Hallo zusammen,
ich stehe gerade vor der Frage, ob es tatsächlich sinnvoll oder ausreichend ist, ein IKEA Kallax Regal ausschließlich mittels Winkel (also Metallwinkel, L-Winkel) zu stabilisieren und hält das Regal dadurch dauerhaft sehr robust?
Konkret interessiert mich, ob solche Winkel an den Verbindungsstellen die Stabilität so deutlich erhöhen, dass man auf andere Stabilisierungselemente wie Rückwände oder zusätzliche Querstreben verzichten kann.
Mich reizt die Idee, ein Kallax-Regal freier zu gestalten, ohne Rückwand, und nur mit Winkeln zu arbeiten - zum einen aus optischen Gründen, zum anderen, weil ich das Regal so leichter umbauen könnte.
Hat hier jemand eigene Erfahrungen oder professionelles Wissen dazu? Werden Winkel an den Seiten und Querstreben ausreichen, das Regal gegen Verkippen und Durchbiegen zu sichern? Oder könnte das auf Dauer Probleme geben, auch wenn die Verbindung an sich fest ist?
Über Rückmeldungen und Tipps freue ich mich!
ich stehe gerade vor der Frage, ob es tatsächlich sinnvoll oder ausreichend ist, ein IKEA Kallax Regal ausschließlich mittels Winkel (also Metallwinkel, L-Winkel) zu stabilisieren und hält das Regal dadurch dauerhaft sehr robust?
Konkret interessiert mich, ob solche Winkel an den Verbindungsstellen die Stabilität so deutlich erhöhen, dass man auf andere Stabilisierungselemente wie Rückwände oder zusätzliche Querstreben verzichten kann.
Mich reizt die Idee, ein Kallax-Regal freier zu gestalten, ohne Rückwand, und nur mit Winkeln zu arbeiten - zum einen aus optischen Gründen, zum anderen, weil ich das Regal so leichter umbauen könnte.
Hat hier jemand eigene Erfahrungen oder professionelles Wissen dazu? Werden Winkel an den Seiten und Querstreben ausreichen, das Regal gegen Verkippen und Durchbiegen zu sichern? Oder könnte das auf Dauer Probleme geben, auch wenn die Verbindung an sich fest ist?
Über Rückmeldungen und Tipps freue ich mich!
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Genevieve25.10.20 09:37Ich finde die Frage sehr spannend – grundsätzlich muss man sehr zwischen den Anwendungsfällen unterscheiden.
Das Problem mit Winkeln ist: Sie verstärken die Verbindung zwischen zwei Platten punktuell, verhindern aber nicht unbedingt gleichmäßig ein Verziehen des gesamten Rahmens.
Wenn du also keine Rückwand hast, die eine flächige Stabilität bietet, können die Winkel das Gesamtregal unter Belastung kippen oder verwinden lassen.
Daher würde ich zumindest empfehlen, zum Beispiel diagonale Verstrebungen oder eine Rückwand einzubauen, wenn es wirklich um dauerhafte und sichere Stabilität geht. Winkeln alleine reichen meiner Meinung nach nur bei geringer Belastung.
nontu schrieb:
ob es tatsächlich sinnvoll oder ausreichend ist, ein Kallax Regal ausschließlich mittels Winkel zu stabilisieren
Das Problem mit Winkeln ist: Sie verstärken die Verbindung zwischen zwei Platten punktuell, verhindern aber nicht unbedingt gleichmäßig ein Verziehen des gesamten Rahmens.
Wenn du also keine Rückwand hast, die eine flächige Stabilität bietet, können die Winkel das Gesamtregal unter Belastung kippen oder verwinden lassen.
Daher würde ich zumindest empfehlen, zum Beispiel diagonale Verstrebungen oder eine Rückwand einzubauen, wenn es wirklich um dauerhafte und sichere Stabilität geht. Winkeln alleine reichen meiner Meinung nach nur bei geringer Belastung.
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GUSTAVO5625.10.20 10:05Ich möchte hier gerne etwas technischer werden:
Das Kallax-Regal besteht aus Spanplatten mit Nut und Feder, ziemlich dünn (ca. 15 mm). Durch die sogenannte "Feder-Nut-Verbindung" sind die einzelnen Bretter zwar stabil verbunden, aber die Scherfestigkeit ist nicht sehr hoch.
