Pflichten des Bauherren - Alles was Sie wissen müssen
(5 Bewertungen)
Pflichten des Bauherren vor Vertragsabschluss 5 5 5votes
Views: 5994
<< Vorheriges Thema | Nächstes Thema >>

Pflichten des Bauherren vor Vertragsabschluss


Als Bauherr hat man vielfältige Pflichten; die Zahlungspflicht, Pflicht zur Abnahme, Mitwirkungspflicht etc. - nach Vertragsabschluss und während der Bauzeit. Es entstehen der Bauherrschaft aber schon Pflichten in der Vorphase eines Vertragsabschlusses. Das BGB führt in § 311 Abs. 2 Nr.1 Folgendes auf: „Ein Schuldverhältnis mit Pflichten nach § 241 Abs.2 entsteht auch durch die Aufnahme von Vertragsverhandlungen“. Was muss die Bauherrschaft beachten, um nicht schon vor Vertragsabschluss in die Mühlen der Gesetze zu geraten?

Bauherren verschaffen sich im Vorfeld einer konkreten Entscheidung einen Überblick über in Frage kommender Anbieter; die passende Fertighausfirma, den passenden Massivhausanbieter oder den richtigen Architekten. Man geht also vorvertragliche Verhandlungen ein – einen Vertrag schließt man ja nicht gleich ab, man bespricht sich, möchte sich kennenlernen, möchte auswählen, mit wem man eventuell einen Vertrag eingehen könnte, deshalb „vorvertraglich“.

Auf gefährliches Eis begibt sich der Bauherr hier immer dann, wenn er beim Gesprächspartner konkrete Absichten äußert, einen Vertrag einzugehen. „Wir sind eigentlich zufrieden. Könnten Sie uns schonmal die Zeichnungen und Beschreibung mitgeben, das vereinfacht die Verhandlungen mit der Bank. Nächste Woche melden wir uns wieder.“ So oder ähnlich wird gerne geflunkert, um an Zeichnungen oder Visualisierungen von in Frage kommenden Häusern zu kommen, man möchte gerne 1:1 vergleichen können. „Weißt Du was, Schatz, wir gehen jetzt mit diesen Plänen zur anderen Firma, mal sehen, was die uns anbieten.“

Aber halt: Durch die Vertragsverhandlungen befinden sich Anbieter und Bauherrschaft schon in einem vorvertraglichen

Schuldverhältnis. Die erste Firma kann auf Grund der Aussagen eigentlich davon ausgehen, dass das nette Paar überzeugt war, einen Vertrag eingehen zu wollen und geht Vorleistungen an: Kalkulationen, etwaiges Überarbeiten der Grundrisszeichnungen. Hier kann Schadenersatz drohen; zum einen – entscheidet man sich für einen Konkurenten – hat die Bauherrschaft die Verhandlungen ohne wichtigen Grund abgebrochen und die Erstattung etwaiger Vorleistungen könnte verlangt werden. Zum zweiten kann das Weitergeben vertraulicher Unterlagen (Zeichnungen, Beschreibungen, Angebotspreise) rechtlich als geschäftsschädigend verfolgt werden.
Die Bauherrschaft hätte so nicht mit Rücksicht auf die Interessen des Hausanbieters gehandelt und gegen die Schutzpflichten nach BGB § 241 verstoßen.

Weiterhin hat die Bauherrschaft Informations-, und Aufklärungspflichten. Hat man noch kein Grundstück, ist aber vorab an momentan angesagten Architekturmoden und Angeboten interessiert, sollte das im Gespräch erwähnt werden. So gibt es keinen Zweifel, wohin das Gespräch führt. Das Gleiche betrifft Auskünfte über die Finanzierung und Eigentumsverhältnisse: Führt man die Gespräche etwa für die Eltern? Der reiche Onkel wäre eigentlich der Bauherr. „Das Haus, das wir umzubauen planen, gehört uns leider noch nicht.“

Also: Vertrauen bieten (und einfordern). Darüber hinaus ist es jedem gestattet, Verträge nach Belieben aufzusetzen und wieder zu verwerfen (vor Vertragsschluss!).


Bericht bewerten


Ihre E-Mailadresse (zur Bestätigung)

Sicherheitsfrage: *







<< Vorheriges Thema | Nächstes Thema >>



Ähnliche Artikel
Hauskauf-Vertrag
Kein Hauskauf kann ohne einen schriftlichen Vertrag bewerkstelligt werden. Es ist zwar grundsätzlich möglich Verträge mündlich oder sogar durch Stillschweige...

Kaufvertrag
Der Kaufvertrag gehört zusammen mit dem Tauschvertrag und mit der Schenkung zu den Veräusserungsverträgen. All diese Veträge haben gemeinsam, dass das Eigent...

Bauwerkvertrag
Durch den Bauwerksvertrag verpflichtet sich der Unternehmer zur Herstellung eines Werkes und der Bauherr zur Leistung einer Vergütung (Art. 363 OR). Als Werk...

Architektenvertrag
In einem Architektenvertrag verpflichtet sich der Architekt gegenüber dem Bauherrn zur Erbringung von Architekturleistungen. Je nach Ausgestaltung des Vertra...

Bauherrenhilfe vor Vertragsabschluss
Das allerwichtigste was Sie vor Vertragsabschluss wissen müssen. Wer hier falsche Entscheidungen trifft bezahlt diese im schlimmsten Fall sein Leben lang.

Bauherrenhilfe vor Vertragsabschluss
Das allerwichtigste was Sie vor Vertragsabschluss wissen müssen. Wer hier falsche Entscheidungen trifft bezahlt diese im schlimmsten Fall sein Leben lang.

Was man vor Vertragsabschluss beachten sollte
Unsere Empfehlung eine Überprüfung der in Frage kommenden Firmen vorzunehmen, ist eine goldene Regel, welche ein zukünftiger Bauherr vor Vertragsabschluss un...

Vor Bau-Vertragsabschluss - Vorsicht ist besser als Nachsicht
Wir lesen immer häufiger von „Anzahlungen“ oder „Vermittlungsprovisionen“ vor Baubeginn und ebenso häufig von Überzahlung bei Rohbaufertigstellung in Höhe 70...

Bauherrenhilfe nach Vertragsabschluss
Ist der Bau- bzw. Architektenvertrag unter Dach und Fach, wurde die erste große Hürde genommen und man erwartet mit Spannung die Verwirklichung des Bauvorhab...

Bauabnahme - Hauptpflicht des Bauherren mit grosser Bedeutung!
Mit einem wichtigen Recht des Unternehmers, der Anerkennung seiner abgeschlossenen vertraglichen Bauleistung, der „Abnahme“, entsteht dem Bauherrn

Teilabnahme des Hausbau-Werks
Wird nur ein Teil oder Bauabschnitt der Bauleistung abgenommen, nennt man das Zwischen- oder Teilabnahme. Nach dem Gesetz ist der Bauherr verpflichtet, das v...

Baubeginn - die Letzten Pflichten der Bauherrschaft
Endlich kann es losgehen - Ja, aber. Es entstehen der Bauherrschaft kurz vor Baubeginn noch letzte Pflichten. Ist die Baugenehmigung erfolgt und der Zeitpun...

Unterlagen beim Hausbau - Alles was Sie wissen müssen
Hat sich die Bauherrschaft für den richtigen Vertragspartner entschieden, befindet man sich immer noch in der vorvertraglichen Verhandlungsphase. Nun werden ...

Oben