Baurecht beim Hausbau - Was muss ich alles wissen?

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Baurecht


Als Privatmensch wird man kaum mit mehr Gesetzen und Verordnungen in Kontakt kommen als beim Bau des eigenen Hauses. Das Gesetz begleitet uns schon vor Vertragsabschluss, hat bei der Planung des Hauses mehr Einfluss als alle anderen Faktoren, regelt den Bauablauf und schreibt vor, wie man sich bei Fertigstellung des Eigenheims zu verhalten hat. Wie schafft man das als Bauherr, man hat ja meist kein Baurecht studiert, hat kaum je von diesen speziellen Gesetzen gehört?

Damit aus Baulust nicht Baufrust wird, ist es notwendig, sich als Bauherr einen Überblick über wichtige Rechtsvorschriften zu verschaffen: Wie sieht mein Verhältnis zur Baubehörde aus, wie gestalten sich die verschiedenen Verträge, wer plant und baut mein Haus, wie steht es mit der Gewährleistung der Bauunternehmer.

Deutsches Baurecht gliedert sich grundlegend in das private Baurecht und das öffentliche Baurecht. Das private Baurecht betrifft die Bauherrschaft immer dann, wenn keine öffentliche Institution beteiligt ist, also nur Privatpersonen untereinander, z.B. Bauherr zu Bauunternehmer oder Bauherr zu Architekt. Die für das Bauen wichtigsten Paragraphen findet man im Werkvertragsrecht des BGB (Bürgerliches Gesetzbuch); das wären die §§ 631 bis 651. Der komplette Bauablauf von den vertragstypischen Pflichten, über das Verhalten bei Mängeln, die Vergütung und letztendlich die Abnahme wird hier im Werkvertragsrecht geregelt. Ein weiteres Gesetz des öffentlichen Baurechts, die HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure), legt die Vergütung für die Arbeit von Architekten und Ingenieuren fest. Immer dann, wann die Bauherrschaft Architekten und Ingenieure direkt beauftragt, muss die HOAI angewandt werden.

Das öffentliche Baurecht regelt Rechte und Pflichten der Behörden, der am Bau beteiligten Privatpersonen und ihr Verhältnis zueinander.
Ganz ohne Zutun der Bauherrschaft kommt man mit dem öffentlichen Baurecht in Kontakt, wenn man in einem Baugebiet baut, für das ein Bebauungsplan gilt. Das Baugesetzbuch und die Baunutzungsverordnung werden von den Bauplanungsbehörden herangezogen, um einen Bebauungsplan festzulegen. Das öffentliche Baurecht fand also längst schon Anwendung, bevor man ein Grundstück kauft. Verstößt man allerdings mit dem Bau des Eigenheims gegen den Bebauungsplan, wird der Kontakt zum öffentlichen Baurecht dann doch sehr direkt und auch unangenehm.

Über die Landesbauordnungen (abgekürzt z.B. LBauO, LBO) der Länder kommen Bauwillige ganz direkt in Kontakt mit dem öffentlichen Baurecht; sie regeln das bauaufsichtliche Verfahren von der Planung bis zur Verwirklichung eines Bauvorhabens. Sicherheit und Ordnung und die Einhaltung der sonstigen öffentlich rechtlichen Vorschriften bilden den Grundsatz der Landesbauordnungen.
Der für Bauherren sicher interessanteste Bestandteil der Landesbauordnungen sind die Paragraphen zu Bauantrag und Baugenehmigung.

Die eigenen Pflichten und Rechte aus dem Werkvertragsrecht und den Landesbauordnungen sind wichtig und man sollte sich zumindest Grundlagenwissen aneignen, um im Zweifelsfall nicht ganz überrascht und ratlos dazustehen.






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