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Gerrit146

Mangelhafte(?) Dehnungsfuge in Klinkerfassade

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Hallo liebe Forumsmitglieder.

Wir bauen im Moment mit einem Generalunternehmer unser Traumhaus und ich würde euch gerne bei einem der verbliebenen Probleme um euren Rat bitten. Das EFH hat die Maße 14m x 8m und ist komplett verklinkert. Bei einem Kontrolltermin unseres unabhängigen Gutachters hat dieser das Fehlen von Dehnungsfugen bemängelt. Diese waren in der Planung unseres GUs wohl nicht enthalten und der Maurer hat sie entsprechend auch nicht umgesetzt. Nach längerer Prüfung des Sachverhalts durch GU und Maurer wurde entschieden, die insgesamt 4 Fugen nachträglich zu schneiden. Von dem Ergebnis sind wir leider mehr als enttäuscht - meine Frau musste weinen, als sie die Fugen das erste Mal gesehen hat. Im Gegensatz zu den ca. 1,5 cm, die sämtliche anderen Fugen breit sind, messen die geschnittenen Dehnungsfugen fast ausschließlich mehr als 3 cm. Liegt neben der geschnittenen Fuge zufällig eine reguläre Fuge, addieren sich die Breiten entsprechend - optisch eine ziemliche Katastrophe (siehe Fotos).

Der Bauleiter hat uns Hoffnung gemacht, dass mit dem Verfugen das Erscheinungsbild besser wird, aber leider ist dies (aus unserer Sicht) nicht der Fall. Unser Gutachter meint auch, dass er so etwas noch nie gesehen hat. Und da die finale Abnahme rasch näher rückt, fragen wir uns, was wir machen sollen. Natürlich haben wir dem Bauleiter schon mitgeteilt, dass die Ausführung der Fugen aus unserer Sicht mangelhaft ist. Im Moment planen wir die Fugen nach der Übergabe irgendwie zu kaschieren. Entweder indem wir sie farblich an die Steine angleichen oder mit einer Blende. Aber zumindest eine substanzielle Gutschrift durch den GU würde ich mir erhoffen. Das kann doch so nicht in Ordnung sein, oder? Falls nein, wie bewertet ihr den Schaden? Haben wir hier "nur" einen optischen Mangel oder ist dies auch funktional ein Problem? Könnten wir theoretisch fordern, dass der Teil der Fassade erneuert wird?

Über eure fachkundige Einschätzung würde ich mich sehr freuen. Sollte ich wichtige Details vergessen haben, bitte kurz Bescheid sagen.

Danke im Voraus und viele Grüße aus dem Norden,
Simon
 

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Äh, warum habt Ihr eine Dehnungsfuge machen lassen? M.W. ist die nach DIN bei kleineren EFH gar nicht mehr zeitgemäß und damit unnötig? Hab aber nur noch eine Größenordnung von 10-12m Wandlänge im Kopf.

Eine Verbesserung des Erscheinungsbildes wird nicht möglich sein. Für ein nachträgliches Einbringen finde ich sie sogar gelungen. Eine substantielle Gutschrift sehe ich nicht. Wofür auch?
 
Hi Nordanney,

danke für Deine Nachricht. Unser Gutachter war der Meinung, dass bei 14 Metern eine Dehnungsfuge notwendig ist und wir haben uns auf sein Urteil verlassen. Letztendlich haben ja auch der GU und der Maurer dies so bewertet. Aber für diese Überlegung ist es ja leider zu spät :(

Uns wurde vor den Schnitten gesagt, dass die Fuge die gleiche Breite wie die anderen Fugen haben wird. Daher waren wir so bestürzt, als wir die Ausführung gesehen haben. Vielleicht müssen wir uns dann leider einfach an die Optik gewöhnen.

Viele Grüße,
Simon
 
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Und vermutlich auch noch ein Ausführungsmangel, weil die Dehnungsfuge in ihrer jetzigen, verfüllten Form sehr wahrscheinlich gar nicht mehr tut was sie soll.
hatte mich auch schon gewundert, weshalb die verfugt wurde - das widerspricht doch der Aufgabe der Dehnungsfuge. Kenne das nur mit Kombriband verschlossen.

Und wieso mitten in der Wand? Sitzt die Dehnungsfuge nicht normalerweise in der Ecke zwischen einzelnen Wänden?
 
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1.
Diese Dehnungsfuge gemäß Bildern ist nicht mit Mörtel verfüllt, sondern besandet (was optisch meist gefälliger ist, sich mit der Zeit aber abwäscht - ist egal, immer noch besser als ohne Sand!).
Dehnungsfugen sind mit geeigneten Dichtungsmaterialien dauerelastisch zu schließen (z. B. mit Polyurethan, Polysulfid, Kompriband). Also Polymerdichtstoffe wie SikaFlex o.ä., nicht aber Silikon.

2.
Die Anordnung neben der Hauseingangstür (?) ist optisch und planerisch natürlich ein Totalausfall; nach den Richtlinien ist die Anordnung an Ecken eigentlich ausreichend.

Unbenannt1.JPG
3.
Viel wichtiger ist allerdings die zusätzliche Ausführung von Dehnungsfugen an Fertigteilstürzen - unabhängig von der Länge..
Ich spreche da leider aus Erfahrung, da bei uns genau das Fehlen dort nach zwei Jahren nur für Abrisse und Nachbesserungsbedarf an (großen) Eckfenstern sorgt. Wir haben da gerade unseren Spaß damit.

Ich kann also bestätigen, dass Verblendschalen arbeiten und Dehnungsfugen notwendig und sinnvoll sind. Genau deshalb sich sie ja auch vorgeschrieben.

Von der Seite Backstein(Komm), 2.6 Verblendsturz, zu Bild 17 / Suche: Dehnungsfuge, Verblender, Sturz:

"Um Risse durch Zwangsspannungen in der Verblendschale zu vermeiden, müssen alle mit
dem Hintermauerwerk befestigten Fertigteilsturze durch Anordnung von vertikalen Dehnungsfugen vom angrenzenden Mauerwerk getrennt werden (Bild 17), denn die Verformungseigenschaften der beiden Schalen einer zweischaligen Außenwand sind völlig unterschiedlich. Wahrend die tragende Innenschale in
Abhängigkeit des verwendeten Mauersteins Kriech- und Schwindverformungen unterliegt, muss bei der Verblendschale mit thermohygrischen Längenänderungen gerechnet werden."
 
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