Wie wägt man korrekt zwischen GEG und KfW 55, 40 und 40 Plus ab?

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Hi zusammen,

wir planen gerade unser EFH und bekommen hier je nach Hausanbieter unterschiedliche Empfehlungen zum Bau mit oder ohne Erreichung gewisser KfW Standards. Geplant ist ein Massivbau.

Gerne würden wir die Vor- und Nachteile noch einmal unabhängig überprüfen und fragen uns, welche Punkte bei hierbei zu berücksichtigen sind. Aus unserer Sicht gibt es die folgenden:
  1. Finanzielle Überlegungen
    - Tilgungszuschuss für KfW55 ist in der Regel ähnlich hoch wie Mehrkosten im Bau, sodass dies mehr oder weniger Kosten
    - Energieeffizientes Bauen spart auf Dauer Heizkosten, sodass es langfristig günstiger sein sollte Energieeffizient zu bauen
    - KfW Darlehen hat aktuell keine große Relevanz, da man von Banken ähnliche oder sogar bessere Konditionen erhält

  2. Wohnklima
    - Zu starke Isolierung schadet dem Raumklima (Wir kennen es nur von Freunden, wissen aber nicht, ob dies immer so ist)

  3. Grundstücksausnutzung
    -Durch Wärmeverbundsystem lässt sich KfW55 durch dünnere Wände erzielen, was auf unserem schmalen Grundstück ca. 10qm mehr Wohnfläche ermöglichen würde.

  4. Werthaltigkeit
    - Gibt es hierzu schon Erfahrungswerte was wie Werthaltigkeit der unterschiedlichen Bauweisen angeht?
Ich bedanke mich für eure Einschätzung.
 
Die zusätzlichen Maßnahmen zur Dämmung werden sich zu deiner Lebzeit nicht amortisieren.
Wenn du nur nach ENEV baust bist du freier und hast weniger Auflagen.
Bei einem modernen Bau nach ENEV erreicht man meist KFW55. Halt ohne „Zertifikat“.

Vergesse das Thema „atmende Wände“. Wohnklima hat mit dem Energiestandard des Hauses gar nichts zu tun.
Alle modernen Häuser sind so dicht dass man eine Belüftung benötig. Am besten eine zentrale KWL.

Da Grund und Boden nicht mehr wird, werden auch die Preise weiter steigen bzw. nicht langfristig sinken.
Schau mal was alles gerade verkauft wird. Im schlimmsten Fall geht es nur um den Boden.
Häuser können auch saniert werden...

Falls dein Budget riesig ist und du „greenwashing“ betreiben willst baue nach KFW40+.
Willst du flexibler sein und musst rechnen, baue nach ENEV (war vor ein paar Jahren noch ein KFW Standard).
Wenn es kostenneutral ist kannst du auch KFW55 bauen.
 
Die zusätzlichen Maßnahmen zur Dämmung werden sich zu deiner Lebzeit nicht amortisieren.
Wenn du nur nach ENEV baust bist du freier und hast weniger Auflagen.
Bei einem modernen Bau nach ENEV erreicht man meist KFW55. Halt ohne „Zertifikat“.
Dann würde ich aber auch die Kfw-Förderung mitnehmen und es nicht ohne "Zertifikat" machen. Machen wir auch so. Das Haus erreicht ohne zusätzliche Maßnahmen Kfw55, nur die Heizung müssen wir ändern gegenüber der einfachsten Variante. Kostet weit weniger als es Förderung gibt. Also warum die nicht mitnehmen, ist am Ende ein fünfstelliger Betrag.
 
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Finanzielle Überlegungen
- Tilgungszuschuss für KfW55 ist in der Regel ähnlich hoch wie Mehrkosten im Bau, sodass dies mehr oder weniger Kosten
- Energieeffizientes Bauen spart auf Dauer Heizkosten, sodass es langfristig günstiger sein sollte Energieeffizient zu bauen
- KfW Darlehen hat aktuell keine große Relevanz, da man von Banken ähnliche oder sogar bessere Konditionen erhält
KfW-Tilgungszuschuss sollte deutlich höher als Mehrinvestment sein, da KfW 75 schon Standard ist. Große Mehreinsparungen bei der Heizung wirst Du nicht bekommen. Der Verbrauch wird etwa zu 60% von Nutzer, zu 30% von der korrekten Heizungsplanung und zu 10% vom Energiestandard ab. Zwischen 40 und 75 spielt der Energiestandard schon eine größere Rolle, ist aber trotzdem relativ klein.
Wohnklima
- Zu starke Isolierung schadet dem Raumklima (Wir kennen es nur von Freunden, wissen aber nicht, ob dies immer so ist)
Da hat mit Isolierung nichts zu tun. Neue Häuser müssen luftdicht gebaut werden. Egal ob mit Dämmung oder ohne (monolithisch). Raumklima hat auch etwas mit Lüftung zu tun - KWL oder Handlüftung (wenn man denn tatsächlich immer per Hand lüftet!!!).
Grundstücksausnutzung
-Durch Wärmeverbundsystem lässt sich KfW55 durch dünnere Wände erzielen, was auf unserem schmalen Grundstück ca. 10qm mehr Wohnfläche ermöglichen würde.
10qm? Das wage ich zu bezweifeln, dass Du korrekt gerechnet hast. Was für einen Aufbau vergleichst Du denn?
Werthaltigkeit
- Gibt es hierzu schon Erfahrungswerte was wie Werthaltigkeit der unterschiedlichen Bauweisen angeht?
Nur aus der Vergangenheit bezogen. Da ist ein Unterschied vorhanden, aber kein wesentlicher Grund, heute nur deshalb Geld zu verbrennen.

Standard ist inzwischen KfW 55. Schlechter bauen lohnt sich nicht, da man i.d.R. kein Geld spart.
 
- KfW Darlehen hat aktuell keine große Relevanz, da man von Banken ähnliche oder sogar bessere Konditionen erhält
Ab Juli gibt es die Förderung auch als Zuschussvariante. Das ist für alle interessant die keine Kredit wollen.

Grundstücksausnutzung
-Durch Wärmeverbundsystem lässt sich KfW55 durch dünnere Wände erzielen, was auf unserem schmalen Grundstück ca. 10qm mehr Wohnfläche ermöglichen würde.
Das würde mich jetzt sehr wundern. Gehen wir von einem 10x10m Haus aus, dann wäre der Unterschied im Bereich von ca 25cm Wanddicke. Das sollte nicht sein, realistisch wären eher 5cm bei vergleichbaren Systemen. Die andere Frage ist ob du das komplette Baufenster auf deinem Grundstück ausreizen musst oder ob dich die paar Zentimeter mehr außen gar nicht stören

Ein wichtiger Punkt bei den Standards ist was du als gesetzt betrachtest. Würdest du z.B. immer eine Photovoltaik aufs Dach bauen (auch ohne Förderung) dann sieht die Rechnung für die tatsächlichen Mehrkosten ganz anders aus. Überleg dir also was du ohne Förderung bauen würdest, lass dir dann geben was der Aufpreis wäre und entscheide dann ob sich ein bestimmter Standard lohnt. Argumente dafür und dagegen kritisch abwägen.
 
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