Steigen die Bauzinsen gerade und warum?

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Da fragt man sich schon, warum z.B. Berliner krampfhaft in Berlin wohnen bleiben wollen.
Naja, ich kann das schon verstehen. Wir sind von Kassel-Innenstadt 15 km raus aufs Dorf gezogen und spüren schon, dass uns die städtische Vielfalt manchmal fehlt. Wo wir vorher bei Lieferando und Co. dutzende Lieferdienste aller Couleur zur Auswahl hatten, sind es jetzt noch zwei oder drei. Dieses Spontane geht einfach verloren. Wir müssen morgens schon überlegen, ob wir abends eventuell Lust auf Sushi oder indisch haben, das müsste ich dann nach der Arbeit mitbringen und hoffen, dass es zuhause angekommen noch nicht zu kalt/warm geworden ist.
Wen das und andere Dinge des Dorflebens nicht stören und einfach nur seine Ruhe haben will, der macht mit der Wohnung für 5 Euro Kaltmiete/qm im Erzgebirge aber nichts verkehrt. Die Metropolenpreise würde ich nur noch bezahlen, wenn ich das größere Angebot auch wirklich nutze. Im Pyjama vor Netflix versauern kann ich dank Glasfaser inzwischen auch in Schnarchhausen, dafür muss ich nicht im Prenzlauer Berg wohnen.
 
Im Pyjama vor Netflix versauern kann ich dank Glasfaser inzwischen auch in Schnarchhausen, dafür muss ich nicht im Prenzlauer Berg wohnen.
Auch, wenn du es so sicher nicht gemeint hast: Freizeitaktivitäten jenseits von Netflix bietet auch die Natur dort, wo es dörflicher ist. Oder Vereine. Hobbys. Tiere.
Es ist halt eine weniger konsumorientierte, mehr aktivitätsorientierte Freizeitgestaltung nötig.
 
Wenn die Lockdowns endlich ein ende finden werden wir eine Wirtschaft finden die in teilen ihre Produktion und Kapazitäten runtergefahren hat. Ihr gegenüber stehen Konsumsüchtige Menschen die ihr geld los werden wollen. Das wird auf breiter Front die Preise anziehen lassen auch beim Bauen.
Meine Glaskugel sagt, dass wir in eine kräftige Inflation rutschen werden. Die EZB wird an dem Punkt kommen die Anleihenkäufe die aktuell laufen einzustellen und die Zinsen in schnellen kleinen Schritten steigen zu lassen und die Staaten an den Rand des Ruins zu treiben oder eben die Inflation galoppieren zu lassen.
Man sollte auch einen Blick auf die Zinssituation in Übersee sich anzuschauen. Die USA zahlen mittlerweile auf ihre 10 jahres bonds 1,65%
Warum sollten Kapitalgeber Deutschland Geld schenken wenn sie uns finanzieren? Das kann man noch verargumentieren wenn wir stabiler wären als die USA als sicherer hafen aber ganz sicher wird das nicht mehr passieren , wenn wir uns wirtschaftlich destabilisieren(Rot-Rot-Grün im September).
Da werden EU-Staaten und ggf das verwöhnte Deutschland auch ein böses refinanzierungswunder erleben.
Konkret sollte man schauen einen gesunden mix aus Schulden und Sachwerten zu halten. Der eindeutige Verlierer der Zukunft wird der Sparer sein.
Wow. Interessantes Szenario, das ich so noch nicht auf dem Schirm hatte.

Die Verlierer werden in diesem Szenario aber auch bzw. insbesondere die sein, deren Zinsbindung in den nä. 10 Jahren ausläuft.

Denn eine Inflation um die 2% ist das höchste und wichtigste Ziel der EZB. Zur Not auch auf Kosten von Staatspleiten und letztlich der Opfergabe „Euro“.
 
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Auch, wenn du es so sicher nicht gemeint hast: Freizeitaktivitäten jenseits von Netflix bietet auch die Natur dort, wo es dörflicher ist. Oder Vereine. Hobbys. Tiere.
Es ist halt eine weniger konsumorientierte, mehr aktivitätsorientierte Freizeitgestaltung nötig.
Wir hatten mal eine Mietwohnung mitten in der Innenstadt. Schön war, dass man mit ein paar Schritten überall war, egal ob Restaurant oder eben der fehlende Liter Milch nach Feierabend. Jetzt ist es eher eine Gegend, die dünn besiedelt ist mit viel Grün, aber guter Verkehrsanbindung. Was fehlt uns? Gar nichts. Wir sind auch früher in der Freizeit gerne raus in die Natur. Das haben wir jetzt fußläufig. Statt Restaurant wird lieber mal was aufwändiges auf dem Grill gemacht. Dank großem Garten verbringe ich gerne mehr Zeit zu Hause und bei großer Hitze bin ich halt eher im Garten, statt am Badesee.
 
