Welchen prozentualen Gesamtbetrag zu welchem Bautenstand?
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Welche prozentualen Gesamtbeträge sind zu welchem Bautenstand gerechtfertigt?


Welchen Anteil hat der Wert des Rohbaus an der Gesamtsumme meines Vertrages, oder die Erdarbeiten... wie kann ich das einschätzen; ich möchte meinen Vetragspartner ungern überzahlen.

Die Zahlungsplan-Regelung der Makler- und Bauträgerverordnung bietet sich Bauherren gleichermaßen als Richtlinie an, wenn sie nicht mit dem Bauträger bauen. Auch von der MaBV abweichend formulierte Zahlungspläne können damit weitgehend auf Plausibilität kontrolliert werden. Die folgende Tabelle zeigt die MaBV-Regelung für Teilzahlungen:

30 % der Vertragssumme nach Beginn der Erdarbeiten von der restlichen Vertragssumme
- 40 % nach Rohbaufertigstellung, einschließlich Zimmererarbeiten
- 8 % für die Herstellung der Dachflächen und Dachrinnen
- 3 % für die Rohinstallation der Heizungsanlagen
- 3 % für die Rohinstallation der Sanitäranlagen
- 3 % für die Rohinstallation der Elektroanlagen
- 10 % für den Fenstereinbau, einschließlich der Verglasung
- 6 % für den Innenputz, ausgenommen Beiputzarbeiten
- 3 % für den Estrich
- 4 % für die Fliesenarbeiten im Sanitärbereich
- 12 % nach Bezugsfertigkeit und (ist nur beim Bauträgervertrag wichtig: Zug um Zug, gegen Besitzübergabe)
- 3 % für die Fassadenarbeiten
- 5 % nach vollständiger Fertigstellung.

Diese Liste darf man jedoch nicht als Vorgabe für die Reihenfolge der Bauleistungen betrachten – sondern allein für deren Wert. Wird beispielsweise im Spätjahr gebaut, strebt man an, vor den Installationen schon die Fenster einzubauen, dann werden die hierfür angesetzten 10% eben vor der Fertigstellung der Installationen fällig. Das ist also kein Grund, dem Unternehmer zu entgegnen: „Die Fensterrate bezahle ich jetzt noch nicht, erst müssen die Rohinstallationen fertig sein.“

„Bezugsfertig“ bedeutet, dass zwar auch die Böden überall verlegt wurden, so dass man einziehen kann, Kleinigkeiten wie Fußleisten und letzte Nachbesserungen aber noch fehlen können.

Der letzte Teilbetrag „ 5 % nach vollständiger Fertigstellung“ ist als Sicherheitseinbehalt bzw. Druckmittel zu sehen. Zur vollständigen Fertigstellung gehört nicht zuletzt auch die Beseitigung der bei Abnahme festgestellten Mängel. Diese letzte Rate also wirklich erst nach vollständiger Fertigstellung zahlen, auch wenn das den Unternehmer wurmt.

Für bestimmte Bauweisen passt der Vergleich mit der MaBV-Regelung allerdings nicht.

Bei Fertighäusern findet ein Großteil der Bauzeit im Werk statt, der Transport kommt hinzu; oder man denke an Passivhäuser, deren Aufwand für hohe Fassaden- und Dachdämmung und besondere Fenster - hier stimmen die prozentualen Anteile an der Gesamtsumme nicht mit den in der MaBV genannten Beträge überein. In einem solchen Falle lässt man sich den Zahlungsplan genau vom Vertragspartner erläutern, bevor man zustimmt. Immer darauf achten, dass Zahlungen erst nach vollendeter Leistung fällig werden. Nicht „Bei Beginn der Montage...% der Pauschalsumme“, sondern z.B. „Nach der Montage, jedoch vor Ausbau ...“ . Einen Sicherheitseinbehalt von mindestens 5% als Schlusszahlung sollte man auch bei jedem individuellen Zahlungsplan berücksichtigen.






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