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ᐅ Außenputz verläuft, Fensterbänke zu kurz, Dichtheit WDVS

Erstellt am: 30.12.20 23:02
H
Hemingway84
Vorwort:

Wir bauen mit einem großen GU aus Königslutter im Berliner Speckgürtel eine Stadtvilla mit 190 qm Wohnfläche nach KFW 55 Standard. Dieser bedient sich diverser Subunternehmer, die wiederum mit Untersubunternehmern arbeiten (die zum Teil wiederum Untersubunternehmer beschäftigen). Bis dato sind schon diverse Baumängel aufgetreten. Schwere Baumängel konnten durch unser Eingreifen noch verhindert werden (bspw. mehrere cm zu niedrige Ausschalung der Zwischendecke wurde sprichwörtlich 5 Minuten vor dem Beton noch erhöht). Der Bauleiter ist leider unfähig, dünnhäutig und blind. Vom ersten Tag an gibt es nur dumme Sprüche und Lustlosigkeit. Mängel hat er bis dato nie selbst erkannt bzw. sich der durch uns gemeldeten nur widerwillig angenommen, oder diese versucht mit standardisierten Phrasen kleinzureden.

De facto sind wir so oft wie möglich auf der Baustelle, weil wir wegen des bis dato aufgetreten sonstigen Mängel nur noch auf Daueralarm sind. Unser Eingreifen hat schon vieles zum besseren gebogen bzw. aus unserer Sicht gerettet. Wir haben auch noch einen Baubegleiter engagiert, der hier und da auch schon Mehrwert geleistet hat, seine Passion aber eher im Fotografieren des Baus, denn im Mängel aufspüren sieht. Manchmal hilft schon ein Zollstock oder eine Wasserwaage, zumindest uns.

Abgerundet wird unser Bauprojekt vom Umstand, dass meine Frau einige Monate nach Grundstückskauf und Bauvertragsunterzeichnung an Krebs erkrankte. Elender Schicksalsschlag mit Chemotherapie und allen diesbezüglichen Begleiterscheinungen, eingerahmt von den äußeren Umständen der uns allen betreffenden Corona-Pandemie. Der Verdienstausfall kommt ungünstig, wurde aber bei der Finanzierung - wenn auch eigentlich als mögliche Elternzeit und nicht Langzeiterkrankung - hinreichend antizipiert. Nichtsdestotrotz ist alles dadurch noch anstrengender als wohl ohnehin geworden.


Hauptteil:

Wir nähern uns dem Bauende, die Estrichtrocknung ist nächste Woche durch (avisierte Hausübergabe Ende Januar, damit auch noch schön die Mehrwertsteuersenkung verpasst). 90 % des Hauspreises wurden bereits gezahlt, es ist nur noch die wohl in den nächsten Wochen einfliegende Schlussrechnung offen.

Nun wurde Ende November der Außenputz aufgetragen. Zu diesem Zeitpunkt und die Tage danach hatten wir nicht über 5 Grad Außentemperatur, nachts zum Teil Minusgrade. Laut Putzhersteller (Alsecco) darf der verwendete Silikatputz nur bis 5 Grad Außentemperatur verarbeitet werden und die Temperatur muss auch in den Tagen danach durchweg über 5 Grad liegen. Ist dies nicht der Fall, kann der Putz nicht richtig abbinden, was zu Schäden bzgl. Festigkeit und Langlebigkeit führen kann.

Einen Tag vor Beginn der Putzarbeiten haben wir an den GU und CC den Subunternehmer eine formlose Bendenkenanzeige wegen des Wetterausblicks formuliert. Hierauf wurde durch den Subunternehmer erwidert, dass man sich keine Sorgen machen bräuchte, er böte von sich aus auch 1 Jahr längere Gewährleistung an.

Die Putzarbeiten wurden durchgeführt, mit dem Ergebnis, dass der Außenputz selbst nach einer Woche noch weich war. Stellenweise ist er "abgerutscht", insbesondere an Fensterbänken. Im Detail siehe Bilder.

Der Subunternehmer, der den Außenputz aufgetragen hat, hat auch kurz vorher (aber erst nach Aufbringen des WDVS und Armierung der Fassade) die Fensterbänke eingebaut - und zwar krumm und schief. Zum Teil scheinen die Fensterbänke auch zu kurz zu sein. Im Mittel stehen sie kaum mehr als 2-3 cm raus. Teilweise auch schief, bspw. eine Seite 1,5 cm, die andere Seite 3 cm. Die unterseitige Tropfrille ist häufig mit der Fassade bündig. Beim Einbau der Fensterbänke wurde auch gesoffen, was mehrere (ca. mittlere zweistellige Zahl) im Nahbereich des Gerüsts verteilte "Kurze" belegen. Schön war auch, dass man unsere zum Teil 3 m langen Fensterbänke einfach mit einer Flex geteilt hat, da sie auskunftsgemäß sonst nicht ins Auto gepasst hätten. Das man die Verbindungsstelle dann hätte abdichten müssen wurde vergessen.

