Ingenieurmässige Baugrubensicherung
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Ingenieurmässige Baugrubensicherung


Nicht immer hat man das Glück, auf gutem Baugrund bauen zu können. Vorallem eine Unterkellerung kann bei schlechtem Baugrund schwierig werden. Die dafür notwendige Baugrube muss so hergestellt werden, dass ihre Ränder stabil bleiben, nicht abrutschen oder wegbrechen. Bei normalem Baugrund werden die Ränder der Baugrube angeböscht, d.h., so angeschrägt, dass kein Erdmaterial abrutschen kann. Wie geht man aber vor, wenn kein Platz für eine Böschung ist, der Baugrund nicht stabil genug ist, verzichtet man dann auf den Keller?

Die Dimensionierung einer Baugrube sowie die Baugrubenumschließung müssen auf den vorhandenen Baugrund und die Ausmaße des geplanten Gebäudes abgestimmt werden. Wenn es die örtlichen Gegebenheiten zulassen – geeigneter Baugrund und ausreichend Platz – wird eine Baugrube mittels Böschungen gesichert. Das funktioniert immer dann gut, wenn im Bereich der Baugrube kein Grundwasser ansteht und die Böschungsschulter (d.i. der obere Rand einer Böschung) nicht belastet wird. Lagerflächen für Erdaushub oder Baumaterial müssen deshalb mit mindestens 60cm Abstand zum Böschungsrand angelegt werden, geringer ist zu gefährlich, der Rand könnte abbrechen. Dabei darf die Baugrube max. 5m tief sein.

Wenn die genannten Anforderungen an eine sichere Baugrube nicht eingehalten werden können, kommt eine ingenieursmäßige Baugrubensicherung zum Einsatz, ein sog. Verbau. Dieser Verbau kann bei Bedarf auch wasserdicht ausgeführt werden, man spricht dann vom wasserundurchlässigen Verbau, im Gegensatz zum wasserdurchlässigen Verbau.

Wie kompliziert ist eine solche Baugrubensicherung?

Lassen die Platzverhältnisse eine Böschung zu, bei aber nicht ausreichend tragfähigem Baugrund, fällt die Wahl auf eine recht einfache Verbauart, eine Baugrubensicherungen mit Spritzbeton. Hierbei wird ein spezieller Beton auf die Böschung aufgespritzt. Dieser Spritzbeton erstarrt sehr schnell und erreicht bereits nach einem Tag eine ausreichende Festigkeit. Auf diese Weise wird ein Abrutschen der Böschung verhindert.

Technisch aufwändigere Verbauarten kommen zum Einsatz, wenn eine Böschung nicht möglich ist. Jeder hat wohl schon auf Baustellen in der Stadt Spundwände gesehen oder Trägerbohlwände. Beide werden ähnlich hergestellt und haben ähnliche technischen Eigenschaften. Es werden hier jeweils stützende Bauteile senkrecht in den Boden am Baugrubenrand gerammt. Spundwände bestehen aus Stahlprofilen, die in der Art eines Nut- und Federsystems aneinandergekoppelt werden; für einen Verbau als Trägerbohlwand werden Stahlträger in Abständen in den Boden gerammt und schrittweise mit fortschreitendem Baugrubenaushub mit Holzbohlen ausgefacht. Beide Verbaumethoden sorgen für eine sichere senkrechte Baugrubenwand und sind kostengünstig herzustellen.
Spundwände können wasserdicht hergestellt werden, Trägerbohlwände nicht. Hingegen ist es bei einer Trägerbohlwand einfacher (weil aus Holz) Aussparungen für Leitungen herzustellen, bei Stahlspundwänden ist das aufwändiger.

Die eben geschilderten Verbauarten könnten auch auf Baustellen für Einfamilienhäuser zum Einsatz kommen. Technisch noch aufwändigere und teurere Methoden, wie Bohrpfahlwände aus Betonpfählen, Beton-Schlitzwände oder Bodenvernagelung wird man eher auf Baustellen sehr großer Gebäude finden.

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