Handwerker - früher und heute

"Off-Topic / Stammtisch" erstellt 23. 02. 2018.

Handwerker - früher und heute 4.3 5 4votes
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  1. Silent010

    Silent010

    10. 08. 2016
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    Hallo Zusammen,

    nach mehreren Gesprächen mit Freunden, Nachbarn und Bekannten habe ich das Gefühl, dass "der Handwerker" vor 20-30 Jahren noch hoch motiviert war ein einwandfreies Gewerk zu übergeben und sah es als Herausforderung an - hier war der Kunde König - auch für einen guten Ruf in der Umgebung.

    Heute jedoch, durch die niedrigen Zinsen und den damit verbundenen Bau-Boom, durch den Fachkräftemangel, und durch den Druck der Fertighaus-Ketten springt der Handwerker nur noch maximal so hoch wie er muss, scheucht teilweise ungelernte Kräfte von Baustelle zu Baustelle und arbeitet gerade um die Toleranzgrenze zu erreichen. Ist ein Kunde unzufrieden - egal - gibt ja genug andere am Markt.

    Wenn ihr mich fragt ein sehr kurzfristiges Denken, jeder will was vom Kuchen (Bau-Boom) abhaben.

    (Ausnahmen gibt es selbstverständlich noch).

    Wie seht ihr das?

    Viele Grüße
     
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  3. chand1986

    chand1986

    16. 05. 2017
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    Sehe ich etwas anders. Meiner bisherigen Erfahrung kriegt man schlicht keine Handwerker für manche Dinge in angemessener Zeit - weil Auftragsbuch voll. Da wird keine ungelernte Kraft geschickt, da wird gar keine Kraft geschickt.

    Das hat aber auch damit zu tun, dass sich die meisten Handwerker eben nicht mit "wursteln an der Toleranzgrenze" zufrieden geben, sondern vernünftig arbeiten wollen. Viele gegenteilige Geschichten haben auch damit zu tun, dass ein so nachgefragter Markt wie der nach der Dienstleistung "Handwerk" die Spreu vom Weizen nicht mehr richtig trennen kann. Da wird teilweise schlecht gearbeitet, weil die Fähigkeiten und das Wissen fehlen.

    Absurde Handwerkergeschichten von himmelschreiender Unfähigkeit kann mein Opa übrigens auch erzählen. Dutzendfach. Früher = Besser sehe ich deshalb auch nicht. ;)
     
  4. Nordlys

    Nordlys

    14. 01. 2017
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    Das ist so. Zeitdruck, schnell, schnell, Gier, das schaffen wir auch noch, Mangel an guten Leuten, ich weiss, Du bist zu blöd, aber ich hab sonst niemanden, Verlust von Anspruch, das geht so, für mehr haben wir keine Zeit.
    Ich betreue beruflich gerade eine Komplettsanierung eines 1969 er Gebäudes, o Gott, was da für Abwehrargumente kommen, wenn man es etwas netter gemacht haben will, gar nicht umsonst, nur eben mit etwas Liebe, und Du spürst, sie haben keine Zeit, der Geselle sollte eigentlich am Liebsten schon auf ner anderen Baustelle sein. Samstagsarbeit ist fast normal, wilde Subunternehmen mit Autos jenseits jeden TÜVs werden aktiviert, kriegt man eben ne albanische Elektroinstallation....
     