Die Fensterbänke weisen auch keine sichtbare Abdichtung auf. Bei einem WDVS müsste es nach Meinung der Fachverbände ja 2 Dichtungsebenen an Fensterbänken geben. Ich erkenne keine. Auch kommt es mir komisch vor, dass die Fensterbänke in das WDVS reingeschnitten wurden. Die dabei entstandenen unnötig großen Spalte wurden entweder gar nicht oder nur mit Silikon o.ä. ausgespritzt, was selbst nach über 4 Wochen noch nicht ausgehärtet und butterweich ist.

An den Fensterbankkanten sammelt sich fortwährend Wasser, welches stetig die Fassade runterläuft, den Putz weiter aufweicht und zum Teil an der Fassade gefriert bzw. mit dem Putz verfriert. Woher kann dieses Wasser kommen? Innen läuft noch das Estrichprogramm mit entsprechender Hitze. Liegt hier vielleicht ein Indiz für Undichtigkeit im Fensterbereich vor? Die Feuchtigkeit innen wird mit drei Bautrockner konsequent abgeführt (aktuell unter 40 % Luftfeuchte). Die Vermutung mit der Undichtigkeit im Fensterbereich resultiert daraus, dass ich an der am schlimmsten betroffenen Fensterecke innen noch deutlich Restfeuchte nebst einer leichten Ausbeulung des Innenputzes festgestellt habe. Ansonsten ist der Innenputz überall oberflächlich trocken.

Der Haussockel wurde von gleichen Subunternehmer auch nur halbseiden abgeliefert. Hauchdünn aufgekratzter Armierungsputz kann nie im Leben der laut Bauleistungsbeschreibung vereinbarte Dichtungsputz gegen Feuchte sein, da einfach zu dünn und siehe Bilder auch immer feucht (ohne Regen!).


Ausblick:

Wie geht es weiter? Die Mängel wurden angezeigt, bildhaft festgehalten und protokolliert. Sollte man mit solchen Mängeln noch eine Abnahme mit Vorbehalt durchführen, oder die Abnahme ganz verweigern? Wir würden gern Ende Februar einziehen, da meine Frau ab März ihre Anschlussheilbehandlung nach der Chemotherapie hat und danach nicht noch Umzugsstress braucht, der jedwede Erholung wieder zunichtemachen würden. Die etwaige Doppeltbelastung ist auch nicht ohne.

Der Putz ist augenscheinlich rum und in natura auch bröselig, scheckig und einfach schlecht gelungen. Unserer Meinung nach muss der komplett runter und neu gemacht werden. Die Fensterbänke müssten auch raus und neu rein, da zu kurz und zum Teil ohne technische Notwendigkeit mit der Flex zerschnitten. Sorge macht uns insbesondere die Abdichtung und mögliche Schäden am WDVS. Wer weiß was in ein paar Jahren ist.

Wir werden nächste Woche auf eigene Kosten einen öffentlich bestellten Sachverständigen für das Malerhandwerk ins Boot holen und Klarheit über die schwere der Schäden und notwendige Nachbesserungen zu bekommen. Vom GU und unserem Bauleiter erwarten wir aus der Erfahrung heraus wenig bis gar nichts. Wir wollen wir hart bleiben und auf keine Ausbesserungsarbeiten oder Geldgutschriften eingehen. Per jetzt sehen wir nur die Lösung "alles nochmal von vorn". Das würde richtig teuer werden und insbesondere bzgl. der Bezahlung der Schlussrate interessant.

Wir haben vom GU nur eine 5 %ige Fertigstellungsbürgschaft bekommen, die bei dem Mangel wohl nicht für eine komplette Neuausführung reichen würde (und laut Vertragstext auch nur bei schwerwiegenden Mängeln nach Hausübergabe noch behalten werden dürfe). Mit Verweis auf diese Bürgschaft hat er aber schon angedeutet in jedem Fall auf 100 % Zahlung durch uns bei Abnahme zu bestehen, da wir diese Bürgschaft von ihm als Sicherheit haben und man die ja noch erhöhen oder verlängern könnte.

Hinweise, Anmerkungen, Ideen, Vorschläge ... alles willkommen. Ich musste mich mal "auskotzen". Manchmal fühlt man sich echt hilflos und verloren als Bauherr.

Außenwand einer modernen Hausfassade mit Fenster, Erdarbeiten zu sehen


Außenwand mit grober Putzstruktur, schwarze Steinleiste oben, Feuchtigkeitsspuren und Staub am Boden.


