ᐅ Lohnen sich zwei Trittschallunterlagen?
Erstellt am: 22.12.2023 23:07
netzplan 22.12.2023 23:07
Hallo zusammen,
wir haben lange überlegt, ob wir in unserem Mehrfamilienhaus die Wohnungen in Vinyl oder Fliesen ausstatten. Im EG wohnen wir selber. OG ü DG wird vermietet. Es ist ein neuer Dünnbettestrich mit Fußbodenheizung eingebaut worden. Unter dem Estrich ist Mineralwolle.
Unser Nachbar hat mit Fliesen in den oberen Etagen schlechte Erfahrungen bzgl. Trittschall, daher sind wir mit Fliesen etwas skeptisch. Daher werden wir das DG mal mit Vinly verlegen. Das Klick-Vinyl, die wir im Auge haben, hat bereits Trittschall integriert. (Schwarze Gummierung im Untergrund). Bringt es eigentlich etwas, wenn man unter dem Klick-Vinyl eine zweite Trittschallunterlage einbaut? Es sei eine Variante für dieses Vinyl erlaubt, laut Verkäufer mit einer Dicke von 1,8mm. (ca. 3,9€ pro m²)
1. Taugen die Dinger etwas oder wären 2 Lagen kontraproduktiv?
2. In den Bädern sind Fliesen geplant. Hier habe ich von Entkopplungsmatten gelesen, die auch Trittschalleigenschaften mit sich bringen (wohl bis zu 17 oder 18db). Hat jemand Erfahrung mit sowas oder wäre das eher rausgeschmissenes Geld. (ca. 9-11€/m²)
Viele Grüße
wir haben lange überlegt, ob wir in unserem Mehrfamilienhaus die Wohnungen in Vinyl oder Fliesen ausstatten. Im EG wohnen wir selber. OG ü DG wird vermietet. Es ist ein neuer Dünnbettestrich mit Fußbodenheizung eingebaut worden. Unter dem Estrich ist Mineralwolle.
Unser Nachbar hat mit Fliesen in den oberen Etagen schlechte Erfahrungen bzgl. Trittschall, daher sind wir mit Fliesen etwas skeptisch. Daher werden wir das DG mal mit Vinly verlegen. Das Klick-Vinyl, die wir im Auge haben, hat bereits Trittschall integriert. (Schwarze Gummierung im Untergrund). Bringt es eigentlich etwas, wenn man unter dem Klick-Vinyl eine zweite Trittschallunterlage einbaut? Es sei eine Variante für dieses Vinyl erlaubt, laut Verkäufer mit einer Dicke von 1,8mm. (ca. 3,9€ pro m²)
1. Taugen die Dinger etwas oder wären 2 Lagen kontraproduktiv?
2. In den Bädern sind Fliesen geplant. Hier habe ich von Entkopplungsmatten gelesen, die auch Trittschalleigenschaften mit sich bringen (wohl bis zu 17 oder 18db). Hat jemand Erfahrung mit sowas oder wäre das eher rausgeschmissenes Geld. (ca. 9-11€/m²)
Viele Grüße
KlaRa 23.12.2023 10:27
Hallo "Netzplan".
Ich persönlich empfinde es als positiv, wenn sich jemand im Vorfeld einer von ihm angedachten Ausführung eines Bodenbelagsaufbaus über die Vor- und ggf. auch Nachteile seiner Absicht informiert.
Zu Deinen Fragen ganz klar die Antworten:
Ein 2-lagiger Aufbau der sogenannten "Trittschallfolie" ist auf jeden Fall kontraproduktiv.
Warum?
Nun, die Passungen der Verriegelungen sind heutzutage sehr filigran ausgebildet. Sie halten (hier gibt es tatsächlich keine Normen für die notwendige Zugfestigkeit), und damit erfüllen sie ihren Zweck.
Bringst Du noch eine weitere duktile Schicht unter die Fußbodenelemente, ergeben sich sehr wahrscheinlich Biegemomente zwischen den Elementen, damit den Kanten, welche sich zwangsläufig ungünstig auf die Verriegelung auswirken.
