Grenzbebauung Garage und Schuppen Max. 9 Meter -mehr geht nicht?

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S

Steffi33

Hallo,
die sächsische Bauordnung besagt, dass Grenzbebauung an einer Seite Max. 9 Meter Länge ergeben darf. An beiden Seiten zusammen Max. 15 Meter. Ist das unumstößliches Gesetz? Oder kann man von dieser Bauordnung auch Ausnahmen beantragen? Wenn der Nachbar zum Beispiel zustimmt? Wir haben ein recht langes (aber schmales) Grundstück mit 72 Meter Länge und würden gern vorn 6 Meter Garage und weiter hinten im Grundstück, gleiche Seite, 6 Meter Schuppen an der Grenze aufstellen. Macht aber schon 12 Meter. Danke für Eure Tipps.

LG Steffi
 
E

Escroda

Ich glaube in Sachsen wird es wie in NRW gehandhabt. Hier kann der Nachbar für eines der Gebäude eine Abstandflächenbaulast oder Anbauverpflichtung übernehmen. Die Länge des Gebäudes zählt dann bei der Summierung der Grenzbebauungen nicht dazu. Ich würde einer Baulast nicht zustimmen, weil sie, wie der Name schon sagt, das Grundstück belastet und sich zumeist wertmindernd auswirkt. Wenn der Nachbar auch Interesse an einem Schuppen hat, könnte man ein gemeinsames Projekt starten und beide Parteien hätten einen Vorteil.
 
S

Steffi33

Hallo, vielen Dank für die Antwort. Interessant klingt das Stichwort Anbauverpflichtung. Vielleicht geht ja darüber was. Ich vergaß oben zu schreiben, dass es derzeit bereits ein altes massives Schuppengebäude, knapp 1m von der Grundstücksgrenze entfernt, gibt. Länge geschätzt 18 Meter!. Dieses soll allerdings komplett abgerissen werden. Ändert das was an unseren Möglichkeiten zur neuen Grenzbebauung?

LG Steffi
 
C

Caspar2020

Hier kann der Nachbar für eines der Gebäude eine Abstandflächenbaulast oder Anbauverpflichtung übernehmen.
Ich würde meinen Nachbar was husten, wenn er mir mit sowas kommen würde. Bei solchen Dinge muss der Nachbar ja Gott sei Dank zustimmen und nicht nur beim
Bier.

huppengebäude, knapp 1m von der Grundstücksgrenze entfernt, gibt. Länge geschätzt 18 Meter!.
Ist vielleicht schon eine Baulast eingetragen, oder ist das ein schwarzbau?
 
MarcWen

MarcWen

Wir halten die Vorschrift 9 Meter genau ein. Man sollte auch beachten, dass eventuell ein Dach über den Rohbau schaut. Dann lieber den Rohbau gleich 50 cm kleiner planen, damit es später keinen Ärger gibt.
 
P

Payday

man könnte unkompliziert beiderseitig einig werden, das x Meter Länge bebaut werden dürfen und dies schriftlich festhalten. zb könnte man 12meter vereinbaren und jeder darf dann 12meter Carport/schuppen usw setzen. meistens spricht man sich doch eh ab. dem Land sind die 9meter egal, solange die grenze ein Nachbar und kein öffentliches gelänge ist. ich würde dem zb zustimmen. so könnte ich neben meinen 9meter Carport noch weiter hinten nen 3meter schuppen stellen. wichtig ist hierbei, das keiner benachteilt wird.
waren heute mit Nachbarn in unseren Neubaugebiet unterwegs und haben so viele Fehler/verbote gesehen. nahezu keiner hat seine hecke ordnungsgemäß an die grenze gesetzt, 1 Nachbar baute sogar feste Objekte 1meter über die grenze auf öffentliches gelänge, 1 baut deutlichst zu groß, 1x hat ne Riesen Glasfront verspielgelt (obwohl laut Bebauungsplan nicht erlaubt) usw...
alles ist solange gut bis genau 1 den Maschendrahtzaun auspackt und die rechtskeule zieht. dann geht der lutzi und es wird teuer. wir werden uns genau an die regeln halten, einfach weil irgendwann irgendwer Langeweile bekommt und loslegen wird.
 
