Makler für Eigentümer - Nutzen / Vorteile?

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Vor ein paar Jahren habe ich mein erstes Haus (in der Schweiz) verkauft. Da war auch die Frage, ob selber oder über einen Makler. Ich habe dann ein sehr ausführliches Exposé erstellt - auch mit vielen Fotos und einer wirklich sehr detaillierten Beschreibung.
Wenn ich das mit dem der Makler hier anschaue, dann ist das nicht wirklich schlechter gewesen. Besichtigungstermine gab es drei (aufgrund der Nachfragen), so dass nicht allzu viele Leute rumtrampeln, welche nur neugierig sind. Innerhalb kurzer Zeit waren zwei Interessenten, welche das Haus definitiv kaufen wollten. An einen habe ich dann verkauft. Wenn ich den Aufwand dafür sehe und mit den teilweise aufgerufenen Profisionen vergleiche, dann hatte ich für meine Arbeit einen wirklich guten Lohn.
Zur Zeit verkaufen sich Objekte quasi selbst. Bei guten Lagen würde ich immer selbst verkaufen (natürlich vorher den Markt analysieren - man braucht zur Preisfestsetzung Fingerspitzengefühl). Bei speziellen Objekten - in Immoscout meist als "Liebhaberobjekt" bezeichnet - sind meist nicht für die breite Kundschaft: Entweder vom Objekt selbst (klein, riesig, spezielle Farbwahlen, "unmögliche" Fliesen und Ausbauten....) oder von der Lage her ("in der absoluten Pampa"). Die Nachfrager sind dann da auch selten - so was kann über einen Makler vielleicht besser verkauft werden (die können offensichtliche Nachteile locker noch statt als bug als Feature verkaufen).
 
Was bezwecke ich als Eigentümer einer Immobilie, wenn ich einen Makler engagiere?

Die meisten Makler, die ich bisher getroffen habe, sind Schwätzer, haben keine Ahnung und/oder verlangen für's Reinsetzen von schlechten Fotos samt Anzeigen voller Rechtschreibfehler bei Immoscout/Welt/etc und ein paar Besichtigungen einen Haufen Geld vom Käufer. Damit schrecke ich doch auch viele potenzielle Interessenten ab - ich persönlich würde es als Käufer auch nicht einsehen, für die insgesamt vielleicht 2h Kontakt mit dem Makler mehrere zehntausend Euro zu bezahlen, die dann von meinem Eigenkapital verschwinden. Der will ja noch nicht mal für die Aussagen in seinem eigenen Exposé haften.

Die einzigen validen Gründe könnten aus meiner Sicht sein:
- Ich wohne sehr weit weg und kann keine Besichtigungen durchführen
- Ich möchte mich um überhaupt gar nichts kümmern

Der erste Grund ist völlig verständlich. Wobei dann eigentlich auch der Verkäufer "Schuld" ist und bezahlen sollte.
Der zweite Grund ist einfach nur pure Faulheit, die sich der Makler fürstlich bezahlen lässt. Ist das wirklich so viel Aufwand? Meist kann man doch die Unterlagen weiter verwenden, die man bereits beim Kauf/Bau erhalten hat. Dazu einen Energieausweis. Und Kaufverträge macht jeder Notar. Was steckt denn noch dahinter?

Was für Gründe gibt es noch? In meinen Augen ist das ein fast überflüssiger Berufszweig mit unverhältnismäßig hoher Bezahlung... das merkt man schon an der ganzen Geheimniskrämerei von wegen "unterschreibe hier und hier und dort, ansonsten sage ich dir die Adresse nicht, da könnte ich ja um meine Provision gebracht werden (sic!)"



Bewusst provokant geschrieben, würde mich trotzdem auf sachliche Antworten freuen ;o)
Nun, die Meisten sehen in einem Makler nur EINE Person, die von den Objekten ein paar schlechte Fotos macht und einen Standardtext hinzufügt sowie für diese Angaben nicht einmal haftet. Für eine Besichtigung von 1-2 Stunden kassiert der Makler dann unverschämterweise mehrere tausend Euro. So das allgemein gängige Bild eines Maklers, untermauert von "dem" Maklerwitz schlechthin: "Wir rufen zurück..."

