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Neubau EFH 2011 - welche Heizung?

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Nachdem wir mit unseren Bemühungen für einen Bauplatz weiter gekommen sind, stehen wir nun vor dem Problem der Wahl der richtigen Heizungsart. Der Vertreter der Fa. Ambiente Massivhaus meinte, erst wenn Grundstück und Haus feststehen, wird er eine Heizflächenberechnung und Heizbedarfsberechnung (oder wie das heißt) durchführen. Eine Fußbodenheizung wird auf jeden Fall eingebaut.
Er empfiehlt eine Luft-Wärmepumpenanlage mit Direktverdampfer. In dem Wohngebiet wurde mit Erdgas erschlossen.

Nun meine Frage: wenn ich das hier alles so lese, dann gibt es keinen triftigen Grund, eine Luft-WP zu installieren. Sehr geringe Leistung im Winter (vielleicht kommt die Erderwärmung ja noch), schlechte JAZ im Vergleich zu Flächenkollektoren und Sonden, und hohe Geräuschentwicklung wegen des massiven Luftumschlages. Dazu hohe Stromkosten im Winter durch Zusatzheizer/Heizstab. Da wären die o.g. Alternativen besser. Nur kostet so eine WP mit Flächenkollektoren auch deutlich mehr, schon wegen der Erdarbeiten. Unser Haus wird eine Wohnfläche von ca. 125-130 m2 haben (1,5 Geschosse), also bräuchte man ca. 260m2 Fläche. Diese wäre auf dem Grundstück vorhanden. Was würde denn so etwas pi x Daumen kosten? Also Tiefbauer/Erdarbeiten usw.

Darüber hinaus überlege ich mir, mit Gas zu heizen, also eine Gas-Brennwerttherme einzubauen. Dazu Warmwasseraufbereitung auf dem Dach. Das wäre erst einmal recht günstig. Da die Häuser heute alle recht gedämmt sind (EnEV2009), eine Brennwerttherme sehr sparsam heizen kann im Vergleich zu älteren Anlagen, sollten sich die Heizkosten doch in Grenzen halten oder? Ich meine, Warmwasser wird in 3/4 des Jahres durch die Sonne erhitzt und braucht somit kein Gas, das Haus ist gut gedämmt und der Brenner sparsam...3 Faktoren dafür. Oder irre ich mich da komplett?

In 10 Jahren oder später könnte man dann immer noch vom Gas auf was auch immer wechseln.
 
Hallo,
...Der Vertreter der Fa. Ambiente Massivhaus meinte, erst wenn Grundstück und Haus feststehen, wird er eine Heizflächenberechnung und Heizbedarfsberechnung (oder wie das heißt) durchführen.
Immerhin löblich das er dies vor hat. Das Ergebnis würde ich gern mal überprüfen. ;)
...
Er empfiehlt eine Luft-Wärmepumpenanlage mit Direktverdampfer. In dem Wohngebiet wurde mit Erdgas erschlossen.
Wie kann er das empfehlen, wo doch die notwendigen Parameter hierzu noch nicht berechnet wurden.;)
Na ja, eben ein Verkäufer!
...Da wären die o.g. Alternativen besser.
Glauben, Vermuten und Schätzen ist so eine Sache. Auf dieser Grundlage würde ich keine erhebliche Investition tätigen!
... Nur kostet so eine WP mit Flächenkollektoren auch deutlich mehr, schon wegen der Erdarbeiten.
Richtig, jede Quellenerschließung kostet deutlich mehr als Luft! Daher wird hier gern gespart, um die Kosten möglichst zu minimieren. Das Nachsehen hat später der Bauherr. DV´s haben übrigens ihre Besonderheiten, daher sind sie auch wenig verbreitet.
... Was würde denn so etwas pi x Daumen kosten? Also Tiefbauer/Erdarbeiten usw.
Das lässt sich belastbar nicht beantworten, da die ausschlaggebenden Parameter nicht bekannt sind. Was bietet der GU/GÜ, im Vergleich zu xy denn an?
...
Darüber hinaus überlege ich mir, mit Gas zu heizen, also eine Gas-Brennwerttherme einzubauen. ....Oder irre ich mich da komplett?
Nein, nicht komplett. Bei meinen Wirtschaftlichkeitsberechnungen liefern sich Gasbrennwert und LWP häufig ein Kopf an Kopf Rennen, wenn man den reinen Heizbetrieb und die WW-Bereitung betrachtet. Ausschlaggebend hier dann auch die jeweils konkreten Zahlen.
Allerdings verliert Gasbrennwert deutlich an Boden, wenn die Raumtemperaturen/Kühllasten in der sommerlichen Hitzeperiode so hoch sind, dass über eine Abführung der Wärme(Kühllast) nachgedacht werden muß. Hier bietet Gas dann keine Alternativen.
Ursache ist, dass durch die EnEV primärenergetisch der Heizbetrieb/ WW-Bereitung behandelt werden, während der sommerliche Wärmeschutz arg vernachlässigt wird. Das führt zu höheren Raumtemperaturen, insbesondere in den DG, so dass eine Abführung der Wärme erforderlich wird. Die kwl ist hierfür überwiegend nicht geeignet!
Ein Tipp hierzu: Lassen Sie sich die Raumtemperaturen/Kühllasten in der sommerlichen Hitzeperiode ausrechnen. (VDI 2078 EDV Verfahren)
Die Ergebnisse lassen Sie sich im Vertrag mit entsprechenden Sanktionen bei Nichteinhaltung garantieren.;)
Spätestens hier wird Ihr Verkäufer unruhig auf seinem Stuhl hin und her rutschen!
...
In 10 Jahren oder später könnte man dann immer noch vom Gas auf was auch immer wechseln.
Nachträgliche Änderungen sind meist erheblich teurer, es sei denn, die Anlage ist dahingehend projektiert und vorbereitet. Dann kann man es aber gleich richtig machen.