S

Steffi33

zb könnte man 12meter vereinbaren und jeder darf dann 12meter Carport/schuppen usw setzen. meistens spricht man sich doch eh ab. dem Land sind die 9meter egal, solange die grenze ein Nachbar und kein öffentliches gelänge ist.
Wenn ich mit meinem Nachbarn einig bin, muss ich dann überhaupt noch das Bauamt um Erlaubnis fragen? Es geht ja um Garage und Schuppen, welche eigentlich keiner Baugenehmigung bedürfen... oder? Wollte eigentlich eine Anfrage beim Bauamt stellen... aber vielleicht wecke ich "schlafende Hunde" und dann geht gar nichts mehr.. Behörden sind so unberechenbar...

Wir bauen übrigens in einer kleinen Gemeinde.. alle unsere Nachbarn haben viel Platz und große, lange Grundstücke. Da fallen 12 Meter Grenzbebauung nicht wirklich auf.

LG Steffi
 
P

Payday

das Bauamt kann dir da überhaupt nicht helfen, weil sie sich strikt an die regeln der 9meter halten müssen. die werden dann an deinen Nachbarn verweisen. die 9meter sind zum Schutz der Grundstückseigentümer errichtet worden und sollen euch nicht gängeln oder verärgern. die 9meter sind dazu da, damit nicht irgendwer ne ganze grenzlinie vollstellt, ohne das der andere irgendwas dagegen machen kann.
ihr als Nachbarn könnt euch natürlich über alles einig werden was ihr wollt. es muss aber vernünftig schriftlich hinterlegt sein, damit nicht irgendwer irgendwann rückbauen oder ähnliches muss. eine Baulast von beiderseitig zb 12meter ist bei einen richtig langen Grundstück auf jeden fall keine wertminderung. immerhin darf dann jeder etwas mehr an die grenze stellen, wo man gerade auf dem Land auch gerne Gebrauch macht.
 
S

Steffi33

ihr als Nachbarn könnt euch natürlich über alles einig werden was ihr wollt. es muss aber vernünftig schriftlich hinterlegt sein
Was bedeutet "vernünftig schriftlich hinterlegt"? Eintrag einer Baulast (dann bin ich doch wieder beim Bauamt) oder reicht ein von beiden Seiten unterschriebenes Schriftstück?

LG Steffi
 
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DG

Nein, reicht eben nicht, weil die private Vereinbarung das Baurecht nicht bricht. Eine solche Vereinbarung ist nicht das Papier wert, auf dem sie steht. Fällt idR aber erst dann auf, wenn nachgenehmigt werden muss, sprich: nachträgliche Eintragung v Baulasten incl. Nachtrag v Bauanträgen.

MfG
Dirk Grafe
 
P

Payday

nur mal Interesse halber: was kostet das 2x eintragen einer Baulast? also das beide Nachbarn sich jeweils 12meter Grenzbebauung eintragen ?


gut 2min googeln hätte es mir auch gesagt...

in schleswig Holstein:

Landesverordnung über Verwaltungsgebühren in Angelegenheiten der Bauaufsicht
(Baugebührenverordnung - BauGebVO -)
Vom 1. April 2009

5.1


Eintragung oder Löschung einer Baulast


100 bis 250 €
 
D

DG

Jein. Diese Gebühr ist nur für die Eintragung ins Baulastverzeichnis, regelt jedes Bundesland einzeln, in NRW zB immer fix 250€ pro Baulast. Dazu kommen ggflls amtliche Lagepläne, in denen die Baulasten dargestellt werden. Dabei schwanken die Regelungen extrem, für amtliche Lagepläne zur Baulasteintragung muss man in NRW aber grob 1000€ rechnen. Das nur mal als Anhaltspunkt, dass es mit den 100-250€ fürs Amt nicht getan ist. Das sind auf jeden Fall immer Einzelfallbetrachtungen mit idR sehr individuellen Lösungen, daher kaum zu beziffern. Bundesweit auf Grund der stark unterschiedlichen Handhabung schon gar nicht. Das schwankt hier im Extremfall zwischen Bauamt A und Bauamt B um einen vierstelligen Betrag.

MfG
Dirk Grafe
 
R

Robbaut

Könnte man das Grundstück auch teilen und hätten dann im hinteren Teil wieder das Recht auf 9m Grenzbebauung...?
 