Außenwand mit grober Putzstruktur, vertikaler Putzbruch unter dunklem Fensterbrett.


Nahaufnahme einer rauen Sandstein-Säule auf schwarzer Granitplatte; Hintergrund mit Häusern.


Nahaufnahme einer rauen braunen Wand mit weißer Dichtmasse an der Fuge über Steinplatte.


Außenansicht eines grauen Zweistöckhauses mit braunem oberen Bereich, Fenstern und Tür


Weiße raue Wand mit einer aus ihr herausragenden schwarzen Platte und abblätternden Kanten.


Außenwand-Ecke: schwarzer Granit-Schwelle über weißer Putzwand, Dichtungsmasse sichtbar.


Wand mit Feuchtigkeitsschäden und abgeblättertem Putz; staubiger Boden neben einem Fenster.


Außenansicht eines Neubauhauses: dunkle Fensterbank, weißer Sockel, unbefestigtes Erdreich davor.
Hausbau081509.01.21 13:30
Dafür muss man aber auch erstmal einen Anwalt finden, der sich das traut.
11ant09.01.21 13:56
Hausbau0815 schrieb:

Dafür muss man aber auch erstmal einen Anwalt finden, der sich das traut.
Ach, aus einem anderen Gerichtsbezirk wird sich schon einer finden lassen. Ein Verwaltungsrechtler sollte es sein.
https://www.instagram.com/11antgmxde/
https://www.linkedin.com/company/bauen-jetzt/
OWLer09.01.21 15:14
Hemingway84 schrieb:

Sprich die schließt mit der Dachfolie ab und es kann kaum bis keine Luft über den Dachkasten im Kaltfach zirkulieren. Kann das wirklich der alleinige Grund sein?

Letztlich muss ja die Dampfbremse (nicht Sperre) trotzdem multipel undicht sein, dafür sprechen die diversen Feuchtigkeitshotspots.

Bei allem Beileid mit @Hausbau0815 mal zurück zum Thema.

Ich hätte gedacht, dass die Luftfeuchtigkeit am ehesten da kondensiert, wo es kalt ist - bei dir dann wo Luft unterm Dach zirkuliert, oder habe ich da einen Denkfehler?

Mein GU hat uns immer gewarnt, dass das Kaltdach nun genau die bei dir zu sehenden Konsequenzen haben wird. Immer wenn ich durch die bodeneinschubtreppe nach oben gehe, wird im Winter massiv Wasser an den Decken kondensieren. Dampfbremse/Dampfsperre wird bei uns dann im Dach OG sein und die Bodeneinschubtreppe ist abgedichtet. Ist es sowas, oder habe ich das falsch verstanden.

Was sagt den der Blower Door Test? Hat es da denn irgendwo gezogen?
H
Hemingway84
09.01.21 19:54
OWLer schrieb:

Bei allem Beileid mit @Hausbau0815 mal zurück zum Thema.

Ich hätte gedacht, dass die Luftfeuchtigkeit am ehesten da kondensiert, wo es kalt ist - bei dir dann wo Luft unterm Dach zirkuliert, oder habe ich da einen Denkfehler?

Mein GU hat uns immer gewarnt, dass das Kaltdach nun genau die bei dir zu sehenden Konsequenzen haben wird. Immer wenn ich durch die Bodeneinschubtreppe nach oben gehe, wird im Winter massiv Wasser an den Decken kondensieren. Dampfbremse/Dampfsperre wird bei uns dann im Dach OG sein und die Bodeneinschubtreppe ist abgedichtet. Ist es sowas, oder habe ich das falsch verstanden.

Was sagt den der Blower Door Test? Hat es da denn irgendwo gezogen?

Unser Bauüberwacher meint, dass die WDVS-Dämmplatten zu hoch ausgeführt sind (schließen mit der Dachfolie ab). Die hätten eigentlich im Dachkasten aufhören müssen. Der belüftete Dachkasten belüftet gerade nur sich selbst, aber nicht das Kaltdach. Die Feuchte kann einfach nicht weg. Auch empfahl er die Wolle über Dampfbremse zu tauschen, weil die nass nicht mehr ihrer Dämmfunktion gerecht wird und nur eine neue Wärmebrücke entsteht. Ein mit einem Freund befreundeter Dachdecker meinte, dass sie üblicherweise die Unterspannbahn am First anschneiden, so dass kein Feuchtestau entsteht?

