Heizungseinstellung - Gasbrennwerttherme Buderus GB 172 T50

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Zuletzt aktualisiert 15.07.2024
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AallRounder

Abhilfe bei dieser Technik könnte das Aufdrehen der Rücklaufverschraubung in der Küche bei gleichzeitigem Drosseln der Rücklaufverschraubungen in den übrigen Räumen (bei voll aufgedrehten Thermostatventilen) sein.
Sorry, ich hatte Aufdrehen und Drosseln vertauscht. Es muss umgedreht sein!

Vielleicht nur ganz grob und laienhaft Allgemeines zur Verfahrensweise für einen "Schätzeisen"-Abgleich, der keinen Anspruch auf Perfektion / Vollständigkeit erhebt und nicht einmal in die Nähe einer ingenieurmäßig-wissenschaftlichen Herangehensweise kommt:

Du hast ein geschlossenes System mit Warmwasser und willst im Prinzip nur erreichen, dass wenigstens innerhalb dieser kleinen "Heizungswelt" Gerechtigkeit herrscht. Während Heizkörper 1 - der am nächsten am Wärmeerzeuger dran ist - bereits glüht, läuft der letzte HK an der Frostgrenze (übertrieben). Das soll sich nun so ändern, dass alle HK bei gleicher Thermostateinstellung gleich warm werden. Wie auch im wirklichen Leben ist nun aber die Herstellung von "Gerechtigkeit" ein äußerst schwieriges Problem.

An einem kalten Tag (Frost, am Besten -10° C) werden alle Thermostate voll aufgedreht und die Zimmertüren geschlossen. Bei einstellbaren Thermostaten (wo sich unter den Köpfen noch Ringe befinden) werden die Köpfe demontiert und die Ringe auf Maximum gestellt. Die Rücklaufverschraubungen werden auch voll aufgedreht. Nun liest man am Wärmeerzeuger die Vorlauftemperatur ab, die von diesem ins Rohrleitungssystem auf die Reise geschickt wird. Das ist der konstante Wert. Das hehle Ziel der gleichen Raumtemperaturen bedeutet bei Ausschaltung der Thermostatregelung (also Maximum), dass an allen Heizkörpern die gleiche Rücklauftemperatur entsteht. Das passiert dadurch, dass die sog. Volumenmassenströme, also wie viel Liter Wasser pro Minute durch den HK fließen, genau an Leistung und Raumheizlast angepasst sind.

Man misst nun am ersten HK (der ausgehend von der Verrohrung der 1. HK nach dem Wärmeerzeuger ist) die Rücklauf-Temperatur. Bei voll aufgedrehtem Thermostaträdchen und Rücklauf-Verschraubung sollte die Rücklauf-Temperatur annähernd so hoch sein, wie die Vorlauf-Temperatur. Am Besten ist es nun, wenn sich am Thermostat bereits etwas drosseln lässt. Ist dieser nicht einstellbar, gehts an die Rücklauf-Schraube, die einige Umdrehungen zugedreht wird.
Nun werden nach und nach in halbstündigem Zeitabstand die Rücklauf-Temperaturen aller HK in der Reihenfolge ihrer Entfernung zum Wärmeerzeuger gemessen, wobei vermutlich eine immer mehr abnehmende Rücklauf-Temperatur festgestellt wird. Je geringer die Rücklauf-Temperatur ist, umso weniger bis gar nicht wird gedrosselt.
Am Ende dieser Prozedur kommt die Stunde der Wahrheit: alle Thermostatköpfe werden wieder aufgesetzt und auf den gleichen Wert (z.B. "3") eingestellt. Dann sollte es in allen Räumen gleich warm werden. Wenn nicht, kann die o.g. Prozedur wiederholt und ggf. immer noch zu hohe / niedrige Rücklauf-Temperaturen korrigiert oder eine fachmännische Lösung avisiert werden:

- genaue Heizlastermittlung pro Raum
- Volumenstromermittlung pro HK
- Einstellung der berechneten Wassermenge an den Ventilen nach Herstellerdiagrammen

Am Ende die Pumpenleistung nicht vergessen, da diese nach erfolgreichem Abgleich i.A. reduziert werden sollte.

Richtig gehts mit Software und Datenschiebern, die kostenlos von div. Ventilherstellern bereitgestellt werden. Aber dazu muss man sich entweder selbst in die gesamte Theorie einarbeiten (was ich leider zu meiner Schande bisher auch noch nicht geschafft habe) oder einen Heizi finden, der zu der o.g. Gruppe der "10 %" gehört und damit Erfahrung hat.
 
