Hauskauf Finanzierung trotz hoher Zinsen?

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Zuletzt aktualisiert 17.04.2024
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J

jrth2151

Die Frage ist nun. Wenn wir nach 10 Jahren bereits die Restschuld zahlen können, müssen wir dann auch die Zinsen zahlen, die wir bei einer kalkulieren Laufzeit von 22 Jahren zahlen würden?
Nein, die Zinsen zahlt ihr jährlich auf das noch nicht abgezahlte Geld. Wenn ihr nach 10 Jahren fertig seid, dann zahlt ihr nicht plötzlich einen Zinsaufschlag für hypothetische 22 Jahre. Wie soll das denn auch funktionieren?
 
WilderSueden

WilderSueden

Ist so eine exotische Idee, die dem Grundgedanken des Bausparens widerspricht, so dass mir dieses Produkt in der Praxis nicht bekannt ist.
Nicht nur dem Grundgedanken, auch dem Geschäftsmodell. Von den niedrigen Kreditzinsen soll der Kunde nicht zu viel bekommen, deshalb eine hohe und schnelle Tilgung des Bauspardarlehens
 
mayglow

mayglow

Da hatten wir aber noch mit einem Kredit von 230.000€ gerechnet bei 3,47% und 20 Jahre Laufzeit.
Da wir nicht 30 Jahre abbezahlen wollen und damit rechnerisch ein Drittel Zinsen an die Bank, haben wir das Eigenkapital erhöht und benötigen nur 150.000€ Kredit.
Wie lange ihr abbezahlt, liegt in erster Linie an der Kombination von Darlehenszins und Anfangstilgung. Google sagt, das könnten so grob 2% Anfangstilgung sein, über den Daumen gepeilt bei 30 Jahre zurückzahlen?

Wenn ihr mehr Eigenkapital einbringt, aber die Anfangstilgung trotzdem wieder auf 2% setzen lasst, dann habt ihr zwar eine niedrige Rate, aber die Laufzeit bleibt trotzdem ähnlich lang. Ich weiß nicht genau, ob das hier passiert war oder nicht, aber es wirkt ein bisschen so?

Wenn man sich euer Bausparangebot anschaut: Scheinbar könnt ihr euch ja eine höhere Rate leisten. Bittet euren Vermittler oder eure Bank doch einmal darum, euch einen Vorschlag mit einer höheren Anfangstilgung zu machen (also Beispielsweise mal 3% oder 4% Anfangstilgung zum Vergleich oder sogar noch mehr). Dann wird eure monatliche Rate zwar höher, aber die Laufzeit geht entsprechend runter. Überlegt euch da also, was für euch eine passabler Mittelweg zwischen Ratenhöhe und Laufzeit sein kann. (Alternativ ginge auch Rate niedrig lassen, aber die Möglichkeit vereinbaren 1x im Jahr eine Sondertilgung machen zu können, das hat einen ähnlichen Effekt. Vielen nutzen das dann doch nicht so viel wie vorgenommen...)

Übrigens: man spricht von Anfangstilgung, weil sich bei einem Annuitätendarlehen (was das ist, was ihr hattet mit der langen Laufzeit) man über die Zeit immer mehr tilgt. Die Kreditrate bleibt ja über die Gesamtzeit gleich und am Anfang zahlt ihr eben 3,47% Zinsen auf die gesamte Summe und eben diese Anfangs (sagen wir mal) 2% zurück. Im zweiten Jahr müsst ihr aber ja nicht mehr auf die gesamte Summe Zinsen zahlen (ihr habt ja schließlich schon was zurückgezahlt), sondern nur noch auf das verbleibende. Da eure Rate aber gleich hoch bleibt, wird der Anteil den ihr mit jeder Rate tilgt immer höher. (Also sagen wir die Rate ist bei 700 Euro, bei eurer allerersten Rate wären das anteilig etwa 436€ Zinsen und 264€ zurückzahlen. Bei der 10ten Rate sind es schon nur noch 430€ Zinsen und demnach 270€ zurückzahlen. Klingt nicht viel, aber über die Jahre immer mehr bemerkbarer und so im Beispiel hier nach 8-9 Jahren tilgt ihr mit jeder Rate mehr, als ihr an Zinsen zahlt.

