Steigen die Bauzinsen gerade?

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Ich war ja vor 2 Jahren davon überzeugt das es wie bei der Eigenheimzulage damals, nach auslaufen des Baukindergelds jetzt einen leichte Delle in der Nachfrage geben wird.

Tja...wir waren ja auch immer der Meinung das jeder Essen muss und die Gastro krisensicher wäre.

Echt? Ich fand es schon immer übertrieben wieviele Restaurants und Imbisse es überall gab.

Die Baumaterialpreise machen mir mehr Gedanken als der schwankende Zins.
 
Das kann ich für mein Baugebiet nicht bestätigen. Hier sind gefühlt 20% Normalverdiener (keine Akademiker), 70% Gutverdiener (1 Akademiker oder Selbstständige) und 10% Sehr Gutverdiener (2 Akademiker ohne Kinder).
Die Normalverdiener konnten dann mit hoher Wahrscheinlichkeit nur bauen, weil es eine Finanzspritze aus der Familie gab (Erbe, Schenkung) oder weil massive EL ins Haus geflossen sind, da Handwerker aller möglichen Gewerke im familiären Hintergrund/Freundeskreis.

Hier bei uns im Mainzer Umland bauen Normalverdiener jedenfalls kein Haus mehr, schon gar nicht in Neubaugebieten, in denen der Quadratmeter sogar >40km weit draußen schon 320€ kosten soll. Pro 10km näher zur Stadt kann man dann mit etwa 50% Preissteigerung rechnen. Da strampeln selbst "Akademiker", wenn der Partner nicht auch mindestens überdurchschnittlich gut verdient. Sobald ein Teil die Arbeitszeit dann aber aufgrund von Nachwuchs reduzieren möchte, benötigt es quasi schon wieder 2 deutlich überdurchschnittliche Gehälter, sprich i.d.R. 2 "Akademikergehälter".

Man muss sich in solchen Regionen wie der unseren einfach damit abfinden. Entweder geht man an die absolute finanzielle Schmerzgrenze mit haarsträubenden Finanzierungskonstrukten und tilgt mit etwas mehr 2% bis der Deckel irgendwann zugeht oder, die meiner Meinung nach vernünftigere Option, man begräbt den Traum vom freistehenden Einfamilienhaus.
 
Das ist schon eine sehr besorgniserregende Entwicklung, die doch sicherlich auch in den nächsten Jahren eine Bereinigung der Anzahl der Hausbaufirmen nach sich ziehen wird. Die Margen können ja logischerweise nicht im gleichen Maße wie die Baustoffpreise steigen.

Selbst wir als 2 Akademiker noch ohne Kinder und einem Grundstückspreis von 100€/qm Schlucken heftig mit dem Blick auf Gesamtbausumme und monatliche Annuität.
 
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Ich will die Mär von Zusammenhängen Zuwanderung/Immopreise nicht glauben. Diese Geschichte wird gern erzählt, belastbare Zahlen dazu habe ich noch keine gesehen.
@HausiKlausi: Steigende Nachfrage- meinetwegen auch durch Spekulanten- erzeugt in der Marktwirtschaft steigende Preise; ist eigentlich ganz simpel. Falls netto mehr Leute herkommen als weggehen... Aber hast schon Recht; ich habe da auch keine exakten Zahlen. Beim Aktienkauf geht es allerdings auch nicht immer nur um belastbare Zahlen; Börse ist zu 90 % Psychologie (der Massen). Wir werden sehen...
 
Diese „Normalverdiener“-Diskussion haben wir doch alle paar Monate.

Wer ist denn eigentlich ein Normalverdiener?

Arbeiter/Habdwerker?

Und konnte der Normalverdiener in den 70er und 80er wirklich ein EFH bauen? Ist der zu einer Fertighaus-Firma wie heute gegangen und hat „Schlüsselfertig“ bestellt?

Oder war es vielleicht der Zimmermann (ersetze Zimmermann gerne durch jeden anderen Habdwerker) der mithilfe seiner Kollegen und seines die Jahre zuvor verdienten Schwarzgeldes die Butze über drei Jahre hinweg in den Garten der Eltern gestellt hat ( auch damals schon)?

Oder der IGMetall-Arbeiter der mit 15 Ausbildung gemacht hat und mit 30 schon über 10 Jahre Überstunden ausbezahlt bekommen hat, Nachtschicht/Sonntagszuschlag, 1-2mal im Jahr auf Montage war und Auslöse angespart hat?

Ich sehe bei uns in der Region die Mär vom Normalverdiener der sich ein EFH früher neu gebaut hat nicht.
Ich rede nicht von altes Häuschen gekauft und saniert. Das gab es oft.
Aber freistehendes EFH neu gebaut? Kenne ich nicht von der Normalverdienerklasse.
Und ich bin in den 80er aufgewachsen. Ich kenne da Massenhaft Beispiele. Schule/Vereine etc. Die Freunde deren Eltern ein neues EFH hatten waren, obige Sonderfälle oder eben Beamte, Ingenieure usw.
Mag daran liegen, dass im 50km Speckgürtel von Stuttgart vielleicht schon immer etwas anders war als in anderen Regionen.
 
[..] Börse ist zu 90 % Psychologie (der Massen). Wir werden sehen...
Exakt das ist es. Hier ist ja plötzlich auch Stahl ein Erdöl-Produkt. Und der Ölpreis sehr weit weg von dem Niveau der vergangenen Jahre. ;)

Trotzdem sind die Preisexplosionen natürlich real. Mal liest man von einem Bauboom in den USA, dann vom starken Winter eben dort, und dem Brachliegen der dortigen Holzproduktion. Kurz - keiner weiß es so genau.
Von der Lieferketten-Disruption durch Corona und jetzt noch den Suez-Kanal mal ganz zu schweigen. Das System "zerschaukelt" sich an immer mehr Enden.

Die Folgen sind sehr klar - die Unsicherheit steigt massiv, und ebenso die Preise. Auch für Geld bei Krediten und der Freigiebigkeit der Banken. Da wird gerade reihenweise schwarze Schwäne sammeln, wird der weitere Blasenverlauf sehr spannend sein.
 
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