Baukosten für EFH und Frage ob GU oder Architekt

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Zuletzt aktualisiert 07.12.2022
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Schwabe23

Ich will dir mal von unseren Erfahrungen berichten weil wir inzwischen schon eine lange Planungshistorie (3 Jahre) haben und beide Seiten kennengelernt haben. Wir waren zunächst bei einem Fertighausanbieter (nach vielen Gesprächen mit allen möglichen Anbietern) und hatten sogar bereits unterschrieben. Kurz danach sind uns dann Unstimmigkeiten im Vertragswerk aufgefallen (es ging um die Zahlungsbedingungen), worauf wir fristgerecht widerrufen haben. Bis dahin waren wir sehr zufrieden, da alles schnell und unkompliziert über die Bühne gegangen ist. Unsere Wünsche wurden umgesetzt und wir hatten ein Haus auf dem Plan das wir uns vorstellen konnten. Aber irgendwie hat uns das Gefühl nicht losgelassen, dass wir bei einem GU ausgeliefert sind. Wir wollten einfach mehr Kontrolle haben und selbst entscheiden wer da was macht. Darum haben wir einen Architekten aufgesucht der sich auf den Holzbau spezialisiert hat. Ich kann nur sagen dass die Planung eine völlig andere Qualität hatte. Es wurden z.B. Lebensgewohnheiten hinterfragt, die Sonnenstände zu verschiedenen Jahreszeiten betrachtet usw. Entstanden ist ein Entwurf bei dem uns wirklich "warm ums Herz" wurde, das war vorher nicht der Fall.
Euch muss klar sein, dass diese Leistung zunächst erhebliche Zusatzkosten erzeugt die beim GU meist inkludiert sind. Einsparen kann ein Architekt nur durch kostenorientierte Planung, über Ausschreibungen und in der Vergabe. Dort schlägt ein GU seine Marge und Risikozuschläge drauf. Es macht also in meinen Augen absolut keinen Sinn nach der Planung zum GU zu wechseln. Ich fühle mich auch äußerst wohl damit einen Bauleiter mit Expertise an der Seite zu haben der meine Interessen vertritt und nicht die des GU. Zudem kann ich alles beeinflussen was ich möchte, z.B. ein lokaler Elektriker vs. einem Billigtrupp aus Tschechien.
Da uns diese Dinge wichtig sind spreche ich ganz klar pro Architekt. Wer es schnell und planungssicher haben will, dafür in der Planung Abstriche in Kauf nimmt, eher GU.

Beim Architekt ist es aber wichtig einen zu finden der bereit ist kostenorientiert zu planen und das auch im Griff hat (z.B. Elementkalkulation und keine losen Schätzwerte an Hand von m²). Die meisten Architekten lieben es zu planen und schießen schnell übers Ziel hinaus wenn man nicht aufpasst. Wir mussten diese Erfahrung leider machen und nochmal umplanen als die Preise so explodiert sind. Aber auch das wäre mit einem GU niemals nach Vertragsschluss möglich gewesen. Da gehört beiderseits wirklich eine Menge Disziplin dazu, denn man hat einen unendlich großen Baukasten zur Verfügung und nicht nur das was der GU grade im Portfolio hat. Am Ende ist es aber dann dein individuelles Haus (nicht vergleichbar mit dem was in den Fertighausprospekten mit Architektenhaus beworben wird). Entscheidend ist aber an wen man da gerät (bei beiden Varianten). Hier unbedingt mal Referenzen besuchen und mit den Bauherren sprechen um sich ein Bild zu machen. Egal was Ihr macht ich wünsche alles Gute!
 
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Rumbi441

um jetzt den Mittelweg mal einzuschlagen: Viele GU vor allem die kleinen mti einem Radius von maximal 50 km arbeiten mit Ihrem Trupp von lokalen ortsansässigen Unternehmen seit zig Jahren schon zusammen.

Einen Köngisweg gibt es da sicherlich nicht, da jedes Bauvorhaben individuell ist. Eine 80 qm hütte, würde ich jederzeit vom Ortsansässigen Zimmerer machen lassen der auch den Kindergarten gebaut hat, während die Bauhausvilla-Fertighaus halt zum Fachanbieter gehe.
 
Zuletzt aktualisiert 07.12.2022
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