Das heißt im "Fall der Fälle": es ergeben sich überall Fugen zwischen den Elementkanten, weil sich die Verriegelungen an den Seiten öffneten.
----------
Zu Deiner zweiten Frage:
Die Aufgabe von Entkoppelungsmatten liegt darin, eine kritische Estrichoberfläche in einen halbwegs stabilen Zustand überführen zu können, so dass sich die durch einen Bodenleger/Fliesenleger aufgebrachten Schichten bzw. deren Spannungen nicht auf die Estrichoberfläche auswirken können.
Mit Schallschutz hat das also nichts zu tun!
Schallschutz, der diese Bezeichnung verdient, liegt immer unterhalb eines Estrichs (das ergibt sich zwangsläufig auch aus der Prüfvorschrift für Trittschallmessungen, deren Prüfaufbau immer eine Betondecke als Auflage berücksichtigt).
-----------------------------
Viel Erfolg bei den weiteren Planungen: KlaRa
Ich persönlich empfinde es als positiv, wenn sich jemand im Vorfeld einer von ihm angedachten Ausführung eines Bodenbelagsaufbaus über die Vor- und ggf. auch Nachteile seiner Absicht informiert.
Zu Deinen Fragen ganz klar die Antworten:
Ein 2-lagiger Aufbau der sogenannten "Trittschallfolie" ist auf jeden Fall kontraproduktiv.
Warum?
Nun, die Passungen der Verriegelungen sind heutzutage sehr filigran ausgebildet. Sie halten (hier gibt es tatsächlich keine Normen für die notwendige Zugfestigkeit), und damit erfüllen sie ihren Zweck.
Bringst Du noch eine weitere duktile Schicht unter die Fußbodenelemente, ergeben sich sehr wahrscheinlich Biegemomente zwischen den Elementen, damit den Kanten, welche sich zwangsläufig ungünstig auf die Verriegelung auswirken.
Das heißt im "Fall der Fälle": es ergeben sich überall Fugen zwischen den Elementkanten, weil sich die Verriegelungen an den Seiten öffneten.
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Zu Deiner zweiten Frage:
Die Aufgabe von Entkoppelungsmatten liegt darin, eine kritische Estrichoberfläche in einen halbwegs stabilen Zustand überführen zu können, so dass sich die durch einen Bodenleger/Fliesenleger aufgebrachten Schichten bzw. deren Spannungen nicht auf die Estrichoberfläche auswirken können.
Mit Schallschutz hat das also nichts zu tun!
Schallschutz, der diese Bezeichnung verdient, liegt immer unterhalb eines Estrichs (das ergibt sich zwangsläufig auch aus der Prüfvorschrift für Trittschallmessungen, deren Prüfaufbau immer eine Betondecke als Auflage berücksichtigt).
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Viel Erfolg bei den weiteren Planungen: KlaRa
i_b_n_a_n 23.12.2023 18:56
Ich habe im OG auf einer Massivholzdecke eine Schallschutzschüttung ausbringen lassen und bin mit der Wirkung sehr zufrieden
-> Köhnke Splittschüttung 5-8mm mit Bindemittel K102 ca. 80mm Dicke.
70m² haben im April 2021 ca. 2200€ gekostet. Das Bindemittel K102 (ähnliche klebriges Gummi/Kautschuk) macht aus dem losen Split eine zähelastische Platte.
-> Köhnke Splittschüttung 5-8mm mit Bindemittel K102 ca. 80mm Dicke.
