist der Keller. Auf einen Keller zu verzichten, spart ca. 10% der Baukosten - bei gängigen Einfamilienhäusern sprechen wir da von 20.000 bis 35.000.

Ist aber das Sparen am Keller ein Sparen an der falschen Stelle oder nicht doch die richtige Überlegung, die so geschaffene Geldreserve an anderer Stelle sinnvoller zu verwenden?

Ein Keller bietet unbestreitbar die Möglichkeit, sein Haus in Zeiten hoher Grundstückspreise in die Tiefe zu erweitern. Man könnte nun einwenden, das sei teuer erkaufter Lagerraum für Krempel, den man sowieso regelmäßig entsorgen sollte, anstatt ihn zu sammeln. Aber abgesehen von praktischen Abstellflächen sind Hobbyraum, für die Kinder ein robuster Spielbereich, Sauna, oder ein Gästezimmer von hohem Nutzwert. Diese überaus praktische Erweiterung der Wohnung muss dabei nicht gleich und komplett verwirklicht werden – ausbauen kann man einen vorhandenen Keller auch später noch. Als Wasch-und Trockenraum leistet er sofort wertvolle Dienste.

Die Landesbauordnungen setzen jedoch der uneingeschränkten Nutzung von Kellerräumen Grenzen. Werkstatt, Party- und Fitnessraum sind zwar immer möglich; Aufenthaltsräume, wie Gästezimmer oder gar eine Einliegerwohnung, sind baurechtlich hingegen nur unter Einhaltung bestimmter Vorschriften etwa bzgl. Belüftung, Belichtung und lichter Raumhöhe möglich.

Diese Vorschriften sind bautechnisch gesehen recht unkompliziert einzuhalten: Ausreichend große Fensteröffnungen einbauen, das Grundstück wird vor den Fenstern abgeböscht, damit die Aufenthaltsräume eine Aussicht erhalten, eventuell einen separaten Eingang vorsehen.

Gleichwohl sollte man dabei im Auge behalten, dass diese Baumaßnahmen den Kostenrahmen für einen Keller nochmals erhöhen.

Verbaut man sich generell die Vorteile eines Kellers, wenn man sich darauf festlegt, sein Haus lediglich auf eine Bodenplatte zu stellten? Nicht unbedingt, die meisten Funktionen eines Kellers bieten auch oberirdische Kellerersatzräume.

„Ersatzräume“ ist dabei die gängige, qualitativ aber nicht immer ganz passende Bezeichnung. Oberirdische Gebäudeteile bieten die unschätzbare Möglichkeit, Licht und Luft ausgiebig zu nutzen. Der Einbau von Fenstern und Türen ist sehr einfach und immer auch nachträglich möglich, darüber hinaus vereinfacht die ebenerdige Erreichbarkeit dieser Räume die häuslichen Verkehrswege; man denke etwa ans Schleppen von Getränkekisten, Kartoffelsäcken und Kaminholz. Als junges Paar mag man nicht daran denken, im Alter jedoch ist man für jede Treppe, die man nicht gehen muss, dankbar.

Die Funktion des Kellers können sorgfältig geplante Erdgeschossräume im Haus selbst übernehmen, z.B. Hausanschluss- und Hauswirtschaftsraum, Gästezimmer.
In Nebengebäuden, die jede Landesbauordnung in gewissem Maße erlaubt, und auch in erweiterten Garagen können Hausanschluss, Lagerräume, Werkstatt, Sommerküche etc. integriert werden – auch bei direktem Zugang vom Wohnhaus.

Beheizbare Aufenthaltsräume, z.B. ein Gäste- oder Arbeitszimmer, sind in Nebengebäuden baurechtlich gesehen allerdings unmöglich.

Oberirdische Kellerersatzräume sind billiger zu bauen als ein Keller; in Bezug auf Licht und Luft sind sie ohne Aufwand wohnlicher zu nutzen, bieten in der Summe aber weit weniger Platz als ein Keller. Dazu ist der Wiederverkaufswert von unterkellerten Häusern im Vergleich zu Häusern ohne Keller um ca. 70% höher, wobei man sich diesen Mehrwert wiederum auch erst erkaufen muss.

Nur in hochwassergefährdeten Gebieten, bei Hanglagen oder auf felsigem Untergrund ist vom Bau eines Kellers direkt abzuraten. Ob man sich auch bei bautechnisch passenden Bedingungen für die Unterkellerung seines Hauses entscheidet, ist also teils von nicht unwichtigen finanziellen Überlegungen abhängig und teils von der individuellen Einstellung zur Nutzung des Hauses.

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