Wie wägt man korrekt zwischen GEG und KfW 55, 40 und 40 Plus ab?

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Wir planen zweischalig zu bauen und möchten eine KWL aus Komfortgründen. Wir planen jetzt auf 55EE, die dickere Dämmung und die zusätzlichen Baunebenkosten verursachen ca. 10 Tsd. Euro Mehrkosten gegenüber Enev mit KWL, d.h. für uns ist die Zuschussvariante finanziell attraktiv und der Anreiz, mehr als Enev zu machen. Rechne ich vom technischen Minimum für Enev (ohne KWL) zu 55EE, ist es etwa kostenneutral. Hängt aber natürlich auch von der Wandkonstruktion ab.
 
Wie wägt man korrekt zwischen GEG und KfW 55, 40 und 40 Plus ab?
"Korrekt" kann man das insofern garnicht, wie es am dazu nötigen objektiven Stein der Weisen mangelt. Abgesehen von Unschärfen zwischen gesicherten Fakten und ehrenwerten Hoffnungen läßt sich dieses Thema nie völlig frei davon betrachten, zu der einen oder anderen Ideologie eine persönliche Stellung zu beziehen, die den Allergiker-Warnhinweis "kann Spuren von subjektiver Meinung enthalten" aufgeklebt haben müßte. Vorsicht also vor allen Behauptungen, der jeweils empfohlene Weg sei lupenrein "richtig".
Meine persönliche Meinung scheint mir hier wenig wiederholungsbedürftig: die Forensuche hier könnte gewiß besser funktionieren, aber mein Mitgliedsname in Verbindung mit "WDVS" oder auch "KWL" läßt den Suchenden dennoch nicht im Dunkeln stehen.
"Objektiv" kann ich insofern nichts beitragen ;-)
Aber "statistisch" kann ich aus vier Jahren meines Herumtreibens in diesem Forum grob zusammenfassen, daß ein Teil meiner Ansichten hier relativ breit geteilt wird, nämlich: daß die gegenüber der "Nur"-EnEV-Erfüllung als ökoethisch edler angesehenen Fettstufen "KfW", "KfW turbo" und "KfW Doppelturbo" etwas sind, was einem immer auch eigenes Geld wert sein muß: es sind sämtlich Programme mit Zuschüssen, die ihren geistigen Vätern und Müttern folgend Anreize geben bzw. eigenes Umdenken forcieren sollen - aber niemals geeignet sind (oder auch nur würden sein sollen), daß man "damit reich wird", diese Programme zu nutzen. Man hüte sich also vor der Irrhoffnung, daß einem die Förderung einer nächstschärferen KfW-"Fettstufe" an sich (oder deren Kombination mit einer Einliegerwohnung oder dergleichen) die dafür nötigen Mehraufwände voll deckend bezahlt oder gar noch ein Zückerchen obendrauf legte.
Fazit, aus meiner Sicht: tu´ was Du für richtig hältst - meinetwegen auch Plusernergiehaus mitsamt Wärmerückgewinnung auch noch aus dem Angstschweiß darüber, ob die Anstrengungen nicht doch noch zu wenig seien, um alle Greta-Ziele zu erreichen - aber träume nicht dabei. Sondern behalte den Hinweis von Tim Bendzko im Gedächtnis, daß man vor dem Retten der Welt "kurz" noch 148.713 Mails zu checken hat :)
Durch Wärmeverbundsystem lässt sich KfW55 durch dünnere Wände erzielen, was auf unserem schmalen Grundstück ca. 10qm mehr Wohnfläche ermöglichen würde.
Ach was, nicht wirklich. Wir reden von Sechsunddreißigkommafünf Zentimetern monolithisch gegen Dreiunddreißigkommafünf Zentimetern als Summe von 17,5 cm Stein und 16 cm Dämmplatten. Da gewinnst Du bei einem Einfamilienhaus niemals nie nicht 10 qm.
 
Also wenn ich irgendetwas bei unserem Projekt richtig gemacht habe, und ich meine richtig richtig, dann war es die Entscheidung einen vernünftigen Energieberater (in unserem Fall Ing.-Büro/Sachverständiger) frühzeitig einzubinden... zumal 60% der Kosten gefördert werden.
Im Endeffekt haben wir mit ca 10K Mehrkosten KfW40+ erreicht und dafür 15K Förderungen bekommen (allerdings mit Holzrahmenbau).
 
