LWWP bei Sanierung als Effizienzhaus Denkmal (160% EnEV) sinnvoll?

5,00 Stern(e) 5 Votes
RomeoZwo

RomeoZwo

Hallo zusammen,

es geht um die Sanierung eines REH Denkmal zur Vermietung. Gemäß dem Energieberater (=Architekt für Sanierung) empfiehlt sich die Verwendung einer LWWP, da mit einer Gas-Brennwerttherme deutlich höherer Dämmaufwand (Innendämmung 8cm statt 4cm) und damit auch reduzierte Wohnfläche entstehen würde. Die LWWP könnte im Keller stehen, die Luft zu-/abfuhr über das ehemalige Kohlefenster (Kelleroberkante ca. 80cm über Boden). Photovoltaik oder Solarthermie ist aufgrund Denkmalschutz nicht möglich. Bisher bin ich immer von einer Gastherme für das Haus ausgegangen, der Gasanschluss in der Straße ist vorhanden, bisher aber nicht zum Haus gelegt (Bestand ist eine Kohle- Zentralheizung, allerdings seit 30 Jahren unbenutzt/unbewohnt).

Als Vermietungsobjekt ist natürlich auch interessant, dass die grün/roten Ideen die CO2 Steuer dem Vermieter aufzuhalsen unproblematisch wäre, und die Stromkosten ja individuell mit dem Mieter abgerechnet werden, also erstmal auch nicht in den Nebenkosten auftauchen.

Rechnerisch auf dem Papier ist die LWWP klar im Vorteil, aber wie sieht das hier in der Realität aus? 2017 haben wir uns beim Neubau für Gas entschieden, aufgrund des hohen Stromverbrauchs. Hier ist es ein Altbau der 60% mehr Primärenergiebedarf als ein Neubau haben darf. Kann man bei der LWWP den Papierzahlen einigermaßen glauben, oder wird das vom Stromverbrauch eine Katastrophe?

Danke schonmal für die Meinungen - hatte eine LWWP bisher nie auf dem Schirm und mich deswegen auch noch nicht wirklich damit beschäftigt.
 
N

nordanney

LWWP ist rechnerisch gut für die KfW - bei dem angestrebten Effizienzlevel wird sich der Mieter aber freuen...
 
D

Daniel-Sp

Dazu gibt es folgende Fragen.
1. Wie hoch die Heizlast.
2. Welches Wärmeverteilsystem ist geplant? FBH oder Heizkörper
3. Welche Vorlauftemperatur wird angestrebt?

Ohne das zu wissen würde ich eher von einer hohen Heizlast ausgehen, mit Heizkörpern und hoher Vorlauftemperatur. Das spricht dann gegen LWWP.
Im Vermietungsfall würde ich Gas einer Wärmepumpe bevorzugen, da unproblematischer. Alternativ wenn Stauraum vorhanden ist auch Pellet.
 
Der Traum vom Haus - Wie viel davon kann ich mir leisten?
Bestellen Sie jetzt kostenlos Hauskataloge, Smarthome-Info
RomeoZwo

RomeoZwo

Hallo,

geplante Wärmeverteilung ist FBH, also eine eher niedrige Vorlauftemperatur. Das Haus hat ca. 120m2.

Um das Effizienzhaus Denkmal gerade zu erreichen ergibt sich folgendes:
bei Gas mit 8cm Dämmung (WLG 042) innen:
Primärenergie (pro m² Nutzfläche): 117,43 kWh/(m²a)
Transmissionswärmeverlust Ht`: 0,468 W/(m²K)
bei LWWP mit 4cm Dämmung (WLG 042) innen:
Primärenergie (pro m² Nutzfläche): 85,72 kWh/(m²a)
Transmissionswärmeverlust Ht`: 0,537 W/(m²K)

