Sehr interessantes Thema, ich möchte dazu etwas detaillierter eingehen:
Das Quietschen von Scharnieren nach Monaten lässt sich physikalisch durch die Veränderung der Reibungsverhältnisse an den Kontaktflächen erklären. Beim Einbau sind oft Schmierstoffe wie Fett oder Öl vorhanden. Diese bilden einen hydrodynamischen Schmierfilm, der die Reibung stark verringert.
Mit der Zeit findet allerdings ein sogenannter „Tribochemischer Alterungsprozess“ statt: Sauerstoff aus der Luft und oftmals leichte Temperaturschwankungen führen zur Oxidation und Polymerisation des Schmierfilms. Dadurch wird das Fett zäher oder verschwindet teilweise.
Parallel lagern sich Staubpartikel und Abrieb an. Diese wirken wie Schleifmittel. Das sorgt für Mikrokratzer und eine Erhöhung des realen Kontaktgrades zwischen den Metallflächen, womit die Reibung steigt.
Hinzu kommt, dass auch eine leichte Veränderung der Bauteiltoleranzen durch Temperaturwechsel oder Materialspannung auftreten kann. So entstehen kleine Bewegungsungenauigkeiten, die das Geräusch verstärken.
Fazit: Erst nach einer gewissen Laufzeit verschlechtert sich der Schmierzustand so weit, dass die Reibgeräusche hörbar werden. Es ist kein plötzliches Versagen, sondern ein schleichender Prozess.
Das Quietschen von Scharnieren nach Monaten lässt sich physikalisch durch die Veränderung der Reibungsverhältnisse an den Kontaktflächen erklären. Beim Einbau sind oft Schmierstoffe wie Fett oder Öl vorhanden. Diese bilden einen hydrodynamischen Schmierfilm, der die Reibung stark verringert.
Mit der Zeit findet allerdings ein sogenannter „Tribochemischer Alterungsprozess“ statt: Sauerstoff aus der Luft und oftmals leichte Temperaturschwankungen führen zur Oxidation und Polymerisation des Schmierfilms. Dadurch wird das Fett zäher oder verschwindet teilweise.
Parallel lagern sich Staubpartikel und Abrieb an. Diese wirken wie Schleifmittel. Das sorgt für Mikrokratzer und eine Erhöhung des realen Kontaktgrades zwischen den Metallflächen, womit die Reibung steigt.
Hinzu kommt, dass auch eine leichte Veränderung der Bauteiltoleranzen durch Temperaturwechsel oder Materialspannung auftreten kann. So entstehen kleine Bewegungsungenauigkeiten, die das Geräusch verstärken.
Fazit: Erst nach einer gewissen Laufzeit verschlechtert sich der Schmierzustand so weit, dass die Reibgeräusche hörbar werden. Es ist kein plötzliches Versagen, sondern ein schleichender Prozess.
Palenar schrieb:
…Tribochemischer Alterungsprozess…Wow, danke Palenar, für diese ausführliche Erklärung! Ich hätte nicht gedacht, dass selbst bei so "simplen" Alltagsgegenständen so komplexe chemische Prozesse ablaufen.
Dann ist es also quasi normal, dass so ein Scharnier irgendwann „aufschreit“ und uns die Entwicklung des Schmierfilms voller Staub und Oxidation akustisch verkündet. 🙂
floga schrieb:
…Scharnier irgendwann „aufschreit“…Haha, genau! Ich stelle mir die Scharniere dann manchmal wie kleine Sänger vor, die nach der langen Pause endlich loslegen.
Cool wäre es, wenn man so ein Scharnier irgendwie "trainieren" könnte, damit es von Anfang an leise bleibt! Oder ausreichend geschmiert bleibt. Hat jemand da Erfahrung? Ich habe gelesen, dass WD-40 oft benutzt wird, aber ist das wirklich geeignet für dauerhaften Schutz?
P
PeoDaniel12.12.22 13:52GLALEO schrieb:
…WD-40 oft benutzt wird, aber ist das wirklich geeignet für dauerhaften Schutz?WD-40 ist ein gutes Mittel, um kurzfristig Rost zu lösen und kann als kurzfristiger Schmierstoff dienen. Allerdings enthält es oft Lösungsmittel, die Fett und Öl verdrängen können. Das bedeutet, dass WD-40 bei längerer Anwendung den Schmierfilm entfernen und das Quietschen auf Dauer sogar begünstigen kann.
Für dauerhaften Schutz sind daher spezielle Schmiermittel auf Basis von Syntheseölen und -fetten besser geeignet. Zum Beispiel Silikonfett, Lithiumfett oder PTFE-basierte Sprays. Diese erhalten den Schmierfilm und verhindern so die Reibung langfristig.
Jetzt wo ihr das mit dem Alterungsschmierfilm und so erklärt habt, muss ich sagen, dass ich oft nach Gefühl öle ;-) Manchmal sind es ja auch nur temporäre Sachen mit dem Quietschen.
Ich nehme dann einfach ein paar Tropfen Öl und bewege die Tür, oft reicht das schon für ein paar Wochen Ruhe.
Eure Beiträge machen mich neugierig, ob nicht auch Umweltfaktoren, wie etwa Feuchtigkeit im Haus, die Zeit bis zum Quietschen beeinflussen könnten? 🙂
Ich nehme dann einfach ein paar Tropfen Öl und bewege die Tür, oft reicht das schon für ein paar Wochen Ruhe.
Eure Beiträge machen mich neugierig, ob nicht auch Umweltfaktoren, wie etwa Feuchtigkeit im Haus, die Zeit bis zum Quietschen beeinflussen könnten? 🙂
TARAON schrieb:
…ob nicht auch Umweltfaktoren, wie etwa Feuchtigkeit im Haus, die Zeit bis zum Quietschen beeinflussen könnten?Das ist absolut korrekt. Feuchtigkeit und Temperatur haben signifikanten Einfluss auf das Verhalten von Schmierstoffen und Metallkomponenten.
Hohe Luftfeuchtigkeit kann zur Korrosion führen, wenn der Schmierfilm dünn oder unvollständig ist. Feuchtigkeit unterstützt also Oxidationsprozesse, die den Schmierfilm schneller zerstören.
Ebenso können Temperaturwechsel zur Ausdehnung und Kontraktion der Metallteile beitragen, was die Reibungsverhältnisse verschiebt und damit eventuell das Quietschen provoziert.
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