v.g.
 
Hallo,

Nun meine Frage: wenn ich das hier alles so lese, dann gibt es keinen triftigen Grund, eine Luft-WP zu installieren. Sehr geringe Leistung im Winter (vielleicht kommt die Erderwärmung ja noch), schlechte JAZ im Vergleich zu Flächenkollektoren und Sonden,
Du unterliegst einem Irrtum, den viele Bauherren begehen, indem Du die Energie-Effizienz vor die zu erwartenden Kosten stellst – zunächst ist doch der Jahresverbrauch relevant?

Es ist wahr, dass die JAZ bei Erdwärme- oder Flächenkollektoren auf dem Papier eine bessere Ausbeute ausweist, dem gegenüber stehen jedoch die hohen Erstellungskosten; je nach Bodenverhältnissen und Anzahl der Bohrungen im 5-stelligen Bereich. Bei Flächenkollektoren kannst Du Deinen Garten als englischen Rasen nutzen, mehr nicht. Du solltest Dir zusätzlich überlegen, wie lange Du heizen möchtest, bevor sich die eingesetzten Kosten amortisieren.

und hohe Geräuschentwicklung wegen des massiven Luftumschlages.
Das ist mit Verlaub Humbug, das Außengerät einer LWWP ist keine Hochleistungsturbine, es springt auch nur bei tatsächlichem Bedarf an und ist nicht lauter, als normale Gesprächslautstärke, wenn überhaupt.

Dazu hohe Stromkosten im Winter durch Zusatzheizer/Heizstab. Da wären die o.g. Alternativen besser.
Es funktioniert kein Heizsystem _ohne_ Strom, das vorab. Die noch junge Erfahrung mit diesen Heiztechniken hat gezeigt, dass Heizkosten im Bereich € 6-800,00/Jahr entstehen, je nach Heiz- und Duschverhalten der Betrieber. Durch den letzten Winter dürften sich die Kosten um ca. € 50-100,00 erhöht haben, nur ist dies auch bei jedem anderen Heizsystem der Fall.

In 10 Jahren oder später könnte man dann immer noch vom Gas auf was auch immer wechseln.
Es ist nicht von der Hand zu weisen, das Gas per heute das günstigste Preis-/Leistungsverhältnis in der Gesamtbetrachtung aufweist; dafür kauft man sich mit der Brennwerttherme eine um ca. 5 Jahre kürzere Lebensdauer der Anlage ein (frag einen Sanitärbetrieb Deines Vertrauens). Fazit: fair und unter dem Strich betrachtet, sprechen gleich viele Vor- als auch Nachteile für die derzeit am Markt befindlichen Heizsysteme.

Dennoch, wenn Du auf der sicheren Seite bleiben willst, solltest Du den Einbau einer Gasbrennwerttherme ins Auge fassen. Es sind derzeit viele Innovationen in der Entwicklung auf dem Sektor alternative Heizenergie, alle sind an das System der Fußbodenheizung anschließbar. Z.B. laufen Pilotprojekte in Bayern mit kleinen Windrädern, welche auf dem Dach des EFH montiert werden, eine Anlage - imho in der Eifel - wo flächendeckend mit Flächenkollektoren experimentiert wird sowie eine Anlage mit Brennstoffzellen zum späteren Einsatz im EFH-Bereich – imho sponsert by VW.

Was Du beachten solltest, ist, dass der Installationsschacht in Deinem Neubau – er beherbergt die Installationsleitungen – genug Platz vorbehält, dass spätere Techniken, wie zuvor beschrieben, aufgenommen werden können, wenn der Lebenszyklus der Brennwerttherme sich dem Ende nähert.

Grüße
Bauexperte
 
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Danke für Eure wertvollen Einschätzungen. Also sollte man die Luft/Wasser-WP nicht so kritisch sehen? Trotz teurem Zuheizen im Winter rechnet die sich also in den meisten Fällen?

@€uro: der Schwachpunkt liegt also in der fehlenden Kühlmöglichkeit im Sommer, ok. Aber da könnte man doch ebenso wie heute, Fenster auf und gut oder? Heizen sich die Räume denn durch Sonnenstrahlung so immens auf?