Der Blower-Door-Test wurde noch nicht durchgeführt. Scheinbar macht der GU den erst zum Schluss, kurz vor Übergabe. Was natürlich Unfug ist. Ideal wäre wohl nach Einbau Fenster/Haustür und herstellen der Dampfbremse. Per jetzt wird es ja immer aufwendiger Undichtigkeiten nachzuarbeiten. Wir haben den GU zur kurzfristigen Durchführung aufgefordert.

Ansonsten gibt es noch im Raum mit der ersten Wasserblase an der Decke (mittlerweile auch eine weitere in einem anderem Raum), eine Feuchtstelle an der Wand die immer größer wird - siehe Bild. Dahinter ist kein Leitung oder ein Kanal, sondern nur Außenmauerwerk. Die Feuchte vom Dachboden kann eigentlich auch nicht durch, da der Ringanker ja die Porotonsteine abdichtet. Oder ist wandernde Dachfeuchte hinter der Verschalung des Ringankers denkbar, die hinter den Innenputz kriecht?

Weiterhin sind die Fensterdichtbänder im Innenbereich in mehr als der Hälfte der Fälle undicht, oder teilweise gelöst. Zumindest zieht es. Kombiniert mit der nicht abgedichteten Außenfensterbank kommt da nix gutes bei raus. Unser Bauüberwacher meint, dass die Fenster aber mit eingipsen der Innenfensterbänke hinreichend dicht werden würden?

Bin mal gespannt wann jemand vom GU hier aufschlägt um Maßnahmen festzulegen. Wir dürfen ja als Bauherren nicht in den Bauablauf eingreifen, haben aber dem Trockenbauer trotzdem klar gemacht, dass er die Decke zum Dach hin erst mal nicht beplankt. Zumindest solange nicht, bis hier ordentlich abgedichtet wurde und keine Pfützen mehr auftreten.

Ach so, die Lüftungsgitter der innen aufgestellten Wärmepumpe vereisen im Randbereich (wo die Anlage undicht ist) so, dass auch hier der Außenputz in Mitleidenschaft gezogen wird.

Hand mit Ring hält Lineal über helle Oberfläche; braune unregelmäßige Staubspur daneben.


Weißer Metallrahmen über staubigem Boden; blaue Schutzfolie mit Kreismuster liegt am Spalt.


Nahaufnahme einer beschädigten Boden-Wand-Ecke mit bröckelndem Putz, Staub und Baufolie.


Unterkante eines weißen Panels; mittig eingedrückte Delle, staubiger Boden darunter.


Unterer Bereich eines weißen Geräts/Schranks mit Schutzfolie unten und Bauabfällen auf dem Boden.


Weißes Metallgehäuse nahe einer Wand mit bröckelndem Putz und Dämmung, Staub sichtbar.


Baustelle: Putzreste, Staub und Schutt an Eckkante von Wand und Boden.


Zwei Außenlüftungsgitter mit Lamellen in einer verputzten Wandfassade


Außenfensterrahmen aus Metall mit Wassertröpfchen und Eiszapfen am rauen Putz der Wand.


Nahaufnahme eines dunklen Kameraobjektivs mit Staub- und Sandablagerung
11ant09.01.21 20:12
Hemingway84 schrieb:

Ansonsten gibt es noch im Raum mit der ersten Wasserblase an der Decke (mittlerweile auch eine weitere in einem anderem Raum), eine Feuchtstelle an der Wand die immer größer wird - siehe Bild. [...] Weiterhin sind die Fensterdichtbänder im Innenbereich in mehr als der Hälfte der Fälle undicht, oder teilweise gelöst.
Möge es Dir auch nützen, daß Du die Mängel m.E. recht vorbildlich dokumentierst (ibs. die datierte Kontur um den Nässefleck !).
Die nicht fachgerechte Verwendung von Klebebändern mit Markennamen wäre fast schon komisch, wenn es nicht so ein Trauerspiel wäre. Statt "Würth" könnte auf den Klebebändern genauso "nützlich" aber beeindruckend auch "Calvin Klein" oder "Veuve Cliquot" stehen :-(
https://www.instagram.com/11antgmxde/
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Wolkensieben10.01.21 14:54
Hemingway84 schrieb:

Der Blower-Door-Test wurde noch nicht durchgeführt. Scheinbar macht der GU den erst zum Schluss, kurz vor Übergabe. Was natürlich Unfug ist. Ideal wäre wohl nach Einbau Fenster/Haustür und herstellen der Dampfbremse. Per jetzt wird es ja immer aufwendiger Undichtigkeiten nachzuarbeiten. Wir haben den GU zur kurzfristigen Durchführung aufgefordert.
Das tut mir so leid für euch, das ist ein Trauerspiel. Sogar Du als Laie weisst, wann er gemacht werden sollte.
blower-door-testkaltdachdampfbremsebodeneinschubtreppebauüberwacherdachkastenfeuchtefensterundicht