Warum erzähle ich das? Ist das nicht am Ende eh egal? Zum Einen: Dieser Effekt ist größer, je höher ihr die Anfangstilgung festlegt (weil ihr mehr zurückzahlt, verschiebt sich das Verhältnis viel früher zu euren Gunsten). Zum Anderen: Weil das ein Effekt ist, den ihr in dem Bausparkonstrukt nicht habt, weswegen der Zins dort sehr irre führen kann. Dort ist das in der Regel so, dass ein Baustein ein Darlehen ist, was erstmal über Jahre überhaupt gar nicht getilgt wird (endfällig ist). In der Zeit zahlt ihr daher die ganze Zeit auf die volle Summe Kreditzinsen. Anstatt zu tilgen, wird dieser Anteil in einen Bausparvertrag eingezahlt, der aber in der Regel auch nur geringe Sparzinsen hat. Dann, wenn genug im Bausparer drinliegt, wird der erste Baustein abgelöst und erst ab da könnt ihr von den günstigeren Kreditzinsen des Bausparers profitieren. Davor habt ihr aber eben lange Zeit auf die komplette Summe die hohen Zinsen gezahlt, was beim Annuitätendarlehen eben nicht der Fall gewesen wäre. Und dann ist eben die Frage, ob ihr das eben jemals wieder rausholt. Darum müsst ihr da schon sehr genau rechnen, ob sich das lohnt und euch nicht von den niedrigen Kreditzinszahlen des Bausparers blenden lassen.
 
mayglow

mayglow

Warum seh ich eigentlich jetzt erst, dass der Beitrag gar nicht mehr so neu ist und die Nachfrage von wem anders war. Nun gut, mein Roman ist schon abgeschickt, ups.
 
O

orangenlimo

Warum seh ich eigentlich jetzt erst, dass der Beitrag gar nicht mehr so neu ist und die Nachfrage von wem anders war. Nun gut, mein Roman ist schon abgeschickt, ups.
Dafür war es ein ziemlich hilfreicher Roman, der hoffentlich dem Einen oder Anderen hier weiterhilft.

In unserem Fall hat ein zusätzlicher Bausparvertrag dennoch Sinn ergeben, aber wir hatten auch folgende Sondersituation: Unsere Immobilie wurde über das Z15-Darlehen finanziert und da hatten wir das Thema, dass man nicht sondertilgen darf und das erste Jahr auch noch tilgungsfrei war (weiß nicht, ob die Bedingungen immer noch so sind). Da hat es natürlich Sinn ergeben, mit dem zusätzlichen Geld einen Bausparer aufzubauen. Mittlerweile wird das Geld natürlich schlecht verzinst, aber dafür können wir in 4-6 Jahren unseren Kredit mit 1,50% ablösen…
 
M

masterflok

Aus meiner Erfahrung macht ein Bausparer am meisten Sinn für die Bank, da sie eine nicht unerhebliche Provision erhält. Gleichzeitige zahlt ihr eine nicht unerhebliche Abschlussgebühr, die man erstmal wieder erwirtschaften muss. Darüber hinaus muss man es sich erstmal neben dem eigentlichen Darlehen leisten können einen Bausparer für einen langen Zeitraum anzusparen, und zwar kontinuierlich. Dann lieber, wie hier bereits vorgeschlagen, die anfängliche Tilgung hochsetzen. Alternativ spart man das Geld an und bringt, sofern möglich, Sondertilgungen ein. Spätestens nach 10 Jahren geht das in jeden Fall.

Des weiteren besteht beim Bausparer immer das Risiko einen Finanzierungslücke. Es ist nämlich nicht garantiert, dass zum Wunschzeitpunkt das Darlehen tatsächlich verfügbar ist. Unter Umständen muss man einige Monate für einen sehr hohen Zins zwischenfinanzieren. Dass sind alles Dinge die oft verschwiegen werden.
 
Zuletzt aktualisiert 17.04.2024
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