Tatsächlich sieht es bei einem guten Makler jedoch ganz anders aus. Da arbeiten 10 oder mehr Personen, man benötigt ein Büro, allein Werbekosten für die Anzeigen liegen jeden Monat im 5-stelligen Bereich.
Zudem wird von mir z.B. eine Kameraausrüstung genutzt, die deutlich im 4-stelligen Bereich liegt und die Fotos werden zum Teil noch aufwendig mit Fotoshop und Lightroom bearbeitet. Allein bis eine Anzeige fertig ist, kann es also schon mal 10 Stunden dauern.
Dass der Makler nicht für alle Angaben haften kann liegt allein darin begründet, dass auch der Makler das Haus nur besichtigen kann und ihm damit vorsätzlich versteckte und verschwiegene Mängel nicht auffallen können und er sich auf die Angaben des Verkäufers berufen muss.
Das Problem ist, dass viele Leute, die einfach keinen Job hatten sich einmal dachten, ich werde einfach Makler und verdiene einen Haufen Geld. Genau das sind die vielen schwarzen Schafe, die einen miesen Job machen und dann "Sonderkonditionen" anbieten, bei denen man z.B. nur die halbe Provision bezahlen muss. Selbstverständlich ist der Service dann mies und das fällt auf alle Makler zurück.

Bei den Objekten sieht es dann so aus, sicher hatte ich auch schon welche, die sich quasi von allein verkauft haben und man mit relativ wenig Arbeit gutes Geld verdient hat.
Jedoch gibt es auch Objekte, die hat man jahrelang im Bestand. Teilweise kosten die keine 100 k€ und man fährt zig mal zur Besichtigung mit den vermeintlichen Schnäppchenjägern oder man hat nur einen Allgemeinauftrag, macht sich 1 Jahr lang die Arbeit und Letzt endlich wird das Haus dann privat verkauft.
Genau deshalb wird auch so ein "Theater" um die Adresse gemacht. Es gibt nämlich zahlreiche "Interessenten", die die Adresse erfragen wollen, dann zum Termin nicht auftauchen und später privat an der Tür klingeln, wenn der Verkäufer noch im Haus wohnt.
Diese Leute freuen sich dann noch, wie geschickt sie waren und dem bösen Makler eins ausgewischt haben.
Die Freude sank dann jedoch sehr schnell, als eine Rechnung über die doppelte Provision (Käufer und Verkäufer) in den Briefkasten des Käufers flatterte.
Da eindeutig dokumentiert war, und er zumindest seine Telefonnummer angegeben hatte, dass er die Adresse von uns hatte und somit erst der Kauf zustande kam, bezahlte er dann eben doch. Nach einigen Verhandlungen und Gutmütigkeit unsererseits jedoch nur den Käuferanteil.

Ich hatte z.B. auch schon ein Renditeobjekt, da war der Besitzer nicht mehr in der Lage, sich überhaupt um irgend etwas zu kümmern. Wir hatten mit seinem Steuerberater tagelang Akten gewälzt, bis überhaupt ein Durchblick nahte.

Es gibt also durchaus gute Gründe für einen (guten) Makler.

Wenn man jedoch sein neuwertiges Objekt in gefragter Lage zu einem angemessenen Preis verkaufen möchte, ist dieser nicht unbedingt nötig, da gebe ich Dir vollkommen recht.
Allerdings kann auch hier ein Makler Sinn machen. Wir erleben es häufig, dass eine Person aufgrund eines Jobwechsels sich an einen Makler wendet, ein paar geeignete Objekte in der Region für ihn zu suchen.
Diese Leute haben oft keine Zeit, selbst auf die Suche zu gehen und bezahlen, je nachdem wie dringend es ist, auch einen höheren Kaufpreis, was dann wieder dem Verkäufer zugute kommt.