Winkel verstärken meist nur die punktuelle Verbindungssteifigkeit. Da aber die größte Schwäche eines Regals oft in der Auslenkung bei Belastung liegt, hilft eine Rückwand viel mehr, weil sie eine Schubsteifigkeit erzeugt – sie wirkt wie ein Fachwerkträger.
Winkeln können sinnvoll sein, um die Fugen zu entlasten, vor allem wenn sie an den oberen Ecken im rechten Winkel angebracht werden. Ohne Rückwand sollte man aber das Regal auch an der Wand befestigen.
Wie stark das Regal belastet wird, ist entscheidend. Für Bücherregale z.B. sind Winkel allein nicht ausreichend meiner Erfahrung nach. Wofür planst du das Regal genau?
Das Kallax-Regal besteht aus Spanplatten mit Nut und Feder, ziemlich dünn (ca. 15 mm). Durch die sogenannte "Feder-Nut-Verbindung" sind die einzelnen Bretter zwar stabil verbunden, aber die Scherfestigkeit ist nicht sehr hoch.
Winkel verstärken meist nur die punktuelle Verbindungssteifigkeit. Da aber die größte Schwäche eines Regals oft in der Auslenkung bei Belastung liegt, hilft eine Rückwand viel mehr, weil sie eine Schubsteifigkeit erzeugt – sie wirkt wie ein Fachwerkträger.
Winkeln können sinnvoll sein, um die Fugen zu entlasten, vor allem wenn sie an den oberen Ecken im rechten Winkel angebracht werden. Ohne Rückwand sollte man aber das Regal auch an der Wand befestigen.
Wie stark das Regal belastet wird, ist entscheidend. Für Bücherregale z.B. sind Winkel allein nicht ausreichend meiner Erfahrung nach. Wofür planst du das Regal genau?
Danke schon mal für eure Einschätzungen.
Es soll tatsächlich eher als Raumteiler genutzt werden, mit nicht sehr schwerer Belastung, hauptsächlich Deko, einige Pflanzen und wenige Bücher. Eine Belastung im Bereich von max. 25 kg pro Fach, verteilt.
Aufhängen an der Wand ist nicht möglich, da mitten im Raum. Querstabilisierung mit zusätzlichen Querstreben wäre möglich, möchte ich aber möglichst vermeiden, weil ich ein geöffnetes Design bevorzuge.
Mein Hauptgedanke war: Wenn ich Metallwinkel (am besten innen und außen) an allen Verbindungen anbringe, sollten diese doch das Verkanten der Seitenplatten verhindern, oder sehe ich das falsch?
Also tendenziell die Scherkraft direkt in den Winkeln und nicht in den Verbindungen der Regalteile. Ist das technisch so sinnvoll?
GUSTAVO56 schrieb:
Wie stark das Regal belastet wird, ist entscheidend. Für Bücherregale z.B. sind Winkel allein nicht ausreichend
Es soll tatsächlich eher als Raumteiler genutzt werden, mit nicht sehr schwerer Belastung, hauptsächlich Deko, einige Pflanzen und wenige Bücher. Eine Belastung im Bereich von max. 25 kg pro Fach, verteilt.
Aufhängen an der Wand ist nicht möglich, da mitten im Raum. Querstabilisierung mit zusätzlichen Querstreben wäre möglich, möchte ich aber möglichst vermeiden, weil ich ein geöffnetes Design bevorzuge.
Mein Hauptgedanke war: Wenn ich Metallwinkel (am besten innen und außen) an allen Verbindungen anbringe, sollten diese doch das Verkanten der Seitenplatten verhindern, oder sehe ich das falsch?
Also tendenziell die Scherkraft direkt in den Winkeln und nicht in den Verbindungen der Regalteile. Ist das technisch so sinnvoll?
Grundsätzlich eine interessante Idee, und es gibt Wege, die Stabilität durch Winkel zu steigern.
Hier ein paar Tipps und Infos wie ich es sehen würde:
1. Winkel sollten unbedingt an mehreren Stellen verteilt werden, also nicht nur oben, sondern unten und an den Verbindungsstellen der Zwischenböden.