Ich frage mich halt wie das nach der Corona Geschichte mit dem Besuch von Freunden ist.
Ich habe in meinem Freundeskreis zwei die richtig in den Speckrand gezogen sind und bei beiden schon lange vor Corona.
Die habe ich definitiv nicht mehr so oft besucht wie vorher. Auch umgekehrt bleiben die viel seltener spontan mal auf nen Bier in der Stadt etc.
Mein bester Freund ist auch schon ganz traurig, dass ich etwas rausziehe (wobei ich ja immerhin noch in der Stadt bin).
Das Ding ist ja auch in Berlin ist es durchaus üblich das viele im Bekanntenkreis kein Auto haben und dann schwieriger raus und wieder zurückkommen. Insbesondere spät abends.
Wenn man nen größeres Treffen plant kann man ja cuh nur begrenzt Übernachtungsgäste aufnehmen.
Das sind alles Sachen, die mit der Stadtwohnung halt wesentlich einfacher und spontaner möglich sind.
 
Wow. Interessantes Szenario, das ich so noch nicht auf dem Schirm hatte.

Die Verlierer werden in diesem Szenario aber auch bzw. insbesondere die sein, deren Zinsbindung in den nä. 10 Jahren ausläuft.

Denn eine Inflation um die 2% ist das höchste und wichtigste Ziel der EZB. Zur Not auch auf Kosten von Staatspleiten und letztlich der Opfergabe „Euro“.
Ja, und all die Akteure, die zu Höchstpreisen noch eine Immobilie gekauft haben, gerade im Modell "Ich vermiete mich reich - you tube style".
Denn es steht in diesen Überlegungen mitnichten fest, dass Gehälter und Immobilienwerte entsprechend mitlaufen werden. Ganz im Gegenteil, die Immobilien haben dann ggfls. einfach den Preisanstieg vorweggenommen.

Ich frage mich halt wie das nach der Corona Geschichte mit dem Besuch von Freunden ist.
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Das sind alles Sachen, die mit der Stadtwohnung halt wesentlich einfacher und spontaner möglich sind.
Ist wohl einfach der Lauf der Dinge. WENN man Transaktionskosten von Immobilien minimieren minimierte, gäbe es zumindest Hoffnung auf mehr lebensabschittgerechtes Wohnen, also mit Kindern raus, in jungen Jahren und im frühen Alter wieder rein in die Stadt; zur Pflege dann wieder raus. Täte dem Markt und der Gesellschaft gut, etwas mehr Mobilität zu ermöglichen.

Ich denke für ist es immernoch besser als sein Erspartes der Inflation zu überlassen. Deutschland investiert nicht in Aktien sondern in Beton. Und bevor ich meine 300k Kapital verliere kaufe ich mir lieber eine überteuerte Immobilie und erziele zumindest Mieten ein leben lang oder habe ich da was übersehen?
Du gibt dann deine 300.000€ für etwas aus, was letztes Jahr noch für 270.000€ zu bekommen war. Gebaut vor 5 Jahren für 200.000€. Du kaufst etwas, was schon 5 Jahre alt ist, für 50% mehr Geld. Klingt das gut?
Inflation haben wir eher nicht, kommt sicher. Aber Minuszinsen sind aktuell immer das Argument.

Gekauft - jetzt kannst du Mieten erzielen. Die Frage ist, zu welcher Höhe? Real wird die Miete in den 5 Jahren keine 50% angestiegen sein. Du liegst heute bei 35-40 Jahresmieten, bis die Immobilie ihren Kaufpreis (ohne Inflation) wieder rein geholt hat. Risiko, dass der Wert einbricht, lassen wir außen vor, du musst nicht Verkaufen. Da gäbe es dann so Sachen wie in 10 Jahren verkaufen müssen, und nur 190.000€ erlösen.

Wenn du noch Fremdkapital mit aufnehmen musst, wird es noch interessanter, da du nicht groß tilgst und in 10 Jahren einen Anschluss finanzieren musst. Es kann dann sein, dass die notwendigen Raten bei höheren ZInsen durch die erzielbare Miete nicht erreichbar ist. Bei minimalen EK und 1% Tilgung geht heute vieles, was früher niemals ging.
 
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