Über was für Energie (Strom) Kosten reden wir denn bei LWWP bei Temperaturen um 0°C, sind das 10€ am Tag, in der Woche?
Neben der Tatsache, dass Strom ja der Mieter bezahlt habe ich wegen der Diskussion um die Beteilung der Vermieter an der CO2-Steuer schon Bauchschmerzen. Dank der Zuschüsse wäre auch eine hochwertige, innenliegende LWWP von den Investitionskosten geringer als die Gas-Brennwerttherme (da auch beim Dämmmaterial 50% eingespart wird). Im Nebeneffekt bleibt die zu vermietende Fläche auch größer. Klar, ich will nicht dauernd Mieterwechsel wegen hohen Stromkosten, aber wenn es da um +-50€ im Monat zwischen Gas und LWWP geht, glaube ich, dass das für einen Mieter vertretbar ist. Wie würde sich denn in der Nutzung (nicht Rechnung) ein zusätzlicher Kaminoffen auswirken? Der Schornstein ist ja vorhanden und würde bei LWWP nicht mehr benötigt.
 
D

Daniel-Sp

Die Primärenergie pro qm aus der KfW-Berechnung nützt dir erstmal nicht viel um die Heizlast abzuschätzen. Wenn du Ht und das Gebäudevolumen hast, kannst du sie zumindest abschätzen. Google mal nach Trenchplaner und Ringgrabenkollektor.
Erste Überlegung ist, welche Vorlauftemperatur mit der FBH kannst du bestenfalls erreichen. Dazu brauchst du aber eine raumweise Heizlastberechnung um dann die FBH für jeden Raum berechnen zu können. Dann siehst du, welche Vorlauftemperatur benötigt wird. Danach kann man erst entscheiden, ob eine LWWP überhaupt Sinn macht oder ein Groschengrab ist.

Ein weiterer Punkt ist die Frage, ob die KfW ERR verlangt. Wenn ja wird der Heizungsbauer entweder ein Trennpuffer oder ein Überstromventil einbauen, um den Mindestvolumenstrom der Wärmepumpe zu gewährleisten. Da du vermietest, hast du kein Einfluß, ob die ERR von den Mietern genutzt werden oder nicht. Das bedeutet, du wirst das ÜV nicht schließen können. Offenes Überstromventil oder Trennpuffer sind der Einstieg in eine taktende Wärmepumpe. Das bedeutet erhöhter Verschleiß und vorzeitiger Defekt. Dann ist der Kostenvorteil gegenüber der Gasheizung aber auch dahin. Megagau ist dann noch ein Kombispeicher, dann kannst du auch noch Probleme mit dem Warmwasser bekommen.

Ich selber habe eine LWWP und bin sehr zufrieden. Allerdings habe ich mich auch lange mit der Auslegung der FBH und der Technik der Wärmepumpe samt Betrieb beschäftigt. Deswegen würde ich in einem Vermietungsobjekt nie eine Wärmepumpe wählen. Sie bietet zu viele Fallstricke und fordert Disziplin und Wissen vom Betreiber/Mieter. Darum die Frage, ob eine Pelletheizung nicht doch eine Option ist, sonst Gas.
 

Ähnliche Themen
23.03.2021zentraler Raumtemperaturregler für ERR der FBHBeiträge: 74
01.02.2021Hydraulischer Abgleich LWWP+Effizienz-UmwälzpumpeBeiträge: 90
06.02.2020Energie"Konzept" für alten BauernhofBeiträge: 30
24.07.2019ENEV2016 oder KFW 55 für Bungalow mit LWWP & KWL optional PVBeiträge: 47
10.08.2020Wie erkennen ob FBH läuft - ERR noch ohne ThermostatabdeckungBeiträge: 50
27.01.2020Endspurt - Heizung, PV, KNX; alles unter einen Hut bringenBeiträge: 58
28.03.2020FBH + Heizkörper -> Zwei Thermostate in einem RaumBeiträge: 10
07.05.2020Zusammenarbeit von LWWP, PV-Anlage und SpeicherBeiträge: 38
01.12.2020Erfahrungsaustausch zu Vaillant VWL 125/6 A Luft-Wasser WärmepumpeBeiträge: 13

Alle Bilder dieser Forenkategorie anzeigen
Oben