W

Wastl

Wo kein Kläger da kein Richter,....
Wenn ih euch mit dem Nachbarn einig seid würde ich nichts eintragen lassen. Es besteht natürlich die Gefahr, dass es sich der Nachbar irgendwann anders überlegt - dann müsst ihr ggf abreißen bzw verkleinern.
 
C

Caspar2020

@Wastl: Ich weiss ja nicht wie das in Bayern läuft, aber in NRW werden gerne Luftbildaufnahmen ausgewertet um die abflusswirksamen Flächen zu berechnen. Da fallen ganz gerne solche Sachen bei auf.
 
C

Caspar2020

Achso, in SH auch:

So wie 2009 in Schleswig-Holstein: Da gab das Landesvermessungsamt Kiel ein flächendeckendes Luftbildprojekt in Auftrag, bei dem mittels Laserscan-Abtastung ein Relief des Landes für "verschiedene Aufgaben im Bereich der Wasserwirtschaft" produziert wurde. Die Aufnahmen wurden zwecks "Vermeidung von Doppelarbeiten" an die Katasterämter durchgereicht, die diese mit den Flurkarten verglichen. "Hunderte von Hausbesitzern", berichteten die "Lübecker Nachrichten" damals, "erhielten darauf Post."

In Schleswig-Holstein besteht erst seit 1975 die gesetzliche Pflicht zur Darstellung von Gebäuden in Flurkarten. Das sollte zu Lasten der Hausbesitzer nun auch für ältere Gebäude nachgeholt werden. Die Ämter forderten Nachvermessungen. Bis zu 15 Prozent des Baubestands, zitierte die Zeitung einen Sprecher des Landesinnenministeriums, seien zu diesem Zeitpunkt nicht erfasst gewesen. Bei Gebäuden bis 300.000 Euro Wert kostete das bis zu 750 Euro. Da rappelt es im Gebühren-Säckel.
 
C

Caspar2020

@Wastl: In Bayern geben das übrigens auch schon einige Städte zu.

Die Kommunen werden generell etwas erfinderischer neue Einnahmequellen zu generieren. Insbesondere, weil es auch immer mehr Software auf den Markt kommt um die Luftbild / per Lfz gewonnenen Daten automatisiert abzugleichen.
 
D

DG

Überfliegungen zur Katasterüberwachung werden alle 3-5 Jahre deutschlandweit gemacht, das ist Standard.

Wastl's Vorschlag ist nur was für Zocker, wobei die allermeisten Häuslebauer keine Zocker sind. Es führt vor allem bei eigentumsübergängen zu unklaren Rechtsverhältnissen, weil sich dann keiner mehr erinnern kann. Oder will.

Ganz schnell vorbei ist es auch, wenn einer der Beteiligten einen Bauantrag für ein weiteres BV (Anbau o.ä.) stellen muss - dann wird der Bestand erst mal nachgenehmigt.

Ratsam ist das nicht, es sei denn, man überblickt, auf was man sich da einlässt. Das tun die meisten Häuslebauer wie gesagt nicht.

Mit freundlichen Grüßen
Dirk Grafe
 
W

Wastl

Überfliegungen zur Katasterüberwachung werden alle 3-5 Jahre deutschlandweit gemacht, das ist Standard.
Ich wohne seit 3 Jahren in einem Neubaugebiet. Mindestens jeder 2 hat hier falsch gebaut. Sei es eine nicht genehmigte 2 Garage, das Gartenhaus falsch platziert, zu viel Fläche versiegelt, Terrasse nicht wasserdurchlässig, usw.
Nach dem Überfülg müsste nun jemand alle Bilder auswerten und bewerten (neben den gültigen b-plan mit sämtlichen Ausnahmegenehmigungen halten). Bei uns in der Gemeinde hat dafür keiner Zeit. Das wird erst gemacht, wenn eine Beschwerde kommt. Daher kam mein Spruch "Wo kein Kläger da kein Richter".
Natürlich ist es nicht der korrekte Weg, was passiert schlimmstenfalls? Nachträglich die Baulast eintragen lassen oder den Schuppen verkleinere - beides keine "Untergangs" Optionen,...
 
Zuletzt aktualisiert 27.01.2022
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