Haben zuhause ein altes Lehmhaus, in dem wir wohnen mit sicherlich 60cm Wänden. Da bleibt es im Winter warm und im Sommer kalt, eben wegen der guten Dämmung. Ist das bei den heutigen, ebenfalls gut gedämmten Wänden nicht mehr so? Klimaanlage also Pflicht?

Kann man eine Warmwasseraufbereitung auf dem Dach mit einer Luft-Wärmepumpe kombinieren? Das wäre ja gut, man brauchte dann sicherlich erheblich weniger Luftwärme anzusaugen, wenn die Wasseraufheizung entfallen würde.
 
Hallo,
Danke für Eure wertvollen Einschätzungen. Also sollte man die Luft/Wasser-WP nicht so kritisch sehen? Trotz teurem Zuheizen im Winter rechnet die sich also in den meisten Fällen?
Grundsätzlich sollte man Alles kritisch betrachten, denn jede Lösung hat sowohl Vorteile leider aber auch Nachteile. Die überall passende Nonplusultra - Lösung gibt es nicht, obwohl Verkäufer das gerne behaupten.
Ob überhaupt und wie viel man im Winter Zuheizen muß, hängt von einer Reihe objektspezifischer Parameter ab. LWP sind teilweise in Verruf geraten, da in der Praxis nicht die prognostizierten Werte erreicht wurden. Das liegt zwar zum Teil an den Herstellern, in den überwiegenden Fällen jedoch an den Anlagenbauern. Hier wird nicht wie notwendig dimensioniert und berechnet, sondern Geschätzt, Vermutet und Angenommen. Die Folge ist eine wenig effiziente Anlage.
Beisp: Ein definierter Klimastandort: Vom Auslegungspunkt z.B. -14 °C bis ca. - 4 °C werden gerade mal ca. 6% der gesamten Jahresheizarbeit erforderlich. Wenn hier ein kleiner Stromanteil z.B. über einen Heizstab, wenn dieser überhaupt notwendig sein sollte, enthalten ist, macht das in der Gesamtjahresbilanz relativ wenig aus.
@€uro: der Schwachpunkt liegt also in der fehlenden Kühlmöglichkeit im Sommer, ok. Aber da könnte man doch ebenso wie heute, Fenster auf und gut oder? Heizen sich die Räume denn durch Sonnenstrahlung so immens auf?
Schwachpunkt bei Gas, ja aber nur dann, wenn die Kühlmöglichkeit erforderlich ist - sonst nicht!
Fensterlüftung mag ja gehen, reicht aber nur wenn genügend Kühlpotential einerseits der Außenluft zur Verfügung steht und geringe Kühllasten anderseits vom Gebäude vorhanden sind. Das ist dann überwiegend in den Nacht- und frühen Morgenstunden der Fall. Auch ist nicht jeder Standort hierfür geeignet (z.B.:Lärm, Staub, Pollen etc.) Wer lüftet im Urlaub? Die Raumtemperaturen schaukeln sich auf und innenliegende Speichermassen (Wände, Geschoßdecken) nehmen diese Energie auf. Da ist mit Fensterlüften kaum noch ein Effekt zu erreichen, insbesondere, wenn die AT nahe 20 °C oder gar darüber liegen.
....Haben zuhause ein altes Lehmhaus, in dem wir wohnen mit sicherlich 60cm Wänden. Da bleibt es im Winter warm und im Sommer kalt, eben wegen der guten Dämmung.
Das liegt nicht an der guten Dämmung, sondern der Speichermasse. Die Dämmung ist vorrangig für den winterlichen Wärmeschutz vorteilhaft. In der sommerlichen Hitzeperiode ist der Strahlungsanteil der Sonne auf die Bauteile ausschlaggebend, der Dämmeffekt spielt kaum eine Rolle. Diese Masse fehlt modernen Gebäuden.
Ein Beisp: Alte Kirchen oder gar Kuhställe mit 40..50 cm dicken Wänden aus Feldsteinen besitzen einen ganz miserablen Dämmwert. Im Sommer sind sie jedoch angenehm kühl - wie kommt das?
... Ist das bei den heutigen, ebenfalls gut gedämmten Wänden nicht mehr so?
Die neuen EnEV Gebäude sind auf den winterlichen Wärmeschutz "getrimmt".
...Klimaanlage also Pflicht?
Nein, keine Pflicht. Es muß ja nicht gleich eine Klimaanlage sein. Man muß die Kühllast des Gebäudes kennen, erst dann lässt sich sagen, ob und welche Maßnahmen erforderlich werden.
....Kann man eine Warmwasseraufbereitung auf dem Dach mit einer Luft-Wärmepumpe kombinieren?
Ja, kann man.
...
Das wäre ja gut, man brauchte dann sicherlich erheblich weniger Luftwärme anzusaugen, wenn die Wasseraufheizung entfallen würde.
Erheblich müsste man definieren.;) Ich würde sagen, Mann kann mit STA einige kWh ernten. Ob das wirtschaftlich ist, steht auf einem anderen Blatt.
"Ansaugen"??? Ich rede nicht von einer Luft-Luft WP! Das wäre ein ganz anderes Kapitel.

v.g.
 

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