V

Vwgolfcabrio

Hallo,

danke für die ausführliche Antwort. Das die Heizungen unterschiedlich heiß werden ist ja nicht mein Problem. Wenn ich in dem Raum wo die Bedieneinheit (Fühler RC35) drin ist das Heizungsthermostat runter drehe oder den Fühler auf 30 Grad stelle bekomme ich alle Räume warm und dabei werden auch alle Heizungen gleich heiß! Mein Problem ist es, dass wahrscheinlich dieser Fühler RC35 an allem Schuld ist. Wie gesagt wenn in der Küche die Temperatur erreicht ist dann gibt der Fühler ein Signal zur Therme und sagt damit Heizen ist nicht mehr notwendig. Wenn ich es jetzt in einem anderen Raum warm haben will muß ich entweder das Fenster in der Küche aufmachen oder den Fühler höher stellen (dann wird es aber in der Küche noch wärmer). Ich möchte jeden Raum individuell steuern. Am besten alles mit dem Heizungsthermostat.
 
P

perlenmann

Normalerweise bekommt eine Heizung ein Signal zum abschalten über die Rücklauftemperatur! nicht von einem einzelnen Raum!
 
A

AallRounder

Hallo,

danke für die ausführliche Antwort. Das die Heizungen unterschiedlich heiß werden ist ja nicht mein Problem.
Das Problem jeder nicht hydraulisch abgeglichenen Anlage ist mehr oder weniger die ungerechte Aufteilung des Heizwassers. Dadurch ergeben sich - unabhängig davon, ob Du nun eine rein witterungsgesteuerte oder rein raumgesteuerte Regelung hast - an jedem HK unterschiedliche Voraussetzungen, die dazu führen, dass z.B. Thermostateinstellung "3" in einem Raum zur schnellen maximalen Erwärmung und im anderen Raum niemals zur Wunschtemperatur führt.
Bevor man an komplizierte Steuerungen denkt, sollte man erst mal seine vorhandene Anlage richtig einstellen. Das spart auch nicht unwesentlich an Heizkosten.
Der Abgleich ist sozusagen die Grundlage für eine funktionierende Steuerung. Das gilt auch für den ganzen Hausautomationskrempel, mit dem man jeden TT ansteuern und bei machen sogar nebenbei sein gesamtes Heizverhalten an den Server des Versorgers offenbaren kann. Ohne Abgleich funktioniert auch ein Computersystem nicht einwandfrei.

Wenn ich in dem Raum wo die Bedieneinheit (Fühler RC35) drin ist das Heizungsthermostat runterdrehe oder den Fühler auf 30 Grad stelle bekomme ich alle Räume warm und dabei werden auch alle Heizungen gleich heiß!
Das widerspricht aber Deinem Einstiegsbeitrag. Dort hast Du beschrieben, dass bei Erreichen der Solltemperatur im Steuerraum die anderen Räume nicht weiter geheizt werden. Ich hatte das als Pseudodialog zwischen HK-Thermostat, Steuerung und Wärmeerzeuger illustriert.

Das andere Problem war, dass bei Einstellen des Thermostaten im Steuerraum < als die Solltemperatur der Steuerung ein Dauerheizen der Räume erzeugt wird.

Das entspricht meinen eigenen Erfahrungen mit einer Selbstbauheizung vor dem Abgleich, die auch nur einen Raumregler hatte.

Mein Problem ist es, dass wahrscheinlich dieser Fühler RC35 an allem Schuld ist. Wie gesagt wenn in der Küche die Temperatur erreicht ist dann gibt der Fühler ein Signal zur Therme und sagt damit Heizen ist nicht mehr notwendig. Wenn ich es jetzt in einem anderen Raum warm haben will muß ich entweder das Fenster in der Küche aufmachen oder den Fühler höher stellen (dann wird es aber in der Küche noch wärmer). Ich möchte jeden Raum individuell steuern. Am besten alles mit dem Heizungsthermostat.
Genau das erreichst Du ja nach durchgeführtem Abgleich. Dann funktioniert es, dass Du z.B. in allen Räumen incl. Steuerraum das Thermostat (TT) z.B. auf "3" (sollten 20°C sein, sieh in die Herstellerpapiere) stellst, die Raumtemperatur des Reglers etwas höher auf vielleicht 21,22°C und es werden überall 20°C. Warum?