2. Auch auf die Verarbeitungsqualität kommt es an – schraubt man die Winkel nicht korrekt oder zu locker fest, bringen sie kaum Mehrstabilität.
3. Für mehr Stabilität empfiehlt sich das Anbringen von Winkelpaaren, also innen und außen, um Kippbewegungen nach vorne und hinten zu reduzieren.
4. Trotz allem ersetzen Winkel keine Rückwand. Sie sind eher wie Verstärkungsstellen, keine flächige Stabilisierung.
5. Wenn du große Fachhöhen hast, könnten Gleichewinkel die Regalteile allerdings verwinden lassen – ähnlich wie bei einem Bilderrahmen, bei dem ohne Eckenverstrebungen die Form nicht so stabil bleibt.
6. Du könntest auch spezielle Schwerlastwinkel in Erwägung ziehen, die höhere Kräfte aushalten.
Fazit: Basisstabilität ja – aber für dauerhafte Festigkeit eher eine Kombination aus Winkeln und zusätzlichen Maßnahmen.
Hier ein paar Tipps und Infos wie ich es sehen würde:
1. Winkel sollten unbedingt an mehreren Stellen verteilt werden, also nicht nur oben, sondern unten und an den Verbindungsstellen der Zwischenböden.
2. Auch auf die Verarbeitungsqualität kommt es an – schraubt man die Winkel nicht korrekt oder zu locker fest, bringen sie kaum Mehrstabilität.
3. Für mehr Stabilität empfiehlt sich das Anbringen von Winkelpaaren, also innen und außen, um Kippbewegungen nach vorne und hinten zu reduzieren.
4. Trotz allem ersetzen Winkel keine Rückwand. Sie sind eher wie Verstärkungsstellen, keine flächige Stabilisierung.
5. Wenn du große Fachhöhen hast, könnten Gleichewinkel die Regalteile allerdings verwinden lassen – ähnlich wie bei einem Bilderrahmen, bei dem ohne Eckenverstrebungen die Form nicht so stabil bleibt.
6. Du könntest auch spezielle Schwerlastwinkel in Erwägung ziehen, die höhere Kräfte aushalten.
Fazit: Basisstabilität ja – aber für dauerhafte Festigkeit eher eine Kombination aus Winkeln und zusätzlichen Maßnahmen.
L
Landontau25.10.20 11:25Ich ergänze gerne noch etwas:
Aus meiner Erfahrung bei Möbeln ohne Rückwand ist eine diagonale Querstrebe oder ein dünnes stabiles Brett am besten, um eine Kippstabilität zu gewährleisten.
Winkel können zwar das ‚Ausbeulen‘ einzelner Verbindungsstellen verhindern, doch sie können nicht verhindern, dass das Regal als Ganzes 'schief steht'.
Das Regal wirkt dann bei Belastung immer noch instabil – es kann sich verwinden durch unterschiedliche Belastung. Ein winkelverstärkter Korpus ohne Rückwand ist also eher ein Kompromiss und empfehlenswert bei leichter Nutzung.
Wenn das Regal aber richtig belastbar und dauerhaft winkelfrei, sprich gerade bleiben soll, dann muss die Rückwand mit ins Spiel - oder zumindest diagonale Versteifungen verbaut werden.
Aus meiner Erfahrung bei Möbeln ohne Rückwand ist eine diagonale Querstrebe oder ein dünnes stabiles Brett am besten, um eine Kippstabilität zu gewährleisten.
Winkel können zwar das ‚Ausbeulen‘ einzelner Verbindungsstellen verhindern, doch sie können nicht verhindern, dass das Regal als Ganzes 'schief steht'.
Das Regal wirkt dann bei Belastung immer noch instabil – es kann sich verwinden durch unterschiedliche Belastung. Ein winkelverstärkter Korpus ohne Rückwand ist also eher ein Kompromiss und empfehlenswert bei leichter Nutzung.
Wenn das Regal aber richtig belastbar und dauerhaft winkelfrei, sprich gerade bleiben soll, dann muss die Rückwand mit ins Spiel - oder zumindest diagonale Versteifungen verbaut werden.