70m² haben im April 2021 ca. 2200€ gekostet. Das Bindemittel K102 (ähnliche klebriges Gummi/Kautschuk) macht aus dem losen Split eine zähelastische Platte.
netzplan 25.12.2023 10:36
KlaRa schrieb:
Ein 2-lagiger Aufbau der sogenannten "Trittschallfolie" ist auf jeden Fall kontraproduktiv.Vielen Dank für die sehr ausführliche Hilfestellung. Kontraproduktiv wäre das dann eher Richtung "Fugen" zwischen dem Vinyl, aber nicht hinsichtlich Trittschall? Hier wäre evtl. eine weitere Verbesserung bei doppeltem Trittschall zu erwarten? Es gibt ja Beispiel den "b!design Dämmunterlage Silent Underlay Profi", der speziell wohl für Vinyl-/SPC-/Rigidböden entwickelt sei. Ich lese aber gerade "Nicht für Vinylböden mit integriertem Trittschall geeignet". KlaRa schrieb:
Mit Schallschutz hat das also nichts zu tun!Ich habe zum Beispiel folgende Produkte gefunden:PCI POLYSILENT PLUS - 16dB - (55€/m²)
Schlüter-DITRA-SOUND - 13dB - (21€/m²)
Sopro TEB 664 - 17dB - (19€/m²)
Dural DURABASE SW14 - 14dB - (13€/m²)
Hier wird explizit Trittschall erwähnt. Irgendwie kann ich mir das nicht ganz vorstellen, wie das funktionieren soll, wenn man die Entkopplungsmatte mit Mörtel oder Kleber verklebt.
i_b_n_a_n schrieb:
Ich habe im OG auf einer Massivholzdecke eine Schallschutzschüttung ausbringen lassen und bin mit der Wirkung sehr zufriedenGut. Unter dem Estrich haben wir auch Mineralwolle und gebundene Schüttung. Die Mineralwolle ist leider nur 2-3cm. Die Schüttung darunter (Thermobound EPS-Granulat) je nach Stockwerk zwischen 0-7cm. Auf der Verpackung stand bei "besondere Vorteile = schalldämmend, aber keine Angaben hierzu. KlaRa 25.12.2023 17:56
netzplan schrieb:
Kontraproduktiv wäre das dann eher Richtung "Fugen" zwischen dem Vinyl, aber nicht hinsichtlich Trittschall?Bitte genau lesen, was ich schrieb!Wir reden hier von einem eventuellen Totalschaden, wenn die Verriegelungen aufgrund Duktilität des Verlegeuntergrundes (doppelte Folienlage) versagen.
Diese ganzen Folie, welche eine Reduzierung des Trittschalls versprechen, können nicht das halten, was eine Dämmung unterhalb eines mindestens 45mm dicken, mineralischen Estrichs als schwimmende Konstruktion leisten kann.
Diese ganzen Folien sind eher ein "Knirschschutz" bei dünnschichtigen Fußbodenelementen (wie z.B. Laminat-Fußbodenelemente), wenn sich auf der Estrichoberfläche noch Sandkörnchen befanden.
SCHALLSCHUTZ ist wesentlich komplexer, als der Laie vermutet. Er besteht aus Körper, Luft- und Raumschall.
Das Einzige, wogegen derartige "Trittschallfolien" bedingt eingesetzt werden können, das ist das "Klacker-Geräusch", welches beim Begehen bei lose verlegten Laminat-Fußbodenelementen entsteht.
Mit "Schallschutz im Wohnungsbau" hat das alles aber nichts zu tun.
Es bleibt also beim Verbraucher, selbst zu entscheiden, was er glaubt und letztendlich kauft/einbaut; die Fachleute können hierzu nur ihre Hinweise geben.
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Gruß: KlaRa
netzplan 28.12.2023 21:04
KlaRa schrieb:
Diese ganzen Folie, welche eine Reduzierung des Trittschalls versprechen, können nicht das halten, was eine Dämmung unterhalb eines mindestens 45mm dicken, mineralischen Estrichs als schwimmende Konstruktion leisten kann.Hallo Klara, ja das stimmt. Ich würde daher auf eine zweite Lage dann verzichten. Es geht ja "nur" um Trittschall, daher eine unabhängige Frage: Was Trittschall betrifft, wäre es ja sicherlich ein großer Unterschied, ob man Vinly mit integriertem Trittschall nimmt oder direkt den Estrich verfliest.
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