Der HK im Steuerraum wird zunächst einmal mit weniger Heizwasser versorgt, weil er beim Abgleich gedrosselt wurde. Ich kann noch ergänzen, dass so ein Steuer-HK zusätzlich zum Abgleich der Rücklauf-Temperatur noch eine Umdrehung mehr gedrosselt werden kann, weil er sowieso "Chef im Ring" ist. Dadurch bekommen die anderen HK zusätzlich zu deren eigener weiter aufgedrehten TT-/Rücklauf-Verschraubung mehr Wasser als vorher. Es dauert also länger, bis der Steuer-HK seine Solltemperatur gem. TT erreicht. Inzwischen haben die anderen HK Gelegenheit, viel Heizwasser abzugreifen und im Idealfall ungefähr gleichzeitig wie der Steuer-HK die Solltemperatur gem. TT zu erreichen.Erwärmt sich der Steuerraum schneller, schaltet das TT bei 20°C ab, wenn die anderen Räume vielleicht noch 18°C haben. Aber die Raumsteuerung gibt weiter Heizbefehl, weil die 21/22°C noch nicht erreicht sind UND die Rücklauf-Temperatur noch niedriger ist, als bei intern von der Kesselsteuerung berechneter Gesamtabnahme der produzierten Wärme. Das kommt von den kälteren Rücklauf der anderen HK, die jetzt so lange weiter Heizwasser abnehmen, bis ihre TT abschalten und auch dort annähernd die Vorlauf-Temperatur in den Rücklauf zurückgeleitet wird.
Jetzt sollte die Kesselsteuerung trotz Nichterreichens der Raumregler-Solltemperatur abschalten, weil der Rücklauf quasi heiß zurückkommt. Der Steuerraum wurde bei dieser letzten Phase trotzdem nicht wärmer, weil sein HK-TT zugemacht hatte, da die TT-Temperatur < Raumreglertemperatur war.

Das klappt aber nur dann, wenn nicht der letzte (am weitesten entfernte) HK erst nach Stunden warm wird, weil er nur noch einen Fingerhut voll Heizwasser abbekommt. Dann hast Du den Effekt, dass ewig geheizt wird, bis das endlos kreisende Wasser von allen HK bis auf den einen abgelehnt und kurzgeschlossen weitergeleitet wird, um diesen einen noch zu erwärmen. Das kostet sinnlos Energie und bringt nicht den gewünschten Effekt. Dagegen hilft der Abgleich.

Alternativ zum Raumregler gibt es Systeme, die ausschließlich über eine witterungsgeführte Regelung steuern. Dann hast Du nicht das Theater, einen Steuerraum zu bestimmen und diesen bei fehlendem Abgleich zu manipulieren, um das Haus insgesamt wie gewünscht zu erwärmen. Du steuerst dabei nur noch über die HK-TT, die Rücklauf-Temperatur und die Außentemperatur. Mit den TT bestimmst Du für jeden Raum die Raumtemperatur. Anhand der Außentemperatur (geschützte Positionierung an der Nordwand) errechnet die Steuerung die geeignete Vorlauf-Temperatur abhängig von einer Heizkennlinie ("Heizkurve"), die je nach Haustyp und Witterung (Übergangszeit, tiefster Winter usw.) eingestellt wird. Du kannst Dich bei dieser Steuerung darauf beschränken, die Steilheit der Kurve (Änderung der Kennlinie) und deren Parallelverschiebung (Änderung der TT-Temperatur in 2°C-Schritten) zu erforschen. Die große Blackbox "Steuerungssoftware" wertet nun abhängig von der nach Witterung bestimmten Vorlauf-Temperatur lediglich aus, wie warm / kalt der Rücklauf zurückkommt. Eine Raumtemperatur kennt sie nicht. Deshalb musst Du überwachen, ob die gewünschten Raumtemperaturen überall erreicht werden. Ist das nicht der Fall, kannst Du ohne Dreieck und Lineal ( ) parallel verschieben, indem Du die (hier nur fiktive) Soll-Raumtemperatur erhöhst. Auch 30°C bedeuten hier nicht, dass im ganzen Haus ein Tropenklima naht, sondern lediglich eine Niveauerhöhung der Vorlauf-Temperatur. Reicht das nicht aus, kann auch eine steilere Kurve gewählt werden, was jedoch meist mehr Energie kostet.

Heizungsabgleich-und Einstellung ist eines der wenigen Hobbys, die sich wirklich auszahlen, den Öl-und Gaspreisen sei dank
 
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