Als Fazit würde ich sagen, mit einem Allgemeinauftrag macht man nichts falsch, sondern kann nur gewinnen.
Wenn man selbst nicht die Möglichkeit hat, sich um alles zu kümmern, sollte man einen Alleinauftrag bei einem guten Makler eingehen.
 
Hallo

hier ist ein Angebot einer Immobilie ohne Maklerbindung ein gutes Verkaufsargument.
Und ich würde auch keinen Makler mehr beauftragen.
Bisher hatte ich eine gute und eine schlechte Erfahrung mit einem Makler gemacht.
Die Schlechte: Ich wollte meine Wohnung verkaufen (8 Jahre alt, 100m², gehobene Ausstattung, im Einzugsgebiet Düsseldorf. Die Bausparkasse, über die die Finanzierung lief, diente mir ihren Makler an und schwupp, hatte ich einen Vertrag unterschrieben, dass nur er diese Wohnung verkaufen kann. Der Vertrag ging über ein Jahr. Es tat sich nichts. Ich fragte nach. Er antwortete, dass gerade einige Interessenten dran wären. Nach einigen Monaten fragte ich wieder nach. Er meinte, die Wohnung sei zu teuer. Nach dem Jahr kündigte ich den Vertrag. Es kam eine lange Liste von potenziellen "Käufern", auf die der Makler die Hand darauf hielt.
Mir wurde daraufhin ein anderer Makler empfohlen. Der Deal war, wenn ich die Wohnung verkaufe, bekommt er keine Provision. Innerhalb kurzer Zeit waren mehrere Interessenten da (der Kaufpreis wurde auf Anraten des Maklers erhöht) und schwups, war die Wohnung weg.
In einem vertraulichen Gespräch sagte mir der Makler, dass er die Befürchtung hegt, der erste Makler wäre an einer starken Reduzierung des Kaufpreises interessiert gewesen, damit ein Bekannter die Wohnung günstig übernehmen könnte. Es sprach einiges für diese Vermutung.

Steven
 
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120h für eine Immobilie? Ich kann es nicht belegen, jedoch scheint mir das deutlich zu hoch gegriffen! - und definitiv nicht im Durchschnitt über alle Immobilien des Maklers und schon gar nicht zur Zeit.
Es gibt sicherlich Ausnahmen aber ich bleibe dabei: die Maklerprovision steht in keinem Verhältnis zur erbrachten Leistung.
 
Das ist doch egal....die Stunden. Die Leistung ist der unterschriebene Kaufvertrag.
So kannst Du ja alle Makler an den Pranger stellen, Schiffsmakler, Versicherungsmakler, Reisebüros etc.
Wer selbst verkaufen will, mag es tun, ist nicht verboten. Makler verkaufen jedoch in der Regel besser und ohne Mühe für den Verkäufer, auch der Käufer ist beim Makler gut bedient, da dieser, sofern er seriös ist, keine Baumängel verschweigt und realistisch beschreibt, was man kauft. Profisionshöhen sind übrigens nicht fix, sondern verhandelbar. Wenn aber Haus xy so gut nachgefragt ist, dass es wie von selbst weggeht, ist da kein Spielraum. Carsten
 
Auch so was muss ein Makler machen: Scout-ID: 95415878

Bei solchen Häusern / Preisen beneide beileibe keinen Makler.

@Bauer123: Es gibt Boom Gegenden in Deutschland; ja die großen Städte; aber z.B. die Eifel oder viele
Teile des Ostens gehen Immobilien wie sauer Brot.

Wenn wir durch die Eifel fahren und mal bei den Sparkassen anhalten sind viele Aushänge recht vergilbt, was Immobilien angeht.

Es gibt sicherlich Ausnahmen aber ich bleibe dabei: die Maklerprovision steht in keinem Verhältnis zur erbrachten Leistung.
Profisionen sind ja nicht willkürlich festgelegt. Auch gibt es keine Pflicht jemand in Anspruch zu nehmen
 

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