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Der Verbrauch wird etwa zu 60% von Nutzer, zu 30% von der korrekten Heizungsplanung und zu 10% vom Energiestandard ab.
Also ich bin ein Paradebeispiel, dass das eigentlich nicht stimmt.

Alle Räume permanent auf 23C und Bad auf 25C eingestellt, keine Nachtabsenkung.
Gelüftet wird wenn gelüftet wird, Heizung wird vorher nicht runtergedreht oder anderweitig beachtet. Die läuft seit Jahren ohne besondere Aufsicht/Bedienung.

Daher würde ich mich mal als absoluten worse case User ansehen.

Die jährlichen Kosten für das 112qm Haus mit zwei Personen.
336€ Gas
427€ Strom

Keine dicke Anlage aufm Dach, nur zwei Kollektoren für warmes Wasser bei schönem Wetter.

Ich finde das ist absolut ok.

Bezüglich der Frage mit welcher Energie Effizienz man bauen sollte:
Bist du jung 25 -> möglichst effizient

Bist du um die 40 -> lohnt sich nicht mehr so richtig, lieber wenig investieren und vor der Rente fertig werden mit Krediten.

Bist du noch älter ... 50 -> auf jegliche Zusatz Dämmung pfeifen.

Teure Wärmedämmung lohnt sich nur über die Zeit, ich habe jung gebaut und daher in KFW55 investiert.
Sollte zur Rente die Energie 3x teurer sein, kann ich damit leben. Hätte ich kein KFW55 würde aus dem 3x teurer schnell 6x so viel sein wie heute. Untragbar
 
Also ich bin ein Paradebeispiel, dass das eigentlich nicht stimmt.

Alle Räume permanent auf 23C und Bad auf 25C eingestellt, keine Nachtabsenkung.
Gelüftet wird wenn gelüftet wird, Heizung wird vorher nicht runtergedreht oder anderweitig beachtet. Die läuft seit Jahren ohne besondere Aufsicht/Bedienung.

Daher würde ich mich mal als absoluten worse case User ansehen.
Warum bist Du ein Paradebeispiel?
Du bezahlst genau Deinen Preis für Gas, weil Du Dein Haus so nutzt, wie Du es nutzt. Anders lüften und Räume auf 20 Grad und schon bist Du vielleicht bei 25% weniger Gasverbrauch.
DU bestimmst mit Deinen Vorgaben, welchen Verbrauch Du hast. Oder hast Du in Deinem Haus einen Vergleich mit anderem Nutzungsverhalten?
 
Warum bist Du ein Paradebeispiel?
Du bezahlst genau Deinen Preis für Gas, weil Du Dein Haus so nutzt, wie Du es nutzt. Anders lüften und Räume auf 20 Grad und schon bist Du vielleicht bei 25% weniger Gasverbrauch.
DU bestimmst mit Deinen Vorgaben, welchen Verbrauch Du hast. Oder hast Du in Deinem Haus einen Vergleich mit anderem Nutzungsverhalten?
Ganz genau, aber 25% sind keine 60%.

Ich bin mir außerdem sicher, dass die Tatsache mit KFW55 gebaut zu haben, meinen Verbrauch bei gleicher Nutzung mehr als 10% reduziert hat.

Ganz egal wie falsch ich Haus/Heizung nutze, dank KFW55 Dämmung bezahle ich recht wenig.
Und das ist doch letztendlich wichtig.

Dein Post suggeriert, man kann durch eine andere Nutzung die Kosten um 60% drücken, was nicht stimmt... naja außer man schaltet die Heizung in manchen Räumen aus und beim Rest geht man auf 20 oder weniger grad. Eher unrealistisch. Genauso wie man einen BMW M3 nicht mit 7 Liter fahren wird, auch wenn hypermiler es locker schaffen.

Unterm Strich kann ich nur dazu raten: jeder muss es für sich entscheiden,ob die Kosten zur Dämmung wieder reingeholt werden können.
Wer zB 50 ist und seinem Kind ein schönes Haus hinterlassen will und das nötige Kleingeld dazu hat, soll ruhig auch ordentlich dämmen.
Ansonsten ist die Hütte nach 30 Jahren einfach veraltet und Betriebstechnisch unattraktiv. Miete kann man 2050 nicht viel erwarten, wenn die Heizkosten für ein kleines Objekt jenseits der 1500€ jährlich liegen.
 
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