Estrich mit "flüssiger" Dämmschicht, Badewann auf Estrich?

"Estrich / Bodenbeläge / Fliesen / Parkett" erstellt 6. 02. 2018.

Estrich mit "flüssiger" Dämmschicht, Badewann auf Estrich? 4.3 5 4votes
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  1. hyaden

    hyaden

    24. 07. 2017
    14
    0
    Hallo zusammen,

    wir bauen eine DHH über einen Bauträger und sind gerade beim Innenausbau. Bei der gestrigen Begehung habe ich zum Thema Estrich zwei große Fragezeichen mitgenommen, vielleicht kennt sich ja jemand damit aus:

    1) es soll schwimmender Heizestrich installiert werden, den Estrichaufbau kenne ich bisher als:
    - Rohfussboden
    - Dämmschicht als Platte z.B. Styrodurplatten
    - Tackerschicht usw.

    Laut der Firma, die den Innenausbau ausführen soll, soll statt der Dämmplatten irgendeine flüssige Dämmschicht reinlaufen (Name fiel ihm gerade nicht ein), die besser wäre als diese Platten, weil sie gleichmäßiger verläuft. Mit googeln "Estrichaufbau" konnte ich aber bisher keine vergleichbaren Konstruktion finden. Kann jemand was dazu sagen, insbesondere zum Thema Trittschall?

    2) da im Bad an der Stelle, wo die Badewanne stehen soll, relativ viele Kabel und Leitungen rausgehen, ist dort wenig Platz und das Badewannen-Gestell soll stattdessen nicht auf dem Rohfussboden sondern auf dem Estrich stehen, das wäre vom Gewicht kein Problem. Ist das üblich? Die LWP Boiler bzw. für die Solarmodule haben sie komischerweise auf Styrodurplatten gestellt, angeblich auch aus Schallgründen, aber irgendwie finde ich das jetzt schon etwas komisch.

    Viele Grüße
    hyaden
     
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  3. KlaRa

    KlaRa Moderator

    2. 03. 2016
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    82
    Hallo "hyaden".
    Das Thema, welches Du hier anschneidest, ist ein Besonderes.
    Flüssige Dämmschichten, wie Du schreibst, eignen sich für die nachträgliche Sparrendämmung im Dachbereich oder bei doppelt beplankten Leichtbauwandsystemen.
    Man bohrt Öffnungen in das Bauteil und pumpt dann eine (zugegeben effektive) Masse (ich gehe hier nicht weiter hierauf ein) in die Zwischenräume.
    Als druckfeste Unterlage sind diese Systeme -unabhängig vom jeweiligen Hersteller- jedoch nicht geeignet. Damit nicht für den Einsatz unter Estrichen! Also bitte diese Vorgehensweise nicht zulassen!! Der angedachte Aufbau ist regelwidrig, da er nicht den allgemein anerkannten Regeln des Fachs entspricht!
    --------------
    Die (entschuldige bitte) Unfähigkeit in Planung und versuchter Ausführung erkennt man nun im Teil 2.
    Eine Badewanne wird immer auf der Rohdecke abgestellt, damit der Lastabtrag über ein statisches Bauteil erfolgen kann. Schwimmende Estriche sind kein statisches Bauteil!
    Vielmehr sind Estriche auf Dämmschicht in Wohnobjekten (damit spreche ich die Mindestdicke von 45mm an) für Lasten bis ca. 250kg geeignet. In Randbereichen, wo nun die Badewanne aufgestellt werden soll, wirken jedoch innerhalb der Estrichscheibe ganz andere Spannungsverhältnisse bei Belastung.
    Das bedeutet, dass der Estrich mit sehr großer Wahrscheinlichkeit eher früher als später (soweit Ihr denn die Badewanne nutzen werdet) abbricht.
    Auch diese geplante Vorgehensweise ist nicht akzeptabel und sollte keinesfalls ausgeführt werden!!
    ------------------------------------
    Gruß: KlaRa
    (Sachverständigenbüro für Schäden an Fußböden)
     
  4. Bau-SV

    Bau-SV

    26. 03. 2018
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    Hallo Forum,

    bezüglich der Wannenaufstellung gebe ich meinem Vorschreiber vollkommen recht.

    Bei der "flüssigen Dämmung" gehe ich davon aus, daß es sich um eine gebundene Schüttung, z.B. Thermodur, oder Airmix 500, handelt. Dabei werden Dämmstoffkugeln mit Sand, Zement und Wasser, zu einem Wärmedämmestrich gemischt, als homogenes Bauteil eingebaut und bilden nach Aushärtung die Wärmedämmschicht.

    Diese Vorgehensweise entspricht dem Stand der Technik und soll Wärmebrücken verhindern. Lose Schüttungen sind in diesem Bereich nicht mehr statthaft.

    Nach dem Einbau ist die Oberfläche sehr empfindlich, so dass diese bis zum Estricheinbau zu schützen ist.

    Durch den Druckverteilungskegel bei Auflasten auf den Estrich wird trotzdem eine statisch dauerhafte Konstruktion hergestellt, die auch in hochbelasteten Bereichen zum Einsatz kommt.

    Beim Einbau des Estrichs ist auf die Vorgaben des Herstellers bezüglich der Aufbauhöhe und der Mörtelgüte zu achten, da ansonsten mit Schäden am Estrich zu rechnen ist.


    Viele Grüße

    Kristof Kronenberg Zeidler
    Interessengemeinschaft Rüttelboden
    Sachverständige für Bauschadenbewertung
     
  5. hyaden

    hyaden

    24. 07. 2017
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    0
    Hallo zusammen,

    vielen Dank nochmal für den Hinweis der Wannenaufstellung. Nach der entsprechenden Intervention wurde der Bereich der Wanne ausgespart und die Wanne steht nun auf dem Rohfussboden.

    Grüße
    hyaden