  5. 86bibo

    86bibo

    28. 03. 2016
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    sehe ich so auch nicht. Heute ist zudem der Kostendruck deutlich größer. Immer soll/muss es nur das günstigste Material sein, das zudem noch in kürzester Zeit verarbeitet werden kann. Die Physik kann man aber nur ganz selten austricksen (außer in der Matrix). Da werden Häuser in Holzständerbauweise hingestellt, 2 Tage später Estrich eingebracht und dann muss dieser möglich schnell trocken sein, damit die anderen Gewerke nachziehen können. Da kann es eben auch mal passieren das eben das Holz noch etwas arbeitet oder später der Estrich sich noch etwas setzt und es zu Rissen kommt. Genauso kommen heute fast sämtliche Bauteile (Türen, Fenster, Schränke, etc.) aus der industriellen Fertigung als Plug&Play Lösungen an. Das ist zum einen schön, weil kosteneffizient und schnell zu verarbeiten, aber wenn dann eben mal die 2 Gewerke nicht 100% zueinander passend gearbeitet haben, kann man das nicht mehr so einfach kompensieren. Zudem ist der Zeitdruck ganz klar ein Argument, der evtl. mal zu einem Mangel führen kann. Das ist aber nicht dem geschuldet, dass der Handwerker das in Kauf nimmt, sondern weil der Mensch nun mal unter Druck Fehler macht.
    Letztendlich sorgt aber weder der Handwerker noch der GU für den Druck, sondern das haben wir Kunden ganz allein geschafft.
    Im Moment ist es sicher so, dass die Spreu vom Weizen nicht ganz so einfach zu trennen sind, aber das sind meist eher temporäre Erscheinungen. Ein GU arbeitet in der Regel mit einem Handwerker, mit dem er schon mehrmals Probleme hatte, nicht lange zusammen. Da bringen auch ein paar Prozent niedrigere Kosten nichts, weil das hInterhyper immer zu Ärger,unzufriedenen Kunden und vor allem viel zusätzlicher Arbeit führt. "Zum Glück" werden die Handwerker von den Firmen so im Preis gedrückt, dass sie ab und an auch mal was für den Privatkunden machen müssen um einigermaßen wirtschaftlich arbeiten zu können. Ansonsten würde für das gemeine Volk nur noch die Spreu übrig bleiben, weil die guten Handwerker zu 100% über die Hausbaufirmen ausgebucht wären.

    Es gibt heute genauso viele gute Handwerker wie früher, tendenziell sogar mehr, da die wirklich Schlechten es heute einfach schwer haben. Die Anforderungen haben sich natürlich gewandelt. Im z.b. Sanitärbereich ist alles extrem technisch geworden. Früher gab es ne einfache Gas oder Ölheizung, heute gibt es zig Heizkonzepte inkl. Solarthermiee, Photovoltaik, wo jedes Gerät speziell konfiguriert werden muss (Lehrgänge bei den Herstellern, etc.). Genauso hat im Bad heute niemand mehr eine einfache Duschtasse mit Handbrause, sondern ganze Wellnesslandschaften. Der "Klempner" der das beherrscht ist dann vielleicht nicht mehr der, der eine handgedängelte Dachrinne formvollendet verlötet, was er aber auch nur alle 5 Jahre 1x macht. Die Anforderungen haben sich geändert.
     
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  6. ypg

    ypg

    2. 10. 2012
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    Ich sehe ein Problem in der Verallgemeinerung des Handwerkers in der Überschrift und gehe nicht mit Deiner Meinung konform.

    Meinst Du nicht eher die Unternehmen bzw Häuslebauer?

    Ich habe hier sehr nette und fleißige Handwerker auf dem Bau gesehen, die ihre Arbeit gern gemacht haben.
    Ok, es gibt in jedem Beruf solche, die durch gute Bezahlung zu Höchstleistungen angetrieben werden, wiederum andere, die mit nem schlechten Fuß aufgestanden sind oder noch nie so richtig gut waren.

    Unternehmen müssen profitabel denken.
    Wenn der Kunde nichts ausgeben will, dann gibt es eben ein Billig-Haus.
    Da muss man sich dann auch nicht wundern, dass Billiglöhner auf dem Bau zu sehen sind.
    Außerdem wird die Einstellung eines Unternehmens auch von der Kundschaft geprägt: wenn der Kunde schon vor Spatenstich vorhat, die letzte Rate einzubehalten, dann passt sich der Unternehmer eben an.
     
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  7. wrobel

    wrobel Moderator

    7. 10. 2014
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    Moin Moin

    Das trifft vermutlich genau so, oder auch genau so wenig auf den Bereich Logistik zu





    Olli