Estrich bestellt aber Nacharbeit erforderlich

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Zuletzt aktualisiert 27.05.2024
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KlaRa

KlaRa

Moderator
Zu wenig Wasser oder zuwenig Zement bzw zu viel Sand (wie man's nimmt). Oder Zement zu alt.
Fragen an den Fachmann:
1. Wie sieht ein Estrich aus, dem man zu wenig Anmachwasser zusetzte?
Richtig, es ist nicht verarbeitungsfähig. Diese Antwort kann man als zutreffend somit ausschließen.
2. Wie sieht ein Zementestrich aus, dem man zu wenig Zement zusetzte?
Richtig, er staubt von der Oberfläche her stark ab. Da dies durch den Fragesteller nicht angegeben wurde, kann man diesen Aspekt als Antwort also ebenfalls ausschließen.
3. Wie sieht ein Zementestrich aus, dem man Sand zusetzte?
Antwort: Einem Zementestrich wird niemals Sand zugesetzt. Sondern nur ein gewaschener Kies der Kornbreite 1,2/5mm. Diesen Aspekt der Antwort kann man somit ebenfalls als unzutreffend löschen.
4. Wie sieht ein "zu alter Estrich" aus?
Richtig, da gibt es keine fachlichen Hinweise, wann ein Zementestrich "zu alt" ist und ebenfalls nicht, ob er dann an den Kanten abbricht.
Da der Estrich neu eingebaut wurde kann der Aspekt "Estrich zu alt" ohnehin beiseite geschoben werden.
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Die Frage ist nun: was ist an der Aussage "Tolentino" für den Fragesteller wie interessierte Forenteilnehmer verwertbar?
Nichts. Ebenfalls richtig!
Wenn also Antworten zu angefragten Themen als zutreffende Hinweise (somit nicht als spekulativ erkennbar) geben werden, sollten zumindest die fachlichen Grundlagen (hier: der Estrichtechnologie) bekannt sein.
Meine Meinung!
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Gruß in die Runde: KlaRa
 
Tolentino

Tolentino

Ich bin kein Fachmann, hab das auch nicht behauptet. Die dürften hier im Forum sowieso in der Minderheit sein.
Insofern sind wir ja sehr dankbar für so Mitglieder wie dich @KlaRa.

1. Zu wenig hat ja keine Auflösung von 2 Stufen. es ist für mich durchaus vorstellbar, dass zwar eine Verarbeitung gerade noch möglich, aber ein gleichmäßiges Abbinden eben nicht mehr möglich und in Teilen nicht ausreichend stattgefunden hat, hier nun ausgerechnet in Randbereichen.

2. Da das Weglassen von relevanten Informationen in diesem Forum (und anderen Laien-Foren, die sich mit Bau und Handwerk beschäftigen) quasi Tradition hat würde ich keine Möglichkeit außer betracht lassen. Es liegt ja in der Natur der Sache, dass ein Laie eben nicht weiß was relevante Informationen und nicht relevante Informationen sind.

3. Da Sand geologisch betrachtet bis 2mm Korngröße hat, scheint es hier zumindest Überschneidungsbereiche zu geben und auch diverse zu findende Artikel von einschlägigen Seiten, die ich hier nicht angeben darf, schreiben in Bezug auf Zementestrich von Sand oder Kies. Gemeint habe ich jedenfalls die fachgerecht zu verwendende Gesteinskörnung.
Was wäre denn die Folge von der Verwendung von zu wenig gewaschenem Kies der Kornbreite 1,2-5mm?

4. Ich schrieb von zu altem Zement, gemeint war überlagerter Zement, der schon zu viel Feuchtigkeit gezogen hat und Klumpen gebildet hat.
Die Folge wäre m.E. eine zu geringe Verteilung des Zements in der Mischung somit zuwenig Bindung und könnte dadurch zum Brechen des Estrichs führen.

(Meine Nummerierung:)
5. Das waren ein paar Anregungen, zu denen der Fragensteller aber auch andere Teilnehmer ja nochmal Stellung nehmen könnte(n), bzw worauf beim zweiten Versuch geachtet werden könnte.

6. Welche Gründe könnten deiner Meinung unter vorgenannter Informationslage noch vorliegen? Du hast ja bislang nur eine Instandsetzung des vorhandenen Estrichs empfohlen und auf falsche Begrifflichkeiten hingewiesen.
Auf das Risiko, dass der gesamte Estrich mangelhaft sein könnte, bist du nicht eingegangen, bzw., hast es implizit schon ausgeschlossen. Darauf gingen meine Fragenvorschläge ein.
 
KlaRa

KlaRa

Moderator
@ "Tolentino"
* Wenn ein Zementmörtel zu wenig Wasser zugegeben wurde hat das nur und ausschließlich Auswirkung auf die Verarbeitbarkeit!
Nehmen wir einen w/z-Wert von 0,45 (das wäre bei Beton ein WU-Beton), dann ist dieser handwerklich nahezu kaum mehr zu glätten, zu verarbeiten.
Den Zementmörtel selbst und seine Aushärtung "stört" das nicht. Er muss nur weniger Wasser an die Raumluft abgeben (trocknen), der Chemismus bleibt aber durch die relativ geringe, notwendige Wassermenge unberührt.

* Ein ungewaschener Sand und/oder eine zu kleine Körnung des Zuschlags ist verbunden mit einem höheren Wasseranspruch. Hieraus resultiert eine größere Porenverteilung und -Volumen, dadurch eine geringere Gefüge-Endfestigkeit und hohe Rissgefahr.

* Ein Mörtel, der bereits zu viel Wasser gezogen hat kann nur bedeuten: der Mörtel hatte bereits angezogen, befand sich im fortgeschrittenen Stadium der Aushärtung. Ein solcher Mörtel kann handwerklich unmöglich verteilt und händisch verdichtet werden. Auch maschinell geht das nur bedingt, da die ausgehärteten Mörtelbatzen beim maschinellen Glätten die Oberfläche immer wieder aufreißen. Ein Eckbereich eines ausgehärteten Estrichs kann durch höhere Beanspruchung abbrechen.
So sind mir persönlich Baustellen bekannt, wo Eckbereiche aufgeschüsselt waren. Kein Mangel, das am Rande, sondern eine materialspezifische Eigenschaft für zementgebundene Baustoffsysteme. Als nun der Architekt auf die Ecken sprang, brachen diese ab. Als Argument war dieser "Sprungversuch" völlig ungeeignet.
Mein Hinweis, dass dies eine willkürliche Sachbeschädigung sei fand Anklang, die Folgekosten seiner Sprungübungen musste der Architekt übernehmen.
Ferndiagnosen ob der Ursachen für Gefügebrüche sind nicht mehr als Kaffesatzleserei. Hierfür bedarf es einer sachlichen Inaugenscheinnahme der Bruchzone und des Estrichgefüges, ggf. sogar einer Bestätigungsprüfung nach DIN 18560 Teil 2.
Dies wäre der Fall, wenn sich in der Fläche weitere Aspekte eröffnen würden, welche auf einen Mangel der Tragfähigkeit hinweisen würden.
Aber Eckbereiche sind in der Betrachtung Sonderfälle, da hier die Biegezugkräfte bei Belastung wesentlich höher anzusetzen sind als in der Fläche, wo die auftreffende Punktlast durch den seitlich angrenzenden Estrichmörtel abgetragen (gestützt) wird.
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In der Hoffnung, ein wenig Klarheit in die Situation getragen zu haben: KlaRa
 
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